Oceana - Love Supply - Cover
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Oceana Love Supply


  • Label: Ministry Of Sound/EDEL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Als Opfer der unausweichlichen Kommerzradiobeschallung am Arbeitsplatz sorgt das Wort „Soul“ in letzter Zeit vermehrt für unkontrolliertes Zucken. Egal ob mit den Schultern oder als dezente Stellungnahme zu einem der lästigsten Phänomene der rezenten Popgeschichte, ganz viel von eben jener stilistischen Schublade hat (glaubt man den Moderatoren) derzeit so gut wie jeder Act, der durch den Äther schallt. Hätte Chef-Initiatorin Amy Winehouse gewusst was sie für ein Revival lostritt, sie hätte „Back to black“ (03/2007) wahrscheinlich im Giftschrank verschwinden lassen. Nach den ganzen Duffys und sonstigen Schnell-auf-den-Zug-Aufspringern, legt die 27-Jährige Oceana nach eher kleineren Gesangsparts und Kollaborationen (unter anderem mit Kim Frank von Echt oder Seeeds Demba Nabé alias Boundzound) nun ihren ersten Longplayer vor und auch hier ist das böse Wort schnell gesprochen.

Schon in der zweiten Zeile des Pressetextes leuchtet es einen förmlich an und lässt für den musikalischen Output Schlimmes erahnen, funktioniert das Unternehmen „Love supply“ auf dem Papier nämlich anscheinend nach denselben Eckdaten wie das allgegenwärtig bekannte Oeuvre eingangs erwähnter Sängerinnen. Funk, Jazz, Pop, R&B und eben Soul sind die Stichwörter, die wie das Amen in der Kirche heruntergebetet werden, wenn es darum geht, die Genre-Vielfalt hinter jener Platte zu umschreiben. Glücklicherweise ist es damit nicht getan und Oceana schafft es das engmaschige Korsett ein wenig zu lockern und eigenen Charme beizusteuern. Der Auftakt „Pussycat on a leash“ fällt zwar genau in die mittlerweile unüberschaubar gewordene Abteilung der locker-luftigen Popsongs mit dezentem Soul-Flair und verspielten Bläsern, die von pumpenden Beats flankiert werden, aber schon „Cry cry“ wie auch die restlichen Songs auf „Love supply“ erfreuen sich einer wesentlich homogeneren Mischung als es das erste, etwas vorurteilsbehaftete Herantasten verspricht.

Verspielt, frech und stellenweise in kitschig-kuscheliger Atmosphäre lässt sich Oceana von den Rhythmen und Melodien jagen, beißt zurück und feuert ein Pop-Konglomerat ab, das sich scheinbar für nichts schämt. Da treffen Nummern wie das dümmliche, bei „The candyman can“ abgekupferte „Lala“ auf knallige Dancehall-Bässe und Rave-Synthies („Upside down“), sommerliche Reggae-Tunes („He says“, „Baby hold on“) auf funkige Jazz-Bläser („Bad boy“) oder die 27-Jährige haucht, kiekst und zaubert in „Until I see your face“ mit heiserer Stimme und entspannten Soul-Vibes jedem ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht. „Ich möchte mit meiner Musik Spaß und gute Laune vermitteln. Es geht mir dabei um Freiheit und darum ein Lebensgefühl zu überbringen, das einen ein Stück weit aus dem Alltag zieht“ erläutert Oceana das simple Ziel hinter „Love supply“ und weist damit indirekt auf den wohl größten Schnitzer ihres Debüts hin. Klar, es lässt sich gut am Stück hören und keiner der Songs stößt wirklich sauer auf, noch könnte von Füllmaterial die Rede sein, aber leider ist die kunterbunte Mischung eben doch zu brav um wirklich Aufsehen zu erregen. Eben ein ordentliches Debüt einer ambitionierten Sängerin, die mit ihren ersten musikalischen Gehversuchen auf Nummer sicher gegangen ist. Wer könnte ihr das verübeln?

Anspieltipps:

  • All Genetic
  • Upside Down
  • Until I See Your Face

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