Gallows - Grey Britain - Cover
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Gallows Grey Britain


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 51 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

In einem Interview hatte Schreihals Frank Carter im Jahre 2007 noch prophezeit, Gallows würde es keine fünf Jahre geben. Dürfte schwierig werden, den eine Millionen Pfund schweren Vertrag über vier Alben mit Warner Music bis zum Jahr 2010 zu erfüllen. Dann müsste nämlich für Gallows Sense sein, sollte sich Carters Voraussage bewahrheiten. Nun liegt mit „Grey Britain“ erst einmal das zweite Album der aufstrebenden Hardcore Punkband vor und ist als politisches Statement zu verstehen: „Grey Britain is all about what's going on socially, politically and economically in the UK and how it affects us“. So ist dem Album ein inhaltliches Gesamtkonzept gegeben, was Carter von Anfang an klar macht: „The queen is dead, so is the crown“ schreit er im Intro „The Riverbank“. Was folgt, sind knapp 50 Minuten feinste Hardcore Musik, welche sich gegenüber dem Vorgänger „Orchestra of Wolves“ aus dem Jahr 2006 in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt hat.

Versprühte das Debüt mit seiner brachialen Rohheit und scheppernden Produktion noch Proberaum-Charme, sind genau hier die ersten Veränderungen zu hören. Mit einem Majorlabel im Rücken haben Gallows nun die Möglichkeiten einer professionellen Produktion genutzt und so donnert „London Is The Reason“ unheimlich druckvoll aus den Boxen. So kommt auch immer mehr die technische Versiertheit der Band zum Tragen: Steph Carter und Laurent Barnard hauen sich an den Gitarren zackige Riffs um die Ohren, als gäbe es kein Morgen, auch wenn deutlich zu hören ist, dass sich die Band um eingängigere Gitarrenarbeit bemüht, als auf dem Vorgänger. Durchdachter und viel professioneller klingt das Ganze. Poppig sind Gallows indes ganz sicher nicht geworden.

Die Band ist außerdem stärker auf Abwechslung aus: Carter zeigt in „The Vulture (Acts I & II)“, begleitet von einer Akustikgitarre, dass er auch richtig singen kann. Weitere Überraschungen zeigen sich in Form von ruhigeren Parts, es kommen häufiger Geigen und Klavier zum Einsatz, zum Beispiel in dem Intro zu „Misery“, anschließend geht es wieder gewohnt brutal zur Sache. „Misery fucking loves me, and I love her, too.“ Diese Abwechslung ist auch dringend nötig, da sie dem Hörer Verschnaufpausen verschafft, wodurch sich das Album sehr viel einfacher genießen lässt. Gesangstechnisch wird Carter auch immer wieder von seiner Band unterstützt. So kommt der Mehrstimmige Gesang zum Tragen, was in dieser Form nicht selten an Refrains von Billy Talent erinnert, nur dass Gallows bei weitem nicht so melodisch klingen und ihre Lyrics wie Schlachtrufe hinausschreien. Sehr eindrucksvoll zu hören beim Song „Graves“.

Insgesamt ist der Band ein sehr guter zweiter Wurf gelungen. Gallows haben sich weiterentwickelt, wirken als Hardcore Punk Band trotz Vertrag mit einem Majorlabel sehr authentisch. Vergleiche mit alten Idolen wie Black Flag dürfen weiterhin herangezogen werden, aktuellere Referenzen sind z.B. Cancer Bats oder The Bronx. „Grey Britain“ ist ein düsteres, brachiales Werk, das zwar nicht mehr den rohen und ungestümen Charme des Debüts bietet, dafür aber zahlreiche andere Qualitäten, wie Abwechslung und eine druckvolle Produktion vorzuweisen hat und der Band den Weg zu einer größeren Hörerschaft ebnen dürfte.

Anspieltipps:

  • London Is The Reason
  • Black Eyes
  • The Vultures (Acts I & II)
  • Queensberry Rules

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