Sixxxten - Jugend Violencia - Cover
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Sixxxten Jugend Violencia


  • Label: FDI Music/SOULFOOD
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Sixxxten ist ein einziger Alptraum und zugleich die Erlösung für hochgeschlossene, hyperintellektuelle Rockmusik aus deutschen Landen. Trotz Einbindung mehrerer neumodischer Anglizismen und englisch ausgesprochenen Wörtern (z.B. aus Invasion wird ), die einem gemeinsam mit ihren deutschen Kollegen flüssig eingebunden im Stakkato-Takt um die Ohren fliegen, ist es aber vor allem das breite Stil-Potpourri mit dem der aus Bremen und Hamburg stammende Vierer um sich wirft, das Lust auf Mehr macht. „Entstanden zwischen Fließbandarbeit bei einem bekannten Auto- und Bombenhersteller in Bremen und schlechten Technoclubs auf billigem Speed“ ist natürlich eine treffende Umschreibung für den sonischen Wahnsinn auf „Jugend violencia“, der in Form von Hanno Klänhardt (Gesang, Gitarre), Nils Meißner (Gitarre, Gesang, Synthesizer), Stefan Nietzky (Bass, Gesang) und Timo Höcke (Schlagzeug, Gesang) unvorhergesehen schroff aus den Lautsprechern rattert, ein ungefährer Eindruck vom neonfarbenen Irrwitz der Deutschen erfolgt jedoch nur über direkte Zuführung in den Gehörgang.

„Man kann auch Scheiße fressen, wenn man eh schon Ärsche leckt“ heißt es da in „New kids on the rox“ und über den ungefähren Inhalt eines „Kein F.I.C.K.“ brauchen ebenso keine weiteren Erläuterungen verloren werden. Sixxxten verzichten einfach auf „political correctness“ und schlendern als „weiße Nigger“ durch Hardrock, Metal, Punk, Glam, New Wave, Neue deutsche Welle, Electro House, Garagenrock und Retro-Gebärden im Stile von Franz Ferdinand. Dass dadurch schon mal der Song auf der Strecke bleibt und den Jungs vor allem wichtig ist möglichst schweinisch zu rocken, ist Ehrensache. Der rote Faden zieht sich ohnehin nur wie eine Blutspur aus jugendlichem Übermut und selbstzerstörerischer Krawallstudie durch die Platte. Gerade diese Unbekümmertheit ist allerdings das Spannende an „Jugend violencia“ und wenn Sänger Hanno nach einem „Heavy metal payback“ ruft und anschließend scheinbar unsinnige Wörter im Maschinengewehrtakt herausballert fragt man sich, welche Urgewalt gerade über einen gekommen ist.

Doch wider Erwarten schaffen es Sixxxten auch für einen kurzen Moment in ruhigere Gefilde hinabzusteigen. Zwar bildet „Dr.Seltsam“ die einzige Ausnahme, aber die hat es dementsprechend in sich und bildet mit sehnsuchtsvoller Melodie eine willkommene Abwechslung zum knallbunten Querfeldein-Mix der restlichen Nummern. Mehr davon hätte der Scheibe sicher gut getan, da sich durch die permanent verbalen und stilistischen Strohfeuer nach einiger Zeit eine gewisse Reizüberflutung einstellt, die ziemlich lang zum Abkühlen benötigt und „Jugend violencia“ daher alles in allem nur kurzweiligen Spaß bedeutet. Dennoch ist Sixxxten ein gewagtes Experiment, das die drei Eckpfeiler „Bombast, Raw Power und Leidenschaft“ bestens bedient. Wer es gerne hart und ungeschminkt hat, dürfte mit dieser Platte seinen Meister gefunden haben.

Anspieltipps:

  • Sweet 16
  • Dr.Seltsam
  • Kein F.I.C.K.
  • Gestern bedeutet gar nix

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