Archive - Controlling Crowds - Cover
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Archive Controlling Crowds


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 78 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Nahezu 15 Jahre nach der Gründung durch Danny Griffiths und Darius Keeler sind Archive mit dem neuen Album „Controlling Crowds“ zurück und erzeugen bei den Fans vor allem durch die letzten in Albumlänge gegossenen Epen „You All Look The Same To Me“ (2002), „Noise“ (2004) sowie „Lights“ (2006) eine Erwartungshaltung, die mittlerweile ins Unermessliche driften sollte, dabei aber stets erfüllt wurde. Damit das auch dieses Mal gelingt, folgt „Controlling Crowds“ einem textlichen Konzept, das den Drang der Menschheit verdeutlicht, alles um jeden Preis unter ihre Kontrolle zu bringen. Doch auch musikalisch wurde in der Trickkiste gekramt und ein komplettes Orchester samt 32-köpfigem Chor bereitgehalten.

Aufgenommen in den Brixtoner Dairy Studios kommt das neue Werk mit Pollard Berrier sowie Dave Pen, die einen Großteil der Vocals übernehmen, und der Sängerin Maria Q, die wie auch Dave Pen seit 2004 zur Live-Besetzung von Archive gehört, daher. Gerade weil die britische Band als Kollektiv funktioniert, ist der familiäre Aspekt nicht zu leugnen, wie die Hinzunahme von Rapper Rosko John beweist. Dieser gesellt sich nach über zehn Jahren wieder zur Band und erinnert mit seinen Beiträgen an das Debütalbum „Londinium“, welches man noch deutlicher dem TripHop zuordnen konnte.

Mittlerweile sprechen Archive mehr Genres an, die von Trip Hop über Progressive Rock bis hin zu Electronica führen und im eröffnenden Titeltrack die allzu gut bekannte Sogwirkung entfalten, die einen immer wieder übermannt und Archive so wichtig in der heutigen Musiklandschaft macht. Eine schwebende Kirchenorgel eröffnet das nahezu 80-minütige Mammutwerk und wird um atmosphärisch groovende Beats ergänzt, welche durch Pollard Berriers Stimme und eine sich auftürmende, lauter werdende Klanglandschaft eine Dichte erzeugt, der man sich nicht entziehen kann. Trotz der zehn Minuten ein Opener, den man auf Dauerrepeat laufen lassen kann, an dem es stets neue Facetten zu entdecken gibt und einen die Hall-Effekte auf der Stimme mit in Träume nehmen, die wohl nur so intensive Musik ermöglicht.

Als erste Single gab es vor der Veröffentlichung des Albums bereits „Bullets“ zu hören: Ein leicht zugänglicher Hit mit antreibenden Breakbeats und trotz der Direktheit ein Song, der seinen Reiz nie zu verlieren scheint. Danach erklingen Klavier-Sounds, ein stimmlich gewohnt sehnsüchtig auftretender Dave Pen inklusive sakraler Atmosphäre, die von Streichern feierlich eingerahmt wird. Man kann mit bester Gewissheit sagen, dass Staunen und Faszination nahezu in jeder Sekunde Einzug in diesen Longplayer halten und bei jedem Track ins Schwärmen kommen, doch warum nicht einfach die Musik sprechen lassen, das zwischen Ambient-Sounds und wütenden Drums/Percussions zeitlos beeindruckende „Dangervisit“ mit diesen so kraftvollen Parts aufsaugen und als Beispiel für die gesellschaftskritischen Töne ein Beispiel aus besagtem Song anführen: „Make me sad, make me sleep, make me question, give me things that can calm this depression. Let me know what to do when my money's spent, let me know how to smell and to pay the rent, let me know what to do when my hair is gone, let me know who to kill when the war is on.“

Archive-Kenner werden ganz sicher auch schon jetzt „Controlling Crowds“ als Klassiker sehen, doch als Einstieg ist es genau so zu empfehlen, beinhaltet es doch alle Stärken dieser britischen Formation und besticht mit Perfektion in klassische Strukturen aufbrechender Rockmusik, einem großen Anteil an elektronischen Effekten, Sounds, Loops und melancholischen bis wütenden Emotionen, die nur selten derart intensiv erklingen. Bei weitem keine Randnotiz, aber in Vermeidung einer endlosen, unlesbaren Rezension nur kurz erwähnt: Maria Q verschönert die TripHop-Stücke mit gewohnt eindringlicher Note und die Rap-Elemente von Rosko John lockern das Geschehen auf, wecken Erinnerungen an das Debüt und schließen somit den Kreis, der mit „Controlling Crowds“ langsam unfassbare Ausmaße annimmt.

Anspieltipps:

  • Controlling Crowds
  • Bullets
  • Dangervisit
  • Collapse/Collide
  • Whore

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