God Dethroned - Passiondale - Cover
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God Dethroned Passiondale


  • Label: Metal Blade/SPV
  • Laufzeit: 38 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Immer wieder schnalzen Trümmerriffs am Ohr vorbei, die von einer Doublebass-Flanke attackiert werden.

Krieg, Tod und Zerstörung übten schon immer eine perverse Faszination auf den Menschen aus. Vor allem die unzähligen Spiele für PC und Konsole, wo meist die unterschiedlichsten Schauplätze der beiden Weltkriege abgeklappert werden, erfreuen sich einer ungebrochenen Beliebtheit. Auch im Film sind es immer wieder Veteranen oder vom Krieg Gezeichnete, die aufgrund ihres Dienstes an der Front von schweren Neurosen oder chronischen Leiden geplagt werden und den Stoff für viele Kinoadaptionen liefern. Dass dieses spezielle Thema auch in der Musik einen festen Platz hat, ist ebenfalls nicht erst seit diversen Soundtracks zu einem auf Celluloid gebannten Streifen so, aber Konzeptwerke über bestimmte Schlachten sind dann doch eher eine Seltenheit.

Die holländischen God Dethroned behandeln mit ihrem achten Opus „Paschendale“ allerdings nicht irgendeine Offensive im ersten Weltkrieg, sondern haben mit den berüchtigten Ereignissen in Westflandern im Jahre 1917 ebenso ein erschreckendes Beispiel für die Sinnlosigkeit des Krieges gewählt, wo das Vereinigte Königreich und Kanada unter massiven Verlusten, die in die Zehntausenden gingen, lediglich eine strategisch wichtigere Position beziehen wollten und Menschenleben für das Erlangen dieses Ziels keine Hürde darstellten. Nach einem gelungenen Einstieg mit Kugelhagel und Kriegsgetümmel in der Ferne, der nur durch einen (in japanisch gehaltenen?) Spoken Word-Beitrag untermauert wird, fordert „Under a darkening sky“ bereits die ersten Opfer. „Daybreak / Cannon fire“ brüllt Gründer und Mastermind Henri Sattler aus sich heraus und die einsetzende, in schwarz getunkte Todesblei-Armada Susan Gerl (Gitarre), Henk Zinger (Bass) und Roel Sanders (Schlagzeug) stürzt sich mit Karacho in den Blutrausch hinein.

Immer wieder schnalzen Trümmerriffs am Ohr vorbei, die von einer Doublebass-Flanke attackiert werden, während Sattler seine Growls mal aufgeregt-heiser mal tiefer gelegt und bissig beisteuert. Da schließlich im Krieg auch keine Gefangenen gemacht werden, ist die Schlagzahl der einzelnen Nummern stets im roten Bereich, allerdings ohne auf kompositorische Konsistenz und einige unvorhergesehene Ausweichmanöver zu vergessen, die „Passiondale“ einige der besten Tracks in der Geschichte der Niederländer bescheren. Allgemein orientieren sich God Dethroned verstärkt an ihren Anfangstagen mit „The grand grimoire“ (10/1997) oder „Bloody blasphemy“ (04/1999), die im Vergleich zu den melodischen Ausläufen späterer Werke ein ungleich härteres und aggressiveres Klangerlebnis aufzuweisen hatten.

Nach der ganzen verbrannten Erde, verursacht durch schreddernde Thrash-Riffs, knackige Schwarzmetall-Einschlüsse und dem allgegenwärtigen, kompromisslosen Death Metal, sind es jedoch die kleinen Mosaiksteinchen im Orkan der Zerstörung, die bei Laune halten und „Passiondale“ zu weit mehr als nur einer stumpfen Blastbeatorgie machen. Wenn nämlich Henri in schierer Verzweiflung „No escape from Passiondale“ proklamiert oder Marco van de Veldes von The Wounded zwei klar gesungene Beiträge in „Poison fog“ und „No survivors“ abliefert, ist nicht nur die bedrückende Atmosphäre bei ihrer Klimax angelangt, sondern auch die Absicht der Band erreicht, mit ihrem neuesten Werk den Hörer zu berühren. Das Beste an der achten Langrille des Vierers ist aber, das die enttäuschende Vorstellung des Vorgängers „The toxic touch“ (10/2006) hiermit vom Tisch ist. Danke, Henri. Weitermachen!

Anspieltipps:

  • Poison Fog
  • Passiondale
  • No Survivors
  • No Man´s Land
  • Under A Darkening Sky

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