Maximo Park - Quicken The Heart - Cover
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Maximo Park Quicken The Heart


  • Label: Warp/Rough Trade
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Wie gewohnt dominieren Smiths Gesang und Duncan Lloyds Gitarren, aber nach einen „sofort-spring-ins-Ohr-Hit“ wie auf ihrem Debüt sucht und hört man hier vergebens.

In einer Zeit, in der Franz Ferdinand inzwischen das dritte nahezu identisch klingende Album abliefern und die Kaiser Chiefs sich mit ihrem seelenlosen Radio-Gedudel-Image abgefunden haben. In der die Arctic Monkeys im britischen Mittelmaß-Urwald verschollen sind und Razorlight noch so scharf sind wie die Klinge des Taschenmessers, das Jopi(e) Heesters zu seinem achten Wiegenfeste von Königin Wilhelmina persönlich überreicht bekam, fragt man sich zu Recht was jenen musikalischen Hoffnungsträgern des noch jungen Jahrtausends wohl widerfahren ist?

Den inoffiziellen und manchmal selbsternannten Thronfolgern einer von Oasis, Blur oder den Libertines immer wieder ins Leben zurückgeholter Musikbewegung scheint bereits nach relativ kurzer Zeit die kreative Luft auszugehen oder sie haben sich bereits entschieden neue Wege einzuschlagen und Opa Britpop damit endgültig von der Ohr-Herz-Maschine zu nehmen. Aber einen haben wir ja noch! Maxïmo Park- die mit den zwei I-Tüpfeln über dem Strich und die mit „Quicken The Heart“ der labilen britischen Indie-Pumpe nicht nur eine lebensrettende Herzmassage verpassen, sondern auch dafür sorgen, dass der altersschwache Musik-Großvater sogar eine Benjamin Button’sche Lebenszyklus-Umkehrung an den Tag zu klingen beginnt.

War „A Certain Trigger“ noch ein vogelfreier und mit tanzflächigen Clubhits vollgestopfter erster Wiederbelebungsversuch der Band, so offenbarten sich bereits auf dem nachfolgenden, schon etwas weniger zappelnden „Our Earthly Pleasures“ erste Stilorientierungsmaßnahmen bezüglich eines langfristigen Gedeihungsplans für unsern alten Britrock-Greis. Auf Reanimations-Versuch Nummer drei hat der englische Fünfer den akustischen Defibrillator auf 350 Joule hochgedreht und jagt die Herzaktivität des heutzutage oft tattergreisig erklingenden Genre-Ältesten in schier jungbrünnliche Höhen. Bereits „Wraithlike“ ruft all das vors geistige Ohr was man von den Männern um Frontmann Paul Smith zu Recht auch so erwarten durfte: kompakter, schmissiger und zum mitwippen geschaffener „Maximo-Indie-Disco-Park-Sound“.

Wie gewohnt dominieren Smiths Gesang und Duncan Lloyds Gitarren, aber nach einen „sofort-spring-ins-Ohr-Hit“ wie auf ihrem Debüt sucht und hört man hier vergebens. Aber auch ohne einen allgegenwärtigen „Jetz-Geht’s-los-Mitsing-Effekt“ im Refrain überzeugt die Band wieder mit rhythmusgeschwängerten und auf dem Trommelfell steppenden Melodien. Wie auf der tendenziell etwas düsteren ersten Singleauskopplung „The Kids Are Sick Again“, dem peppig-knackigen und den Tanzflur abtragenden „In Another World (You’d Have Found Yourself By Now)“ oder dem mit ordentlichem Drive versehenen „Overland, West Of Suez“. Aber auch die ruhigen Momente des Albums, wie das „Muse/Starlight“-artige „Tanned“ oder der sanft poppige Albumcloser „I Haven’t See Her In Ages“ sind deutliche Beweis-Stücke dafür, dass die Tage von Großpapa Britpop wohl doch noch nicht ganz gezählt sind.

Maxïmo Park beschleunigen das Herz mit einem schnörkellosen, von jeder momentanen Hype-Anforderung befreiten und alle, gerade ach so angesagten Newcomer-Hoffnungen gleichermaßen aus dem Gedächtnis verbannenden Sound. Zwar nicht mehr allzu durchgängig eingängig, etwas vermindert hitverdächtig und auch eine akustische Spur seelenwunder als zuvor. Dennoch schlägt die Indie-Pumpe wieder stärker und „Quicken The Heart“ trägt einen hörbar großen Teil dazu bei!

Anspieltipps:

  • Wraithlike
  • The Kids Are Sick Again
  • In Another Words (You’d Have Found Yourself By Now)
  • Tanned
  • I Haven’t Seen Her In Ages

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