Love Is All - A Hundred Things Keep Me Up At Night - Cover
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Love Is All A Hundred Things Keep Me Up At Night


  • Label: Wyr?/CARGO
  • Laufzeit: 32 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Im großen Prozess der Anpassung, die durch die weltweiten Charts großteilig widergespiegelt wird, sind Bands wie „Love Is All“ aus Schweden die großen Verlierer. Stellt man sich die Musiklandschaft als mausgraue Betonszenerie vor, watscheln die fünf Skandinavier in grellsten Farben durch die trüben Gassen. Verschmelzen, um dafür dem ganz eigenen Stil nachzugeben? Nichts da! Josephine Olaussons Stimme allein und das Saxophon von James Ausfahrt machen das belebte, schön verrückte Element der Band aus. Wer hier die Füße still halten kann, sollte seinen Arzt oder Apotheker aufsuchen!

Klar, es klingt wie immer ein wenig altmodisch angehaucht, doch besagtes Saxophon, sowie die frischen Beats und Rhythmen von Schlagezuger Markus Görsch halten den Hörer stets auf Trab. Grinsegarantie bei den tollen Melodien und Texten inklusive. Gleich“New Beginnings“ macht deutlich, dass sich in den zweieinhalb Jahren seit dem Debüt „Nine Times That Same Song“ nicht viel geändert hat. Die Musik der Band klingt immer noch auf liebliche Art trashig und nölend, was gleich im Schlussakkord des Openers „New Beginnings“ dargelegt werden muss. Da knallt und kracht und quietscht es ganz gewaltig: Love Is All sind wieder da! Und gab es auf dem Debüt mit „Turn The Radio Off“ noch eine kleine Verschnaufpause, geht es diesmal schnurstracks weiter. „Give It Back“ ist grooviger und reduzierter als der überbordende Beginn, könnte beinahe als Radionummer durchgehen, aber da bleibt die Eigenheit dieser Mishcung aus Garagegitarren, quietschendem Saxophon und dieser frischen Stimme.

Ganz im Element des Partyrocks ist man dann wieder bei „Movie Romance“, welches klare Ohrwurmqualitäten aufweist, wogegen „Last Choice“ wohl das Pendant zu den ruhigen Stücken auf dem Debüt sein soll. Dafür brettert das Schlagzeug aber (glücklicherweise) viel zu schnell und letzten Endes wird im Refrain doch wieder nur gefeiert. Wer wieder behaupten will, dass die Schweden nur für die kurzen Kracher gut sind, dem wird saftig und wohlschmeckend das Mundwerk mit „Sea Sick“ gestopft. Psychedelischer Rock vom Feinsten, der so sehr mit seiner eigenen Verrücktheit beschäftigt ist, dass er gar nicht langweilig werden kann. So viele Ideen fließen zusammen und es funktioniert auf seine ganz eigene, verschrobene Weise auch irgendwie.

Danach geht es wieder zu bekannten Ufern, wenn „Wishing Well“ in bewährter Tradition die Dreiminutenmarke nicht kratzt und brav für kurzweiliges Vergnügen sorgt. Man muss diese Band einfach lieb haben und verzeiht auch gerne den Ausrutscher „When Giants Fall“. Wenn ich eine Ballade schreibe, sollte ich wissen, wann der verzerrten Gitarren genug ist. Hier wird der Bogen doch überspannt. Aber das kann ruhig passieren, wenn „Rumors“ sich wieder alten Schemata anpasst. Dass auch die Balladen durchaus noch funktionieren zeigt sich im Duett „A More Uncertain Future“. Beim großen Finale „Floors“ wird natürlich noch mal heftig ausgeteilt und man möchte Love Is All beinahe zu einer Kollaboration mit The Mars Volta anraten, so verrückt, wie das Saxophon sich hier einschaltet. So zischen und prickeln die 32 Minuten des Albums ohne große Stolpersteine, dass einem schnell klar wird, das dieses Album auch etwas Großes ist. Es fehlt zwar die Abwechslung und der Überraschungseffekt des ersten Albums, aber hier wird das Programm auf eine dermaßen sympathische und abgedrehte Art eingehalten, dass man ihnen einfach nicht großartig böse sein kann.

Anspieltipps:

  • New Beginnings
  • Sea Sick
  • Floors

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