Erasure - Total Pop! The First 40 Hits - Cover
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Erasure Total Pop! The First 40 Hits


  • Label: Mute/EMI
  • Laufzeit: 155 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Dieser Querschnitt durch die trotz aller Electro-Affinität abwechslungsreiche Musik von Erasure, sollte in jedem Plattenschrank zu finden sein.

In den 80er Jahren gab es ein Erfolgsrezept, dass vor allem das britische Synthie-Pop-Duo Eurythmics vorbildlich ausführten: Man nehme einen begabten Soundtüftler, der den elektronischen Klängen zugetan ist und Popperlen komponieren kann und lasse diese von einer charismatischen Sängerin mit einer eindrucksvollen Stimme performen. Dieses Konzept verfolgte auch das ebenfalls britische Duo Erasure, allerdings ist der Sänger Andy Bell ein Mann, der über stimmliche Qualitäten von Falsett bis Normalton verfügt. Der Tüftler heißt Vince Clark (früher Depeche Mode, Yazoo), wobei im Gegensatz zu Eurythmics, der Sänger Bell auch Einfluss auf das Songwriting nahm. Bei Eurythmics durfte Annie Lennox erst später mit komponieren und startete zudem eine beachtliche Solokarriere, die Andy Bell bis auf ein Album nicht vornahm.

Nach einer ersten Sammlung der Hits von Erasure, die sich „Pop, The 20 Hits“ nannte und 2001 erschien, wurde 2003 der seit 1985 andauernden Karriere der Electro-Popband mit einer zweiten Best-Of-Sammlung die Ehre erwiesen. Nun gibt es das Gesamtpaket in Form von 40 Hits, die wirklich sämtliche Alben des Duos abdecken. Das letzte Studioalbum der Band erschien 2007 und nannte sich „Light at the end of the world“. Musikalisch schwelgte dieses im bekannten Synthesizer-Areal, doch erreichte sie die Erfolge der Vergangenheit nicht so ganz. Das ist auch ziemlich schwierig, denn Erasure haben sich eindrucksvoll in die Musikgeschichtsbücher geschrieben: Ihre Synthesizer getränkten Songs, die die soulige Stimme Bells so vortrefflich interpretiert, spielten und spielen in der höchsten Liga des Erfolges, obwohl sie musikalisch nicht nur auf Eingängigkeit setzten und dadurch vielleicht nicht durchgehend über die gesamten 24 Jahre die Charts erreichten.

Wenn man sich die herausragenden Tracks wie „Always“, „Sometimes“, „Blue Savannah“ oder „Oh l'amour“ anhört, wird klar, dass Eingängigkeit und viel Gefühl einhergehen. Das ist auch das Paradoxe bei Erasure, denn trotz aller unüberhörbaren Electro-Elemente trägt Andy Bell seine gefühlsbetonten Texte so vor, dass es bei aller Tanzbarkeit Emotion transportiert, die den Hörer fesselt. Den drei Coversongs nähert sich Erasure z.B. bei dem ABBA-Song „Take a chance on me“ von ihrer ABBA-EP mit wunderbar unterkühlten Tönen und der unverwechselbaren Intonation von Andy Bell.

Dieser große Querschnitt durch die trotz aller Electro-Affinität abwechslungsreiche Musik von Erasure, sollte in jedem Plattenschrank zu finden sein. Für das nächste Jahr ist ein neues Studioalbum von Erasure angekündigt und das ist doch eine gute Nachricht: Es bleibt zu hoffen, dass trotz der HIV-Infektion von Sänger Andy Bell die Zusammenarbeit der beiden Briten weiter musikalische Früchte trägt. Bisher scheint die Medizin das möglich zu machen.

Anspieltipps:

  • Oh L'Amour
  • Sometimes
  • Blue Savannah
  • Take A Chance On Me

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