Schwesterherz - Kommst Du Damit Klar? - Cover
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Schwesterherz Kommst Du Damit Klar?


  • Label: Ariola/SonyBMG
  • Laufzeit: 44 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

„Schwesterherz“ wird den meisten eher als deutsches Drama mit Heike Makatsch bekannt sein. Weil Sie sich aber nicht verirrt haben und tatsächlich auf CDStarts.de und nicht Filmstarts.de sind, ist Schwesterherz auch eine dreiköpfige Schwesternband aus Bad Muskau. Anders stellt man sich den Namen des Geburtsorts einer Schlager/Pop-Truppe auch nicht vor. Die drei Schwestern stammen ursprünglich aus der Schlagerband „Margitta und ihre Töchter“, MDR Zuschauern vielleicht ein Begriff. 2007 löste sich der Familienverbund allerdings auf, Mutter Margitta ging ihren eigenen Weg und auch die Schwestern nahmen die nächste Stufe in ihrem Leben. Im Mai 2007 brachte die neue Band der Schwestern das erste Album auf den Markt. Schwesterherz veröffentlicht mit „Kommst du damit klar?“ nun, wiederrum im Mai eines Jahres, das zweite Album. Wie stark die musikalischen Wurzeln noch in Schlager und MDR Mittagsmagazin verankert sind, klärt sich nach 44 Minuten eintauchen in die Welt der Frauen. Eine Dreiviertelstunde für mich, mehrere Jahre für die Männlichkeit.

Der gleichnamige Song „Kommst du damit klar?“ macht den Anfang. Schnell erkennt man die Wurzeln zum Schlager. Dieser unterbewusst immer mit schleichende Schlagersound fällt direkt auf. Nein, das ist kein Michael Wendler Niveau, nicht dass Sie mich falsch verstehen, aber Kategorisch gesehen auch nicht mehr als DJ Ötzi mit Frauenthemen und weniger Promille im Blut. „Sie sind nichts gegen dich“ folgt und weiß nicht zu gefallen. Ob der Text einen anspricht ist sicherlich Geschmackssache, besonders als Mann verdreht man schnell genervt die Augen. „Mein junger Chef beim Sektempfang / kommt und macht mir’n Kompliment / du hast dich bestimmt gefragt / wie gut sie den wohl kennt“. Musikalisch hat man übrigens keinen Songwechsel bemerkt, eher ertappt man sich in der Verwirrung, tatsächlich bereits seit sechs Minuten den Titeltrack zu hören.

„Nur eine von vielen“ klammert sich um die Atemwege jedes Mannes, wie eine Würgeschlange um ein Kaninchen. Wären die Texte teilweise nicht so sehr zutreffend und war, wenn auch plump und kreativ extrem überschaubar, könnte man drüber lachen. Das Gefühl einer ewig nörgelnden und unzufriedenen Partnerin, die sich vernachlässigt und nicht genug geliebt fühlt, hatte wohl jeder Mann schon ein Mal. „Email für dich“ überrascht dagegen mit etwas Kreativität im Text, handelt der Song doch von einer fälschlich adressierten Email, welche der falschen Empfängerin so sehr gefällt, dass sie sich schlagartig auf Grund des Inhalts in den Versender verliebt. Hört sich nach Jennifer Lopez Hollywood Romantikkomödie an, dennoch gar nicht so dumm.

„Mein Lieblingsplatz“ bekommt jetzt schon meinen persönlichen „kitschigster Song 2009“ Award und „Mit dir geh’n sie dahin“ zeigt auf, wie schnell Frauen für einen tollen Mann ihre Prinzipien über Bord werfen können. „Weil ich mehr von dir will“ stellt, auf eine überraschend melancholische und dramatische musikalische Weise, das sexuelle Verlangen einer Frau zu ihrem anziehenden Abendflirt dar. Nach dem „kitschigsten Song 2009“ geht der Award für „den nervigsten Refrain 2009“ an „Hallo?!“. Warum? Einfach mal anhören. „Das wär mein Kuss gewesen“ und „Wenn ich du wär“ lassen wieder etwas hoffen, dann macht „Was ist das für’n Arsch“ in etwas über drei Minuten alles wieder kaputt. Abgerundet mit „Sowas würden Männer niemals denken“ (tatsächlich ausschließlich Textzeilen die Männer niemals denken würden, ob da eine Kooperation mit Mario Barth zu Grunde liegt?) und „Den kriegen wir schon hin“ runden das zweite Album der drei Schwestern ab.

„Kommst du damit klar“ ist sicherlich kein Album für Musikliebhaber oder Kritiker, dennoch kann man dem Album den ein oder anderen unterhaltsamen Moment nicht abstreiten. Durchaus vorstellbar dass dieses Album auf einem feucht fröhlichen Frauenabend der absolute Hit ist. Wer sagt dass Stimmung machende Musik immer schlecht sein muss? Den ein oder anderen Schlager Rhythmus durch einen modernen Produzenten ersetzt, ein paar Songzeilen umgeschrieben, den Text auf Englisch aufgenommen und schon haben wir einen ordentlichen Popsong. Vielleicht steht der Baum des Schlagers gar nicht so weit weg vom Baum des modernen Pops. Der Gärtner ist eben nur ein anderer.

Anspieltipps:

  • Kommst du damit klar?
  • Email für mich
  • Mit dir geh’n sie dahin

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