Bloc Party - Intimacy Remixed - Cover
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Intimacy Remixed


  • Label: Cooperative/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 65 Minuten
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3/10 Unsere Wertung
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Haben sich Bloc Party damals von den eher mittelmäßigen Kritiken ihres zweiten Werkes „A weekend in the city“ (02/2007) abschrecken lassen oder wieso erscheint erst wieder zu „Intimacy“ eine Remix-Platte? Zwar könnten die wesentlich introvertierteren Kompositionen im Vergleich zum mit fetzigen Rockgitarren und energischem Upbeat hantierendem Debüt (02/2005) als schlechte Vorlagen abgetan werden und gerade „Intimacy“ (10/2008) bietet sich nun mit seiner stark elektronischen Ausrichtung geradezu als Tummelplatz für Sample-Freaks und Beat-Tüftler an, doch irgendwie ist diese Inkonsequenz des britischen Vierer etwas beunruhigend. Nicht etwa, weil Kele Okereke und seine Mannen nicht einmal versucht haben dem schon nicht sehr spannenden „Silent alarm remixed“ (08/2005) einen möglicherweise ebenso durchwachsenen Bruder zur Seite zu stellen, sondern weil die Offensichtlichkeit letzteren Output wegen des scheinbar leichter abzuwandelnden Rohmaterials durch den Remix-Wolf zu drehen bedenkliche Aspekte in Form von schnellem Geld offenbart, was zu Zeiten als „A weekend in the city“ noch immerhin eine Gold-Auszeichnung einheimste wahrscheinlich nicht notwendig war.

Ändern lässt sich daran sowieso nichts, weil bereits „Ares“ in der Hand der Villains und „Mercury“ als Hervé Is In Disarray Remix durch die Boxen poltert als gäbe es kein Morgen mehr. Die überzeugendsten Argumente hier sind knatternde Samples, pluckernde Synthies, fiebrige Basslines und die über allem thronende, gedoppelte, zerhackte und auf Knopfdruck bedrohliche Textfetzen spuckende Stimme Keles. Wer dem grassierenden Electro House-Boom der Marke Justice, Digitalism, MSTRKRFT oder Does It Offend You Yeah absolut nichts abgewinnen kann, dürfte die Scheibe wohl nach diesen zwei knarzenden Exemplaren bereits in die Tonne befördern wollen, ungeachtet dessen welche Großtaten noch kommen mögen. Wird dem restlichen Material allerdings eine zweite Chance gegeben oder ist man gerade durch diesen lautstarken Auftakt angespornt, den Rest der Platte zu erforschen, könnte sich schnell Ernüchterung einstellen, denn egal welche der beiden Seiten die eigene Gesinnung eher zum Ausdruck bringt, das Pulver ist bereits verschossen.

„Halo“ im We Have Band Dub ist nämlich bestenfalls eine Skizze für einen ernstzunehmenden Remix, „Biko“, dem sich die schottischen Mogwai angenommen haben, wurde lediglich mit Hall zugekleistert, wodurch das enigmatische Säuseln von Okereke allein die Atmosphäre erzeugen soll und scheitert, „Zephyrus“ bearbeiten Phase One entschieden zu monoton und zähflüssig (den Chor und die Streicher des Originals dezent zu implementieren hätte gut getan), „Ion square“ ist im Banjo or Freakout Remix überhaupt eine 1:1 Kopie der Vorlage, die ebenso mit anschwellendem Gestus den Hörer beeindrucken will, aber rein gar keine Spannung erzeugt und so mäandert „Intimacy remixed“ nach und nach durch halbgare, bestenfalls durchschnittliche Klangsuppen, die nicht einmal annähernd die Dringlichkeit und Dichte der unverfälschten Bloc Party-Songs erreichen. Besonders grenzwertig ist „Better than heaven“, wo die zerfaserte No Age-Variante nicht nur die ekstatische Klimax vorweg nimmt, sondern auch in unbändiger Experimentierwut den Track mehrmals vor und zurück laufen lässt, was in seligen Vinyl-Zeiten dazu geführt hätte einen prüfenden Blick auf den Plattenteller zu werfen um anschließend mit einem resignierenden Kopfschütteln die Nadel ein paar Rillen weiter wieder abzusetzen.

Wider Erwarten hat „Intimacy remixed“ dann doch noch den einen oder anderen Lichtblick vorzuweisen, wenn z.B. John B „Trojan horse“ einen subtilen Drum and Bass-Beat spendiert oder Armand van Helden klassisch, aber etwas altbacken „Signs“ in eine stampfende House-Wolke einnebelt. Trotzdem ist der zweite Versuch eine Bloc Party-Veröffentlichung in fremde Hände abzugeben um zu sehen, was dabei rauskommt, schlicht und ergreifend in die Hose gegangen, denn entweder eignen sich die auf Zeitgeist getrimmten, bassbetonten Remixe für die Techno-, Rave- und House-Fans, für die wohl vorrangig die Genre-Vorzeichen geändert wurden, gerade einmal als extrem kurzweilige Tanzbodenbeschallung oder sie erfüllen wegen Themenverfehlung (dem Original neue Aspekte abzugewinnen oder wenigstens anzudichten) gar keinen Zweck. Es wäre wohl besser Kele und seine Jungs belassen es dabei Remixe auf etwaige B-Seiten zu verteilen, denn ihre Energie an solche lieblos zusammengeschusterte Albernheiten zu verschwenden.

Anspieltipps:

  • Ares (Villains Remix)
  • Trojan Horse (John B Remix)
  • Mercury (Hervé Is In Disarray Remix)

Dieser Artikel ging am um 19:25 Uhr online.
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