Powerwolf - Bible Of The Beast - Cover
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Powerwolf Bible Of The Beast


  • Label: Metal Blade/SPV
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Jetzt sind sie endgültig durchgeknallt. „Resurrection by erection“, „Raise your fist, Evangelist“ oder „Catholic in the morning…satanist at night” sind nicht nur Beispiele für den wahnwitzigen Humor des deutsch-rumänischen Acts, sondern sind auch Sinnbild für augenzwinkernde True Metal-Orgien am Rande der zumutbaren Übertreibung. Mit Orgel, opernhafter Theatralik und Horror-Atmosphäre bewaffnet, veranstalten Attila Dorn (Gesang), Matthew Greywolf (Gitarre), Charles Greywolf (Gitarre), Falk Maria Schlegel (Orgel) und Stéfane Funèbre (Schlagzeug) auf dem dritten Longplayer „Bible of the beast“ einen unvergleichlichen Kreuzzug aus kraftstrotzender Power und treibendem Heavy Metal, der nicht davor zurückschreckt Ungläubige ungespitzt in den Boden zu rammen.

Thematisch setzen sich Powerwolf dieses Mal mit Luzifer höchstpersönlich auseinander, was Sänger Dorn folgendermaßen kommentiert: „Mir ist in den letzten Jahren aufgefallen, dass viele Metal-Bands Texte über Satan schreiben und dies für anti-christlich halten. Die Geschichte lehrt uns jedoch etwas anderes: Schaut man ins Alte Testament oder die Offenbarung im Neuen Testament, merkt man, dass der Teufel eine Erfindung von monotheistischen Religionskonzepten ist, um dort Dunkelheit zu addieren, wo sie Licht geschaffen haben. Nicht Satanisten haben den Teufel erfunden, es waren die Christen, weswegen niemand an Gott glauben und gleichzeitig Satan leugnen kann und umgekehrt. Daher basieren die meisten Stücke auf „Bible Of The Beast“ auf Erscheinungen des Teufels in der Bibel.“ Wie sagte schon der ehemalige MTV-Moderator Markus Kavka: „Haben wir wieder was gelernt.“

Ungeachtet dessen kann eine ernstzunehmende Beschäftigung mit dem christlichen Glauben, wie es Powerwolf vorexerzieren, jedoch kaum für bare Münze genommen werden, da bei der fünfköpfigen Truppe sowieso nie wirklich sicher ist inwiefern Realität und Erfindung voneinander zu trennen sind und ob die eingeworfenen „Hallelujahs“, „Lobet den Herrn“-Passagen oder die auf Dauer lästige Kirchenorgel, welche auf „Lupus dei“ (05/2007) eher zweitrangiger Natur war, nicht nur ein extrem ausgeklügeltes Marketingkonzept sind, das, glaubt man der Meinung ausgewiesener Musikjournalisten, die Rettung des Metal beinhaltet.

Fakt ist, dass Powerwolfs Dritte streckenweise richtig Spaß macht und dann wieder auf Teufel komm raus (Entschuldigung, der musste sein) eine knallige Mischung aus verschiedenen Spuren, Bombast, Chören und sonstigem Brimborium kreiert, dass einem aufgrund des überladenen Treibens schnell schwindlig wird. Tracks wie „Werewolves of Armenia“ oder „Panic in the pentagram“ zeigen stattdessen wie die musikalische Abbitte ohne viel Ballast funktionieren kann und welche fabelhaften Hymnen dabei entstehen. Alles in allem bleibt „Bible of the beast“ seinen Vorgängern mehr als treu und legt sogar noch eine Schippe an Kalorien, Durchtriebenheit und stadionerprobter Singalong-Melodien drauf. Wer Karies vermeiden will, sollte also einen hohen Bogen um die neue Powerwolf machen.

Anspieltipps:

  • Seven Deadly Saints
  • Panic In The Pentagram
  • Werewolves Of Armenia

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