How To Loot Brazil - Auto Fister - Cover
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How To Loot Brazil Auto Fister


  • Label: Indigo
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Schon wenn das Revoluzzercover einen schelmisch angrinst, ist man sich sicher. Diese CD will gar keine musikalische Höchstwertung erhalten. Hier werden andere Skalen zur Hilfe gezogen. Hier steht Spaß im Vordergrund, ah ja, und Krach. Denn How To Loot Brazil machen Musik, an der man sich wunderbar stoßen kann und wenn kratzige Gitarrenriffs auf Gameboyzeitalter entsprechende Sythie-Sounds treffen, ist der Post Punk/New Wave Cocktail fertig. Dabei stellt sich die deutsche Formation aus Soest beinahe ungewollt als eine spaßige Variante von Bloc Party vor. Daran erinnern phasenweise der Gesang und das öfters an epileptische Anfälle gleichende Spiel des Schlagzeugs.

So geht es treibend und verspielt mit „Big Time“ los und tatsächlich kündigt sich hier eine richtig gute Nummer an. Nach altem Rezept gekocht entsteht ein Power-Pop-Rock-Song der nicht neu, aber trotzdem gut ist. Schnelle Beats, knarrende Gitarren und der Gameboy spielt im Hintergrund mit. In erster Linie geht es How To Loot Brazil darum, dass Tempo hochzuhalten. Das gelingt ihnen phänomenal, denn wenngleich „Big Time“ zu Atemnot führt, ist bei „Catwalk“ gar keine Zeit mehr zum Luft holen. Das Markenzeichen bleibt ganz klar das Schlagzeug, dass dem kratzigen Indie-Rock die nötige Frische verleiht. Es fehlt eigentlich nur noch der große Ohrwurm. „Catwalk“ selbst ist „nur“ mit viel Power und grazilem Zwischenteil gesegnet. Es geht gut los.

Auch das folgende „Backwater Prick“ will noch nicht als Musik für die Masse herhalten und liefert stattdessen einen unwiderstehlichen Rhythmus in den Strophen, der ausgerechnet vom Refrain zerstört wird, der viel zu plastisch wirkt, wie das komplette anschließende „Varnoff 1951“ und zu konventionell zum Erfolg gelangen will (so wie „Fukk Religion“). Dann aber kommt der große Wurf. Der Song, der der deutsche Song dieses Sommers sein müsste (aber es wird wohl doch Christina Stürmer, die zwar nicht deutsch, dafür wieder richtig gut ist), nennt sich da „My Mirrors“. Harsch wir schon die anderen Lieder beginnend, entwickelt sich ein wunderschöner Refrain, der normalerweise kitschig wäre, im Rockgewand aber eine richtig gute Figur macht und in säuselndem Gitarrensolo gipfelt.

Der Wahnsinn kehrt dann aber auch gleich in Gestalt von „Protest Song“ zurück und in die einfachen Strukturen bauen sich immer wieder Spielereien und Hau-drauf-Gelage des Schlagzeuges ein. Die Single „Dance Like Crazy“ macht da die große Ausnahme und wirkt beinahe erschreckend normal, ohne allerdings hinter dem ganz gewöhnlichen Wahnsinn des Rests herzuhinken. Trotzdem bleibt das Hauptaugenmerk auf den instrumentalen Wutausbrüchen der Soester, der in „Mothra Eclectic“ gipfelt und etwas zu lang, aber niemals normal den Schlussspurt darstellt. So hat man dafür bezahlt, was andere liebend gern vermeiden, denn die Glieder wollen nicht aufhören zu zucken, bis nicht endlich die letzten Töne des „Auto Fister“ verklungen sind.

Anspieltipps:

  • Catwalk
  • My Mirrors
  • Mothra Eclectic

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