Tele - Jedes Tier - Cover
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Tele Jedes Tier


  • Label: Tapete/INDIGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Es gibt Alben die sind einem ein Rätsel. Das ändert sich auch nicht beim dritten oder vierten Durchlauf. Da gibt es Songs die mit großartigem Gefühl und Melodie überzeugen, Songs die sich tief ins Ohr beißen und wie ein glühender Parasit zu heiß sind, um wieder entfernt zu werden. Dann gibt es aber auch die Songs, die dich zur Verzweiflung treiben. Völlig öde, belanglos, unnötig, nicht interpretierbar oder einfach schwach. Solche Alben sind frustrierend und enttäuschen dich als Musikliebhaber, auch wenn man sich nicht einmal auf das Album freute, einfach weil man mit der Band nicht besonders viel am Hut hat. Es ist dieses nervende Gefühl des skippens am Radio, in der Playlist, auf dem MP3-Player oder dem CD-Player, in großem Bogen über diese ungeliebten Songs, die wie reiner Ballast wirken. Ach wäre es doch schön diese 40 Minuten ohne dieses Gefühl zu verbringen.

Mit dem vierten Album „Jedes Tier“ spielen sich die Wahlberliner Tele zum vierten Anlauf, keines dieser Alben zu schreiben. Man hat sich laut eigener Presseaussage viel Zeit für das neue Werk gelassen. Dieses Mal sollte es klappen mit dem richtig guten Album. Nicht nur in den Ansätzen, sondern auch in letzter Konsequenz. „Cecile (Ich nenn dich Sissi)“ versucht sich als erster Song auf „Jedes Tier“ das Prädikat „Wertvoll“ zu ergattern. Durchaus weiß die Kaiserin auch zu gefallen, die angesprochene „letzte Konsequenz“ für das „Ich will mich bewegen“-Gefühl bleibt dennoch aus. „Im Radio“ und „Mehr Mehr Mehr“ fallen dann aber auch schon direkt der Forward-Taste zum Opfer. So schnell wie man sie gehört hat, hat man sie auch schon wieder vergessen. Parasiten? Fehlanzeige.

„Für ein ganzes Land“ plätschert sachte über das Klavier und die Akustikgitarre. „Die Nacht ist jung“ enttäuscht maßlos. Gerade aus diesem doch sehr beliebten Songkontext kann man einfach mehr Pepp und Bewegungslust pressen. Als säßen wir heute Nacht nur im Dorfcafé und schlürften Bionade, hätte man aus dieser Nacht einfach mehr rausholen können. Dann aber kommt dieser Moment, in dem man aufschreckt:„Waiting For Your Call“ und „Fotos“ haben Stil, sind fast schon funkig und machen Lust auf mehr. Wieso schafft es eine Band mit dem musikalischen Potential von Tele nicht, mehr als vier oder vielleicht fünf von zwölf Songs auf einem Album auf diesem Niveau zu schreiben?

„Mit Flügeln und Düsenantrieb“ setzt eine etwas unverständliche Pause, bevor „Testsieger“ und „Die Zeiten ändern sich“ wieder den Kopf auf den Schreibtisch klatschen lassen. Nicht falsch verstehen, diese Songs sind alle nicht ernsthaft schlecht, gemessen an dem was bei Tele jedoch im Bereich des Möglichen wäre (siehe „Cecile“,„Waiting For Your Call“ und „Foto“), ist der Unterschied definitiv zu groß. „Intergalaktische Missionen“ und „Jedes Tier“ dagegen überzeugen wieder, so dass das Unverständnis seinen Höhepunkt erreicht. So ein Album zu bewerten ist schwer, ist man doch hin- und hergerissen in der eigenen Meinung. Setzen Sie als Tele-Fan einfach noch einen Punkt drauf. Der neutrale Beobachter kann aber auch nach Spielende keinen klaren Sieger erkennen.

Anspieltipps:

  • Waiting For Your Call
  • Foto
  • Jedes Tier

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