Grantig - Medizin - Cover
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Grantig Medizin


  • Label: Drakkar/SonyBMG
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die kritischen Stimmen ihres Debüts „So muss es sein“ (02/2008) kontert die frisch gebackene Schwermetall-Truppe Grantig früher als erwartet. „Nur unter Anleitung einnehmen“ heißt es auf dem Cover zum ein Jahr später erscheinenden „Medizin“, was der augenzwinkernde Songtext zum Titeltrack näher zu erläutern weiß. Die wiederkehrende Zeile „Lass es raus / Wir sind Funke und Benzin / Schluck den ganzen Müll nicht runter / Deine Wut ist Medizin“ allgemein gültig zu deuten ist zwar nicht gerade einfach, aber gemeinsam mit den „Höher, schneller, weiter“-Bezeugungen und der „Wo wir gestern waren, sind wir schon längst nicht mehr“-Attitüde wollen Jonathan Schmid (Gesang, Gitarre), Jonas Windwehr (Gitarre), Alex Negret (Bass) und Jan Vogelbacher (Schlagzeug) wohl nichts anderes sagen als, dass es ihnen eben rein um die Musik und ein möglichst abwechslungsreiches Klanggebilde geht und Gejammer über ihre auf Deutsch vorgetragenen Lyrics (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel) kompletter Schwachsinn ist, da letztendlich das Gesamtprodukt zählt.

Im Falle von „Medizin“ ist der Sound der Vier aus München zwar nur minimal abgeändert worden, aber in punkto Vielfalt gehen es die Grantigen zumindest schon einmal variabler an als auf dem Erstling. So gibt es neben den testosterongeladenen Dampfhämmern („Medizin“, „24 Jahre“, „Guten Appetit“), Mosh-Nummern aus der Groove-Abteilung („Dein Paradies“, „Zwiespalt“, „Die letzte Stadt“) und breitbeinigen Powerballaden mit innewohnendem Aggressionspotential („11 Minuten“, „Du bist nicht allein“) auch die erneute Vorbeugung vor Pantera („Warum geht es mir so dreckig“ – ein Cover der Ton, Steine, Scherben) und Down („Wie fühlt sich das an“, „Nur für dich“), wo schleppende Sludge-Walzen auf rhythmusbetonte Riffs treffen, die im Dauerfeuer aus den Boxen schnellen. Als Abschluss kredenzen Grantig dann sogar noch einen Lagerfeuerromantik versprühenden Bluessong, in dem Sänger Jonathan zeigen darf, wie es klingt wenn er mal nicht seine raue Stimme aus den Lungen presst, sondern klare Gesangslinien offeriert.

Leider etwas zu spät, denn obwohl es musikalisch viele Pluspunkte auf der Habenseite zu verzeichnen gibt, ist es die auf Dauer monotone Darbietung von Schmid, die unflexibel ihre stets angepisste Meinung vertritt und über das harte als auch melodische Klangbild streut. Allein im eher ruhig gehaltenen „11 Minuten“ ist es schade, dass der kritische Subtext nicht griffiger und eindringlicher von Jonathan präsentiert wird. Hier sind Grantig eindeutig verbesserungswürdig und sollten sich vielleicht ein noch größeres Stück von den Vorbildern rund um Phil Anselmo & Co. abschneiden, denn selbst wenn ihnen dann möglicherweise zurecht der Titel als „deutsche Pantera“ angeheftet wird, ist das noch immer besser als belanglose Artikel über die deutschen Texte zu lesen. Oder?

Anspieltipps:

  • Medizin
  • 24 Jahre
  • Die letzte Stadt
  • Du bist nicht allein

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