New York Dolls - Cause I Sez So - Cover
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New York Dolls Cause I Sez So


  • Label: Rhino/WEA
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Eigentlich dürfte es das jetzt gewesen sein. Zwei Alben in den wilden Siebzigern („New York Dolls“ (08/1973), „Too much too soon“ (05/1974)) und das extrem verspätete Comeback-Album „One day it will please us to remember even this“ (07/2006) machen gemeinsam mit „Cause I sez so“ einen hübschen, runden Eindruck und mit zwei alten und zwei neuen Platten im Gepäck, sowie der Genugtuung nach der damals eher pophistorischen Bedeutung im neuen Jahrtausend nicht nur Fanboy Morrissey mit ihrer Musik glücklich gemacht zu haben, könnten die Ur-Dolls David Johansen (Gesang) und Sylvain Sylvain (Gitarre) eigentlich den Ruhestand planen. Mit dem schelmischen Ausspruch „If we don´t come back / You can call us on the Ouija board“ aus „Nobody got no bizness“ dürften sich die New York Dolls jedenfalls mal alle Optionen offen halten.

Doch vorerst heißt es noch das neueste Album abzufeiern und zu beweisen dass mit Produzent Todd Rundgren, der bereits das Debüt der Puppen betreuen durfte, und den übrigen Mitgliedern Steve Conte (Gitarre), Sami Yaffa (Bass) und Brian Delaney (Schlagzeug) keineswegs eine altersschwache Rockplatte entstanden ist. Im Gegensatz zur regelrecht kunterbunten Travestieshow des Vorgängers mit Gastauftritten von Iggy Pop oder Michael Stipe wird dieses Mal das Hauptaugenmerk auf die Erzählungen von Johansen gelenkt, was zwar schon immer ein fester Bestandteil der Dolls war, aber gemessen am eher unaufgeregten musikalischen Output von „Cause I sez so“ dieses Mal eben eine ungleich stärkere Gewichtung bekommen hat. So darf er sich neben den mehr oder weniger üblichen Frauenstorys („Lonely so long“, „Temptation to exist“, „Drowning“) ebenso über die vertechnisierte Gesellschaft wundern („Muddy bones“), den altklugen Nörgler geben („This is ridiculous“) oder in kauziger Manier selbstverliebte Phrasen dreschen („Cause I sez so“, „Nobody got no bizness“).

Untermalt werden die Lyrics von natürlich rockendem Roll mit Garage-Appeal („Cause I sez so“, „Muddy bones“, „Exorcism of despair“), der mit Country („Better than you“), Pop („Lonely so long“), R&B („Nobody got no bizness“), Reggae („Trash“) oder Blues („This is ridiculous”) versetzt wurde und somit ein breites Spektrum abdeckt, das allerdings nie Gefahr läuft konstruiert zu wirken, sondern stets subtil und homogen aus den Boxen perlt. Besonders hervorstechend ist allerdings der grandiose Ohrwurm „Temptation to exist“, der durch eine gepfiffene Melodie eine trockene Western Saloon-Atmosphäre heraufbeschwört, die so schnell nicht wieder aus dem Kopf zu bekommen ist. Alles in allem ist der zweite (oder dritte?) Frühling der New York Dolls damit ausgesprochen glatt und ohne jegliche Peinlichkeiten über die Bühne gegangen und wer nach einer vielseitigen, aber nie die Bodenhaftung verlierenden Rock-Scheibe gesucht hat – Hier ist sie!

Anspieltipps:

  • Drowning
  • Lonely So Long
  • This Is Ridiculous
  • Temptation To Exist

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