Iggy Pop - Préliminaires - Cover
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Iggy Pop Préliminaires


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 36 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein unvollendetes, abgehaktes Werk, das die Klasse Iggy Pops nur erahnen lässt.

Der wilde Hund jagt den Katzen nicht mehr hinterher und auch auf Machtkämpfe mit der jungen Generation lässt er sich nicht mehr ein. Ist „Punkopa“ Iggy Pop müde geworden? Tatsächlich sagt er in der Ankündigung zu seinem neuen Album, dass er den ganzen Rotz der neuen Generation nicht mehr hören mag und zu Hause lieber Louis Armstrong und noch ein paar weitere Jazzhelden, wie auch französische Musik hörte. Anscheinend zieht sich der große Iggy zurück und gibt ein Album für Freunde heraus, das in keinster Weise versucht, in das heutige Rockgeschehen einzugreifen. Ähnlich wie ein Neil Diamond wird nun auf die tiefe Stimme geachtet und das Leben eher von einer ruhigen Seite betrachtet.

Gleich die Eröffnung „Les Feuilles Mortes“ ist nahezu unverschämt ruhig. Bossa-Nova der bekannteren und einfacheren Sorte klingt knappe vier Minuten aus den Boxen und dazu die durchdringende Stimme Mr. Pops. Ein Saxophon-Solo ist da schon der Spannungspunkt schlechthin. So entspannt und weit weg vom Rock ist dieser Mann nur selten. Eine schöne Hommage ist dieses Lied allemal, doch irgendwo meint man dieses Lied schon gehört zu haben und es lag wohl wirklich in Iggy Pops Absicht, zu reproduzieren, anstatt Neues zu schaffen. Eine Erinnerung an gewisse Nischen und Genres. „I Want To Go To The Beach“ ist zum Beispiel so ziemlich das, was heraus käme, wenn man Iggy und Leonard Cohen mischt. Diese tiefe Stimme und die Atmosphärische Musik im Hintergrund.

Ein wirkliches Konzept lässt sich allerdings nicht sichten. Iggy Pop verneigt sich vor wem er möchte und in welcher Reihenfolge er das will. Das leider viel zu kurze „King Of The Dogs“ würde einem Louis Armstrong garantiert eine riesige Freude bereiten. Die Big Bandfunktioniert wunderbar, nur geht Pops Stimme manchmal ein wenig sehr unter. Das Problem scheint überhaupt zu sein, dass Ideen zwar angesprochen und auch ausgesprochen werden, allerdings ohne jegliche Variation. Hat „King Of The Dogs noch wirklich Spaß gemacht und „I Want To Go To The Beach“ noch sehr wohlig in den Ohren geklungen, ist „Je Sais Que Tu Sais“ wieder eine einzige Idee, die drei Minuten vor sich hin plätschert, anstatt einer Entwicklung nachzugehen oder etwas Großartiges zu bieten. Auch „Spanish Coast“ verliert sich ein wenig, kommt aber wieder an eine richtige Singer/Songwriter-Nummer heran.

Dass er sich noch nicht völlig aus dem Rockgewerbe heraushält, zeigt sich dann in „Nice To Be Dead“. Hier wird in die Saiten gehauen und die Stimme darf röhren. Eine herrliche Abwechslung, die nach Alt-Rock der besseren Sorte klingt. Ansonsten kommt dieser Bossa-Nova immer wieder durch und verrückte Nummern, wie „He’s Dead/She’s Alive“, Kratz-Country vom Feinsten, überraschen einen selten UND klingen wie immer abgehakt. Leonard Cohen darf sich auch wieder zeigen, wenn „A Machine For Loving“ eine erzähle Geschichte und kein gesungenes Lied ist. Die letzten beiden Stücke sind sogar nur Wiederkehrungen von „Je Sais Que Tu Sais“ und dem Intro.

So ist bei alldem guten Willen kein roter Faden auszumachen und gleichzeitig erscheint das alles sehr stringent. Der alte Hund hat zwar keinesfalls seine Zähne verloren, sondern er schert sich einen Dreck um das, was ihm die Jungen wollen. Allerdings ist es nicht immer so toll, wenn man das tut. Für Freunde hat er ein schönes Album geschaffen, da vertrauen wir ihm mal. Für die Allgemeinheit kommt ein allerdings unvollendetes, abgehaktes Werk heraus, das die Klasse Iggy Pops nur erahnen lässt.

Anspieltipps:

  • King Of The Dogs
  • I Want To Go To The Beach
  • Nice To Be Dead

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