Tori Amos - Abnormally Attracted To Sin - Cover
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Tori Amos Abnormally Attracted To Sin


  • Label: Republic/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 72 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die „neue“ Tori Amos, die den Hörer auf die Probe stellt.

Mit „Abnormally Attracted To Sin” legt Tori Amos ihr mittlerweile zehntes Studioalbum seit dem 1992er Debüt „Little Earthquakes“ vor. Wie schon auf den letzten Werken verfolgt die 45-Jährige darauf ein spezielles Konzept. Die 17 Songs hat Tori Amons während ihrer letzten Tournee geschrieben und wie alle Alben seit „Boys For Pele“ (1996) wurde es in den Martian Studios im englischen Cornwall zusammen mit Toris Ehemann Mark Hawley und Marcel van Limbeek (The Devlins, Pet) aufgenommen.

Inhaltlich darf sich der Hörer auf folgendes einstellen: „Ich wollte gründlich erforschen, wie die Angst vor Verzweiflung unser Leben kontrolliert“, sagt Tori Amos über „Abnormally Attracted To Sin”. „Ich wollte mir anschauen, wie Macht funktioniert, wie wir denken, und wie man es schaffen kann, wieder vollkommen unabhängig zu denken und aufzudecken, woran man als spirituelles, sexuelles Wesen in dieser Welt noch glauben kann.“ Diesen Satz dreimal gelesen – und man kann sich ungefähr vorstellen, was einen auf dem vorliegenden Album erwartet: Die einen sagen, es ist das beste Tori-Amos-Werk seit Jahren, die anderen werden sich zumindest darüber wundern, wie andersartig die 45-Jährige streckenweise klingt. Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo in der Mitte.

Natürlich fällt sofort auf, wie sich viele der Songs schwerfällig, kompositorisch vertrackt und melancholisch-düster auf Ambient-Wölkchen aus den Lautsprechern quälen. Das ist maximale Progressivität, wie sie auch Fans harter Rockmusik an Tori Amos schätzen (sehr gut nachzuhören in „Lady in blue“). Kommerziell oder Singletauglich ist daran nur noch ganz wenig. Es geht also um das große Ganze, das es zu entdecken gilt. Dafür lässt Tori Amos dem Hörer mehr als 70 Minuten Zeit. Und tatsächlich schälen sich mit der Zeit ein paar typische Tori-Amos-Perlen aus den 17 Track heraus. Da wäre das mit dezenten Mike-Oldfield-Gitarren aufgepeppte „Welcome to England”, die wunderbar atmosphärischen Stücke „Curtain call” und „Fire to your plain“, die großartige Ballade „Maybe California“ und das an „Cornflake girl“ gemahnende „Fast horse”.

Es gibt aber auch „die neue Tori Amos“, die den Hörer auf die Probe stellt, wenn dieser unter dicken Percussion- und Effekt-Schichten nach einer Melodie sucht – und nicht fündig wird („Not dying today“, „Police me“) oder wenn Toris markantes Bösendorfer Piano ganz weit in den Hintergrund gemischt wird und kaum noch hörbar ist („Flavor“, „That guy“). In diesen Momenten wirkt das Album lethargisch und überfrachtet, aber immer noch spannender und anspruchsvoller als viele andere Veröffentlichungen, die Woche für Woche auf den Markt gespült werden. Fakt ist: „Abnormally Attracted To Sin” benötigt Zeit, um seine volle Wirkung zu entfalten. Es ist Nacht- und Kopfhörer-Album und kein Snack für Zwischendurch. Wer sich darauf einlässt, wird ganz gewiss Gefallen an den 17 Tracks finden.

Anspieltipps:

  • Fast horse
  • Curtain call
  • Lady in blue
  • Maybe California
  • Welcome to England

Tori Amos verschenkt einen neuen Song. Hier entlang bitte!

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