The Gathering - The West Pole - Cover
Große Ansicht

The Gathering The West Pole


  • Label: Psychonaut/SOULFOOD
  • Laufzeit: 54 Minuten
Artikel teilen:
9/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Als mit Anneke van Giersbergen 2007 die Stimme The Gatherings –
über die die Fans die Gruppe definierten –, für viele überraschend die The Gathering verließ, schienen die Tage der Band gezählt. Zudem hatten sich die Niederländer vom Gothic-Metal früherer Veröffentlichungen („Mandylion“, „Nighttime Birds“) über experimentelle Rock-Alben („How to measure a Planet“, „Souvenirs“) hin zu leisen elektronischen Klängen („Home“) weiterentwickelt, so dass zusätzlich zum Sängerinnenwechsel auch noch die spannende Frage aufkam, welche musikalische Richtung eingeschlagen würde. Diese Fragen beantwortet nun die neunte Platte in 20 Jahren Bandgeschichte.

Bereits der Opener „When trust becomes sound“ zeigt die nun eingeschlagene Marschrichtung. Bis auf eingestreute Sprech-Samples wurde die Elektronik wieder von Bord geworfen und die Gitarren entstaubt. Sehr druckvoll und mit der gewohnten kompositorischen Klasse von Hans Rutten brettern Gitarre und Schlagzeug die komplexe Melodie dieses Instrumentals hindurch. Bleibt also noch die Frage, welche Stimme den Hörer erwartet und genau dies beantwortet „Treasure“. Silje Wergeland (Ex-Octavia Sperati) hat eine ähnliche Stimmlage und erstaunlicherweise auch fast die Stimmbreite wie Anneke von Giersbergen, allerdings eine Nuance heller. Die Stimme schmeichelt sich sehr angenehm in den Midtempo-Song und eröffnet den Vocalpart des Albums. Hier zeigt sich grob, in welche Richtung The Gathering gehen wollen – und ohne Zweifel, der Song läutet das neue Band-Zeitalter hervorragend ein.

Da die nächsten zwei Songs nach demselben Prinzip laufen, beschleicht den Hörer hier das Gefühl, dass das Album vor allem zu Vorstellung der neuen Sängerin produziert wurde, aber The Gathering wären nicht The Gathering wenn hier nicht der Teufel im Detail stecken würde. Mit jedem Hördurchgang entdeckt man neben dem offensichtlichen Fakt, dass die neue Sängerin auch qualitativ hochwertig kraftvoll singen kann, winzige Details die die Songstrukturen offen legen und zeigen, dass die Band in Punkto Kreativität noch nicht an ihrem Zenit angekommen zu sein scheint.

„The Westpole“ legt dann noch einen drauf und zeigt als Titelsong – auf fast sieben Minuten gebündelt – alle neuen und alten Qualitäten der Band. Mit „No bird call“ folgt der ruhigste Track der CD. Ausnahmsweise nur von Keyboard und Drum-Pad begleitet, schwebt Silje Wergeland durch den Song, der zum Träumen einlädt. „Capital of Nowhere“ überrascht vom Gesang her, hat dort etwa Liv Kristine (Leaves Eyes) zum Mikro gegriffen? Nein, Anne van den Hoogen heißt die junge Dame, die den anfangs balladesken, später rockigen Titel veredeln darf. Scheinbar hat man hier einen Titel aufs Album genommen, der zu einem Zeitpunkt entstand, als die Band noch plante, fortan nur noch mit wechselnden Gastsängerinnen zu arbeiten.

Bei „You promised me a symphony“ klingt die Stimme von Silje anfangs noch nach der vormaligen Sängerin, wandelt sie sich im Laufe der kurzen, traurigen Klavierballade und gibt dem Song eine persönliche Note, die Gänsehautgarantie gibt. Nach einem weiteren Gastsängerinnenauftritt von Marcela Bovio, die ein wenig klingt als ob sie Anneke van Giersbergen kopieren will, wird bei „No one Spoke“ wieder das Midtempo eingeschlagen. Zudem entpuppt sich der Song als regelrechter Ohrwurm, dessen Refrain nach mehrmaligem Hören im Ohr hängen bleibt. „Constant run“ bietet schließlich noch einmal alles was die Fans von The Gathering an der Band lieben: Rockige Klänge, ruhige Passagen, ausgefeiltes Songwriting. Man könnte dem Outro stundenlang zuhören.

„The west pole“ ist ein Album, das einen Neubeginn und zugleich einen Fortschritt in der Bandgeschichte bildet. Der Sängerinnenwechsel hat hier hervorragend funktioniert, was nicht immer eine Selbstverständlichkeit ist.

Anspieltipps:

  • Treasure
  • The west pole
  • You promised me a symphony
  • Constant run

Neue Kritiken im Genre „Rock“
5.5/10

Songs Of Experience
  • 2017    
Diskutiere über „The Gathering“
comments powered by Disqus