Hanne Hukkelberg - Blood From A Stone - Cover
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Hanne Hukkelberg Blood From A Stone


  • Label: Nettwerk/SOULFOOD
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Björk ohne Strom kommt ursprünglich aus Japan. Diese merkwürdige Einleitung meint natürlich nicht die Norwegerin Hanne Hukkelberg, sondern Miho Hatori. Natürlich gibt es viele Sängerinnen, die einen sehr eigenen Stil an den Tag legen, doch nur selten trauen sich die Damen (natürlich ist es bei Männern nicht besser) ihre Stimmen so in den Vordergrund zu stellen, wie es Björk, Miho Hatori oder eben auch Hanne Hukkelberg tun. Allerdings muss man doch gestehen, dass letztere Beiden viel konventioneller zu Werke gehen und Ohr und Hirn nicht ganz so überfahren, wie die Isländerin. Trotzdem: Hanne Hukkelberg hat eine Leidenschaft eigentümliche Klangfarben zu erschaffen, wie sie schon auf „Little Things“ und „Rykestrasse 68“ bewies (allein der Titel des letzten Werkes spricht Bände).

Was zaubert die Skandinavierin also zum Abschluss dieses Jahrzehnts aus dem Hut, um ihre Hörerschaft aufs Neue zu begeistern. Es geht allerdings ganz behutsam los und der Beginn „Midnight Sun Dream“ präsentiert sich mehr als dichte Klangwolke, die gegen Ende einen Nebel erzeugt, durch den man kaum noch die eigene Hand sehen kann. Allerdings fehlen dem Song die Experimentierfreude, sowie die „Catchiness“. Letzteres sollte im Voraus erwähnt sein, denn Hukkelbergs große Fähigkeit ist eigentlich der radiotaugliche Song, der anders klingt. Der Titeltrack gibt dann auch gleich die richtige Richtung vor. Mit gleichmäßigen, präsenten Drums und guter Gesangsmelodie entsteht ein Lied, das sich im Gehörgang breit macht und auch gerne öfters am Stück gehört wird. Dass es so weitergehen kann, zeigt das etwas kratzigere „Bandy Riddles“, das Skandinavien-Indie-Gitarren-Pop in Reinkultur darstellt

Auch „No Mascara Tears“ probiert sich am typischen Klang der europäischen Nordstaaten, nur mehr Sphäre und weniger Rhythmus. Das funktioniert zwar nicht ganz so, wie erhofft, versprüht jedoch trotzdem eine gewisse Faszination. Besonders schön ist natürlich der Fokus auf der Stimme. Besser gelingen tun aber die Songs, die sich auf eine gute Bassline oder Drums stützen können, wie das anschließende „Seventeen“. Dann wird man allerdings doch noch mal eines Besseren belehrt, wenn die gute Frau Hukkelberg beweist, dass sich die bisher gewählten Stile in Vermischung noch grandioser präsentieren. „Salt Of The Earth“ schwelgt gemütlich knappe zwei Minuten vor sich hin, um dann auf indie-pop’sche Weise zu explodieren und dann doch wieder verträumt zu enden.

Dass Talent radiotaugliche Lieder untauglich für das breite Publikum zu machen, unterstreicht Hanne dann wieder mit „No One But Yourself“. Mit mehr Drums und konventionellerer Instrumentalisierung hätten wir es bei manch einem Interpreten mit einem Smashhit zu tun. In diesem Fall ist es eine Songwriter-Perle, die vor psychedelischer Seele nur so strotzt. Wo wir gerade bei komischen (ist mehrdeutig zu verstehen) Singalongs sind: „In Here/Out There“ bringt gleich wieder postwendend, allein mit Hilfe eines schnellen Grundrhythmus, einen Ohrwurm, der unter großer Garantie ein Lächeln auf das Gesicht des geneigten Hörers zaubert. Dann grüßt wieder der psychedelische Brei des ersten Songs in noch extrovertierterer Form, nachdem sich erst ein ruhiges Stück ankündigte. Identisch verhält es sich mit dem Schlusstrack, der sich ein wenig übernimmt in Sachen Länge. Hier wäre eine durchschnittliche Songlänge - wie bei den anderen Tracks - besser gewesen. Dies und andere kleine Details sorgen dafür, dass Hanne Hukkelberg vor Beginn der nächsten Dekade nur ein gutes Album herausbringt und kein überragendes. Nichtsdestotrotz möchte man einige Lieder aus „Blood From A Stone“ nicht missen, hat man sie erst einmal gehört. Das ist doch schon ein Prädikat, das sich sehen lassen kann.

Anspieltipps:

  • Blood From A Stone
  • Salt Of The Earth
  • No One But Yourself
  • In Here/Out There

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