Manic Street Preachers - Journal For Plague Lovers - Cover
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Manic Street Preachers Journal For Plague Lovers


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Songs sind knackig und kurz und rumpeln zeitweise im wütenden Nirvana-Stil aus den Boxen.

Am 1. Februar 1995 wurde Richey James Edwards, seines Zeichens Gitarrist und Texter der walisischen Rockband Manic Street Preachers, als verschwunden gemeldet. 13 Jahre später wurde er per Gerichtsbeschluss offiziell für tot erklärt. Dennoch zahlen die Bandmitglieder James Dean Bradfield, Nicky Wire und Sean Moore noch heute 25% der Tantiemen auf ein Konto ein, falls Richey doch irgendwann zurückkommen sollte. Allein an dieser Tatsache lässt sich festmachen, dass die Band den Verlust ihres Freundes und kreativen Kopfes nie wirklich verwunden hat. Trotzdem hat sich das Trio dazu entschieden, weiterzumachen und seit der letzten Platte, die zusammen mit Richey Edwards entstand („The Holy Bible“, 1994) fünf weitere Studioalben veröffentlicht.

„Journal For Plague Lovers” ist nun das insgesamt neunte Studioalbum der Manics. Es wurde von Steve Albini (Nirvana, Helmet, Jawbreaker, Guided By Voices) produziert und schlägt 14 Jahre nach dem Verschwinden Richey Edwards eine Brücke zu dessen Vermächtnis. Die 13 Songs basieren auf nämlich auf Texten und Aufzeichnungen des ehemaligen Kreativkopfes der Waliser. Damit steht fest, dass die Reise auf „Journal For Plague Lovers” zurück in die frühen 90er Jahre geht, als die Manic Street Preachers als Punkrockband anfingen. Entsprechend rau und von überflüssigem Produktionsballast befreit gestaltete sich die Arbeit von Steve Albini, der den Manics ihren ursprünglichen Sound zurückgegeben hat.

Die Songs sind knackig und kurz und rumpeln wie der Opener „Peeled apples“ oder „Jackie Collins existential question time“ im wütenden Nirvana-„In Utero“-Stil aus den Boxen. Dazu weiß das halbakustische „This joke sport severed” ebenso zu gefallen wie das berührend-atmosphärische „Doors closing slowly“, die aggressiv und düster rockenden „All is vanity“ und „Pretension/Repulsion“ sowie das finale „William’s last words“, in dem Nicky Wire zum Mikro greift und als stimmliches Pendant zu Lou Reed das Album sentimental ausklingen lässt.

Ganz klar, das ist eine Form der Zeitreise, die Spaß macht, die den Manics allerdings nicht durchgängig gelingt. Ein Song wie „She bathed herself in a bath of bleach“ z.B. verzettelt sich mit breitbeinigem Post-Grunge-Lärm, während in „Marlon J.D.“ dumpfe Disco-Beats sauer aufstoßen und das akustische „Facing page: Top left“ nicht so recht auf den Punkt kommen mag. Doch das sind nur unwesentliche Nuancen einer würdevollen Vergangenheitsbewältigung. Auf das die Manic Street Preachers nun endgültig ihren Frieden mit dem Verschwinden von Richey Edwards finden mögen.

Anspieltipps:

  • Peeled apples
  • Pretension/Repulsion
  • This joke sport severed
  • Me and Stephen Hawking
  • Virgina state epilectic colony

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