Long Distance Calling - Avoid The Light - Cover
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Long Distance Calling Avoid The Light


  • Label: Superball/SPV
  • Laufzeit: 55 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Halleluja! So hat es nicht mehr aus den Boxen gedröhnt, seit „Panopticon“ von Isis aus meinen Boxen hämmerte. Ihr zweites Album „Avoid The Light“ lässt die fünf Bandmitglieder eine Mischung aus Joycehotel und Isis erschaffen. Anstatt Non-Stop das kunstvoll geformte Brecheisen auf den Hörer einzuschlagen, sind diesmal viele ruhige Passagen dabei, die für eine ätherische, unwirkliche Leichtigkeit sorgen, ohne wirklich gemütlich zu sein. Ein leichter Schauer läuft bei diesen geisterhaften Riffs den Rücken herunter, während das Gehirn die verspielten Pausen freudig zur Kenntnis nimmt. David Jordan (Gitarre), Janosch Rathmer (Drums), Florian Füntmann (Gitarre), Jan Hoffmann (Bass) und Reimut von Bonn bringen das Kunstwerk zu Stande sechs Lieder mit einer Durchschnittslänge von neun Minuten auf einem durchgängig starken Niveau zu halten.

So macht es die Eröffnung „Apparitions“ vorbildlich vor. Sogar zwölf Minuten werden hier abgehandelt und zugegeben wird manchem der Zwischenteil zu lang sein oder die Entwicklung in eben diesem zu minimal sein. Diese Kritik ist durchaus berechtigt, wenngleich mindestens genauso viele Prog-Rock-Fans ihre Freude an der ausschweifenden Nummer haben werden. Und spätestens wenn es dir letzten drei Minuten noch einmal richtig kracht, sind alle wieder glücklich und genießen die inbrünstigen Riffs. Wem das noch nicht „Kick Ass“ genug war, der erfreut sich dann an den schnörkellosen ersten Minuten von „Black Paper Planes“, die als gigantischer Soundtaifun über die Hörerschaft hinweg fegt und staunende Gesichter zurücklässt. Hier ist der Zwischenteil natürlich nicht so lang, was schneller wieder aus einzelnen Soli zu den bombastischen Klangteppichen führt. So lässt man sich gerne harte Töne um die Ohren schlagen.

„359°“ hat es dann eine ganze Ecke schwerer, Interesse zu wecken. Der Melodiebogen ist nicht einprägsam genug und so bekommt man nach vier Minuten das Gefühl, dass der rote Faden bei der ganzen Sache vergessen wurde. Das ist allerdings auch gut, denn nur eine Minute später sorgt der zweite Teil des Songs endlich für Bewegung und entwickelt sich zu einem weiteren Bombasten. Ja, das ist das Programm. Was auch immer für eine Richtung eingeschlagen wird, um wie viele Grad wir uns auch drehen, die Gitarren brettern nur so aus den Boxen. Und was jetzt natürlich fehlt, ist noch eine gepflegte Achterbahnfahrt. Diese liefert der vierte Titel teilweise. Die erste Hälfte ist tatsächlich eine Fahrt, die man nicht so schnell vergisst, doch die zweite Hälfte wird diesem Adrenalin-Pusher leider nicht gerecht und wirkt wie ein einziges Ausklingen, das wohl eigentlich einen Höhepunkt darstellen soll. Allerdings handelt es sich hierbei um Versagen auf ganz großem Niveau. Immer noch eine klasse Vorstellung.

Dann überrascht das instrumentale Album mit Worten und Gesang des Gastsängers Jonas Renske von Katatonia. Inzwischen ist der Überraschungsfaktor des Rests aber auch verflogen und man ist schon etwas kritischer eingestellt. Die Qualität ist weiter omnipräsent und so macht das gar nichts aus, auch wenn der entscheidende Funke zum Klassiker doch noch fehlt. Ein „Sundown Highway“ bringt diese Qualitäten dann doch noch einmal und zeigt, was alles in dieser Band steckt. Da wird das Tempo hochgehalten, den Gitarren keine Pause gegönnt und auch das Schlagzeug donnert punktgenau mit. Wenn dann am Ende geradezu himmlisch Akustikgitarren das große Feuerwerk ausklingen lassen, atmet man tief aus und ist sich sicher, dass man eine CD gehört hat, von der es sich lohnt, noch in einigen Jahren zu sprechen.

Anspieltipps:

  • Black Paper Planes
  • Sundown Highway
  • Apparitions

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