Steve Earle - Townes - Cover
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Steve Earle Townes


  • Label: Blue Rose Records
  • Laufzeit: 54 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Über weite Strecken wirkt „Townes” eher wie Dienst nach Vorschrift und lässt echte Emotionen vermissen.

Mittlerweile ist es schon mehr als zwanzig Jahre her, dass Steve Earles viel beachtetes Debüt „Guitar Town“ das Licht der Welt erblickt hat. Mit Ausnahme einer kurzen, vor allem durch massive Drogenprobleme ausgelöste, Schaffenspause Anfang der 90er hat er seitdem mehr oder weniger kontinuierlich neue Longplayer veröffentlicht und im Jahr 2009 ist es einmal mehr so weit. Anstatt einer weiteren gewöhnlichen Produktion ist das gleichnamige Album seinem Freund und Mentor Townes Van Zandt (1944-1997) gewidmet und enthält ausschließlich Cover-Versionen von Songs der Country-Legende.

Die eigene Leistung beschränkt sich folglich in erster Linie auf die Herausforderung, das Maximum aus den ausgewählten Songs herauszuholen und ihnen eine persönliche Note zu geben. Dabei zeigt sich Steve Earle zunächst sichtlich bemüht: Neben der obligatorischen Gitarre können viele Titel mit äußert gelungener Percussion-Begleitung aufwarten und in „Lungs“ gibt sogar Tom Morello (Rage Against The Machine, Audioslave) ein kurzes Gastspiel an der E-Gitarre. Schnellere Titel wie „White Freightliner Blues“ oder „Mr. Mudd & Mr. Gold“ lassen nicht nur vom ersten Takt an echtes Western-Feeling aufkommen, hier weiß Steve Earle auch mit einer beachtlichen Spielfreude zu überzeugen.

Wesentlich schwerer tut er sich allerdings mit den ruhigen Stücken wie dem Opener „Pancho & Lefty“. Trotz, oder vielleicht auch wegen, modernster Studiotechnik erreichen die Cover-Versionen nicht annähernd die Tiefe einer einfachen Wohnzimmer-Aufnahme von Townes Van Zandt. Auch die mehrfach eingesetzten Streicher („Don’t Take It Too Bad“) können nicht verhindern, dass sich diese Titel nur mühsam von Strophe zu Strophe schleppen. Dabei gibt es allerdings eine bemerkenswerte Ausnahme: Das schon im Original brillante „No Place To Fall“ ist definitiv der Höhepunkt des Albums und wird auch in Earles Version perfekt in Szene gesetzt.

Dennoch: Über weite Strecken wirkt „Townes” eher wie Dienst nach Vorschrift und lässt echte Emotionen vermissen. Würde es sich nur um eine weitere gewöhnliche CD handeln dürfte man Steve Earle dafür nach einem Dutzend von Studio-Alben nicht einmal einen echten Vorwurf machen – in diesem Fall steht und fällt das Album allerdings mit der Interpretation der Songs und die streckenweise großartigen Melodien sind viel mehr dem Altmeister Van Zandt zuzuschreiben.

Anspieltipps:

  • Lungs
  • No Place To Fall
  • Mr. Mudd And Mr. Gold

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