Jarvis Cocker - Further Complications - Cover
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Jarvis Cocker Further Complications


  • Label: Rough Trade/INDIGO
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Nun auch noch ein Bart. Der Mann versucht alles, um nicht erkannt zu werden. Vor einigen Jahren hat er es schon mal mit einem Namenswechsel versucht – Darren Spooner erinnerte ein bisschen an Prince aka Symbol aka Tafkap aka wieauchimmer – nun also der Bart, hinter dem sich Jarvis Cocker versteckt. Wenn er aber nicht immer an seine Pulp-Vergangenheit erinnert werden will, hilft nur: „Klappe halten!“ Denn sobald der Brite mit der charismatischen Stimme den Mund aufmacht, erkennt man ihn ja doch sofort.

An dieser markanten Stimme ändert sich auch auf seinem zweiten Solowerk nichts, egal ob er schreit, flüstert, haucht, spricht oder einfach singt. Diese Vielfalt bietet Cocker an und auch musikalisch geht es querbeet durch die Genres Rock, Blues, Pop und Disco, wobei die rockige Klänge dank des Produzenten Steve Albini (u.a. Nirvana, Bush, Pixies) deutlich dominieren und den großen Unterschied zum ersten Solowerk von 2006 und den poppigeren Pulp-Alben markiert.
Rockig teilt uns Jarvis Cocker gleich im Titeltrack sein Leid mit „I was not born in war-time, I was not born in pain or poverty, I need an addiction, I need an affliction, to cultivate a personality“ – na immerhin ist es ihm trotz dieser widrigen Bedingungen gelungen, einen eingängigen Opener mit kräftigen Gitarrenriffs. „Angela“, das Angela Merkel übrigens nicht als Wahlkampfsong nutzen darf, macht genau dort weiter. Nett, aber irgendwie auch überflüssig ist der fast reine Instrumentaltrack „Pilchard“. Höhepunkte, weil Cocker seine Songwriter-Qualitäten beweisen kann, und diese nicht im Gitarrengewitter untergehen, sind „Leftlovers“ und das gefühlvolle „I Never Said I Was Deep“. Die Führung gibt er in „Homewrecker!“ wieder ab – diesmal richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Saxophon von Steve Mackay und auch die Schrammelgitarre und intensiven Drums sind wieder da, und als man fast ein zweites Instrumentalstück erwartet, steigt Cockers Gesang doch noch ein.

Bevor zum Abschluss noch ein echter Disco-Song (das hätte er nun wirklich nicht dazu schreiben müssen, da wären wir auch noch drauf gekommen) das Album mit einem echten Stilbruch abschließt, lauschen wir noch für drei Minuten Cocker’s Beziehungsfrust – vielleicht dem seiner gescheiterten Ehe – im grandiosen „Fuckingsong. Fazit: Es gibt keinen Grund sich hinter fremden Namen oder der Wolle im Gesicht zu verstecken, denn zu dem Album darf man ruhig stehen. Einzig fehlt ein wenig der Rote Faden und die Stilmischungen irritieren mehr, als das sie gefallen, besonders da die rockige Seite nur bedingt zu überzeugen vermag. Wenn er beim nächsten Album wieder mehr auf seine Songwriter Qualitäten setzt, nehmen wir diesen Ausflug aber gerne mit.

Anspieltipps:

  • Further Complications
  • Leftovers
  • I Never Said I Was Deep

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