Lily Electric - You´re In The Painting You Saw - Cover
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Lily Electric You´re In The Painting You Saw


  • Label: Pony/INDIGO
  • Laufzeit: 47 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Indie-Rock. Das ist inzwischen eine Umschreibung für kantigen Pop mit E-Gitarren geworden. Man siehe The Shins als Paradebeispiel und auch beim dänischen Quartett Lily Electric ist dies nicht anders. Es wird manchmal laut, manchmal kratzig und trotzdem nie aggressiv. Wenn man zurückschaut waren die Pixies vielleicht einer der Grundsteine für diese Art von Pop-Rock. Am Ende kommt im Falle der Musiker aus dem kleinen Klangbruder Schwedens ein Mix aus den Pixies, Oasis und eben typischem Skandinavierrock heraus. Eine vielversprechende, wenngleich nicht neue Mischung.

Bjarke Porsmose (Gesang und Gitarre), Tobias Mynborg (Gitarre), Morten Dybal (Bass) und Rasmus Valldorf (Schlagzeug) haben seit dem Release ihres Debüts in ihrem Heimatland viele Lorbeerkränze geerntet. Das muss ja jetzt nicht viel heißen, denn das „hypen“ haben die Skandinavier ja 1:1 von den Briten übernommen. Da kann man nur noch Taten oder halt Töne sprechen lassen. Der Stil der Band ist fest, ist fixiert. So wie der Titeltrack klingen alle Stücke im Grunde. Es wird nicht viel experimentiert. Knackige Gitarren, die ja nicht zu harmlos klingen sollen und auch gerne im Gehörgang kratzen und schaben und nicht wie Gleitmittel den Weg ins Hirn finden. Nicht Jedermanns Sache, jedoch liebt der geneigte Indie-Hörer es ja auch nur, wenn er sich in seiner Nische weiß. Ein solider Auftakt, der allerdings eher an ein Lager- und kein Osterfeuer erinnert.

Auch der zweite Song „So You Miss Your Feathers“, eine typische Tanznummer, ist nicht die große Entdeckung. Hier wird ein wenig zu sehr am Klischee festgehalten, wenn die allzu obligatorischen „Ah-Ah“s im Refrain aus dem Hintergrund schallen. Ansonsten bügeln das ein paar schöne Riffs aus. Der Hörer ist spätestens jetzt wach und damit gerade rechtzeitig zu einer der Singles „Don’t Change The Suit When It’s You“. Hier kommt ganz klar die Parallele zu gewissen Oasis-Songs hervor (Oasis-Fans würden damit natürlich nie einverstanden sein) und dazu eine Prise Mando Diao und dieses typische Gitarrenspiel von Lily Electric, die gerne auf einzelne Töne akzentuieren und nicht so oft über die Seiten schrammeln. Die schöne Single wird dann kantig abgerundet, durch das laute „No Art Worth The Look Of You“.

Auch wenn diese Musik für manch einen nur Mid-Tempo-Krach ist, hat man sich in der Welt von Lily Electric spätestens zurechtgefunden, wenn das niedliche „Churchbells“ durch ist. Hier passen die „Ah“s, die Glockenklänge, die Bläser im Refrain und der eben schon betitelte Gesang à la Oasis. Wer sich hierbei nicht gut fühlt, ist entweder Feind von kratzigem Sound oder ein wahrer Misanthrop. Jetzt geht es erst richtig los mit der poppigen Seite, die kompromisslos gehalten wird. „In Your Room“ hat fast nur noch den leicht verstellten Gesang mit den übrigen Songs gemein. Ansonsten steht hier ein Keyboard und Cello im Vordergrund, sowie das dumpfe, vorantreibende Schlagzeug. Eine glückliche Popperle, die in das genial einfache „Now I See You Nowhere“ führt. Eigentlich schon zu simpel um gut zu sein, macht gerade dies das Lied so einprägsam.

Der Spaß ist endgültig in den Vordergrund vorgerückt, was im anschließenden „Do You Bear The Truth In Your Silver Hands“ auch wieder ersichtlich wird. Uptemposchlagzeug meets Kinderliedrefrain. So einfach kann es sein, den Hörer glücklich zu machen. Natürlich ist das kein episches Meisterwerk, sondern die nette kurzweilige Unterhaltung, die doch durch ihre Kanten immer wieder Neues entdecken lässt. Kurzweilig, aber immer wieder hörbar. „Blasted“ erinnert dann an „In Your Room“, zündet allerdings nicht ganz so gut, trotz Gameboysounds vom Keyboard. Mit dieser gar zu süßlichen Nummer endet auch der Spaßausflug und wir kehren zum Oasis-Indie-Danish-Rock des Beginns zurück. „Love Travels Far“ zeichnet sich wieder durch laute Riffs und ineinander verwobene Gitarrenstimmen aus. „Naughty Girl“ dagegen kann sich nicht so recht entscheiden, was es will, außer wieder zum Tanzen anzuregen. Man kann sich aussuchen, ob einem dafür dieses Lied oder „Do You Miss Your Feathers“ besser gefällt.

Den Abschluss macht das völlig entgegengesetzte Malinké, welches mit seinen Bläsern auch den Klang für einen Abspann liefern könnte. Irgendwie aus dem Rahmen gefallen und doch zu schön, um nicht erwähnt zu werden. Vielleicht war das auch die Intention der Künstler. Vielleicht ist für das nächste Album auch genug Mut, ganze Nummern mit Akustikgitarren und fremden Einflüssen zu schreiben. Mit etwas mehr Erfahrung und mehr Flexibilität in Sachen Stil kann Lily Electric sich als respektabler, erwähnenswerter Name im „Indie-Rock“-Genre behaupten.

Anspieltipps:

  • Don’t Change The Suit When It’s You
  • Churchbells
  • In Your Room

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