Blank & Jones - Relax: Edition Four - Cover
Große Ansicht

Blank & Jones Relax: Edition Four


  • Label: Soundcolours/SOULFOOD
  • Laufzeit: 138 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Hörer bekommt solide Chillout/Downbeat-Kost in gewohnter „Relax“ Manier.

Die „Relax“-Serie von Blank & Jones geht in die vierte Runde. Bestand Teil 1 noch aus nur einer einzelnen Scheibe, sind wir inzwischen ja schon mit dem Konzept der Doppel CD dieser durchaus beliebten Chill-Out-Reihe vertraut. Was hat die 4. Auflage also noch im Köcher, das die drei Vorgänger der Menschheit nicht bereits aufgetischt hätten? Die Antwort vorab – wenig. Ist „Relax Edition Four“ dennoch hörenswert?

Der Sommer steht unmittelbar vor der Türe und damit verbunden schießt die Reiselust vieler Menschen ähnlich in die Höhe, wie die Temperaturen auf dem Außenthermometer nach den kalten Wintermonaten. Folgendes kann man aus dieser Situation machen: Vorschlag 1: Den Alltagsstress hinter sich lassen und ab für ein paar Wochen ans Meer. Vorschlag 2: Alles beim Alten lassen, nicht verreisen, die Augen schließen und einfach einbilden, man wäre irgendwo am Meer. Vorschlag 3: Um Vorschlag 2 zu erleichtern, kombiniere man diesen noch mit musikalischen Klängen, die einem dabei helfen können, das eigene Gehirn zu dabei zu überlisten. Dass man also auch über sehr umständliche Wege sein Ziel erreichen kann, zeigt nicht zuletzt der gerade verfasste Textabschnitt.

CD1 („Sun“) entführt den Hörer erstmal tatsächlich akustisch ans Meer, welches auch mehr oder minder wahrnehmbar im Hintergrund vor sich hin rauscht. „Face à La Mer“ heißt der Opener dann auch passenderweise und plätschert begleitet von allerlei balearischen Gitarrenklängen entspannend vor sich hin. Entspannt geht es auf dem ersten Teil im Folgenden auch weiter – alles klingt eben, wie man es von einem neuen Ableger der Reihe erwarten würde. Ein Grundelement vergangener Teile wird auch dieses Mal wieder gerne in das Konzept eingefügt – die gesanglichen Gastauftritte. So haben beim aktuellen Aufguss etwa die aus den 80ern bekannten Dänen „Laid Back“ („Happy Dreamer“, „Up 2 You“), sowie, um sich auch aus der aktuellen Musiklandschaft zu bedienen, die Briten von „Keane“ die Ehre. Letztere steuern ihren Song „Try again“ bei, welcher auch und gerade in dieser Version von der atemberaubenden stimmlichen Qualität Tom Chaplins getragen wird. Die Singleauskopplung „Relax (Your Mind)“ klingt wie ein austauschbarer Standard „Café del Mar“ Song und reiht sich somit nahtlos in den bekannten Chillout-Klangkorpus ein. Gleiches gilt für die Titel „Smooth“ „Blue Moon“ oder „Pure“. Vanessa Daou darf mit ihrer soulig warmen Röhre auch wieder ran („Heart of Wax“, „Consequences“) und ist ja auch schon irgendwie Teil des Standardinventars von Blank & Jones. Sympathisanten dieses Genres werden dem sicher etwas abgewinnen können, aber Klänge und Compilations dieser Art gibt es eben sprichwörtlich (und um den Bogen zur Einleitung wieder elegant herzustellen) wie Sand am Meer. Böse Zungen werden hingegen behaupten, dass nicht erst beim letzten Track „Lullaby (Les Yeux Fermes)“ der Name Programm ist.

Die zweite CD („Moon“) kommt da schon mit ein wenig mehr Biss und Beats versehen um die Ecke. Hier gibt es clublastigere Töne, houselastigere Beats und trancelastigere Klangteppiche - dennoch eignet sich das alles eher als Soundtrack zum Aufwärmprogramm einer langen, lauen Sommernacht im Club, als in selbigem eigens die erste Geige spielen zu können. Von Hektik kaum eine Spur, mit schnörkellosen Melodien versehen und glatt produziert kommen Tracks wie „Butterfisch“ oder die starke Nummer „Do it“ rüber, welche mit wunderbaren Italo-Disco Reminiszenzen der 80er und frühen 90er garniert ist. „Lazy Life“ versprüht ein wenig ’Daft Punk’ Sound auf Sparflamme, während mit „Beauty“ am Ende nochmals versucht wird der Tanzfläche der Ü-30 Disco ein wenig Leben einzuhauchen – was ohne Zweifel einen gewissen Charme verbreitet.

Letztlich kriegt der Hörer hier solide Chillout/Downbeat-Kost in gewohnter „Relax“ Manier. Dass das alles nicht über Mittelmaß hinausgeht liegt irgendwo auch im Konzept bzw. der Natur der Sache. Alles ganz nett anzuhören, stört nicht wirklich, kann wunderbar im Hintergrund laufen und hat sogar das ein oder andere Schmankerl zu bieten. Eine fünfte Edition dürfte sowieso bereits beschlossene Sache sein, denn bei aller Durchschnittlichkeit hat die Serie genügend Anhänger, um auch erfolgreich in die nächste Runde(n) gehen zu können.

Übrigens empfehle ich (falls möglich) den ersten der oben erwähnten Vorschläge zu realisieren – die CD passt bei individuellem Gefallen zur Not auch noch locker zusätzlich ins Handgepäck oder (und noch platzsparender) auf den MP3 Player.

Anspieltipps:

  • Try Again (with Keane)
  • Butterfisch
  • Do it (with Mike Francis)
  • Beauty

Neue Kritiken im Genre „Ambient“
7/10

Migration
  • 2017    
7/10

Deepak Verbera
  • 2016    
Diskutiere über „Blank & Jones“
comments powered by Disqus