Misery Speaks - Disciples Of Doom - Cover
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Misery Speaks Disciples Of Doom


  • Label: Drakkar/SonyBMG
  • Laufzeit: 49 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Bei keiner Internetseite liegen Wissen und subtiles Amüsement so dicht beieinander wie bei dem ständig wachsenden Online-Lexikon Wikipedia. Einerseits ist das für jeden abzuändernde und wohl aktuellste Nachschlagewerk des 20. Jahrhunderts ein willkommener Begleiter im alltäglichen Leben geworden (nirgendwo im Netz bekommt man schneller und kompakter Antworten auf die diversesten Fragen geliefert), doch andererseits ist gerade bei weitläufigen Themen die Gefahr groß, Infos vermittelt zu bekommen, nach denen man eigentlich gar nicht gesucht hat. Ein gutes Beispiel ist die Frage nach der in Nordrhein-Westfalen gelegenen Stadt Münster und ihrer seit Jahren existierenden metallischen Brutstätte für Bands wie Neaera oder Misery Speaks. Unter dem Eintrag „Münster“ und weiterführend „Musik“ ist zwar die Rede von Sinfonieorchestern und Kammerchören, von melodischem Death Metal fehlt aber jede Spur, was ein wenig verwunderlich ist, da die beiden eben genannten Kapellen auch nationenübergreifend für Aufsehen sorgen.

Die neueste Langrille von Przemek Golomb (Gesang), Florian Füntmann (Gitarre), Stephan Gall (Gitarre), Martin Grossmann (Bass) und Janosch Rathmer (Schlagzeug) mit Namen „Disciples of doom“ wäre nämlich mindestens eine kurze Erwähnung wert gewesen, denn hiermit offenbaren die fünf Deutschen ein weiteres Mal ihr Gespür für krachenden Metal, der als Mischung aus Göteborg-Todesblei, Rock und einem ordentlichen Pfund Groove jedes Orchester aus den Socken fahren lässt. Besonders Drummer Rathmer sorgt in jedem Track für die richtigen Akzente („The swarm“, „End up in smoke“), dicht gefolgt von der Gitarren/Bass-Abteilung, die dem Genre zwar nicht gerade Neues abgewinnen kann, aber gemeinsam mit dem heiseren Shouts und Growls von Golomb ein perfekt aufeinander eingespieltes Team ergibt und „Disciples of doom“ zu einer runden Sache macht, die selbst etliche Umdrehungen später nicht an Biss oder Frische einbüßt.

Wieso Misery Speaks mit dieser überdurchschnittlichen Veröffentlichung trotzdem nur 7 Punkte einfahren, ist schnell erklärt: Golomb & Co. vollführen zwar eine abwechslungsreiche Genre-Schau, die weder im Bereich Produktion negativ auffällt (besonders natürlich gehalten von Jonas Kjellgren (Sonic Syndicate, Scar Symmetry, The Absence), womit ein ähnliches Klangbild wie bei der letzten Fear My Thoughts zustande kommt) noch dem Einbinden von stilfremden Elementen abgeneigt ist (der satte Pogo-Groove in „Into the unknown“ oder der allgegenwärtige Rock-Faktor), aber gerade der achtminütige Longtrack „Black garden“ hinterlässt auf lange Sicht durch Ziellosigkeit und zu sprunghaften Tempowechseln einen seltsamen Beigeschmack, was der Platte nicht gerade zuträglich ist und den Spannungsbogen zerstört. Ungeachtet dessen machen Misery Speaks mit „Disciples of doom“ richtig Laune auf eine Live-Darbietung und weitere musikalische Kompositionen aus ihrer Feder, vorausgesetzt die Qualität bleibt bestehen. Dann kommt das mit dem Wikipedia-Eintrag wahrscheinlich auch von ganz alleine.

Anspieltipps:

  • Obsessed
  • The Swarm
  • End Up In Smoke
  • Disciples Of Doom

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