The Lonely Island - Incredibad - Cover
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The Lonely Island Incredibad


  • Label: Republic/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Endlich! Die prollige HipHop-Szene bekommt was sie verdient! Und zwar in Form einer liebevollen, aber kompromisslosen Parodie. Die drei Freunde Andy Samberg, Akiva Schaffer und Jorma Taccone lernten sich schon in der Schule kennen, gingen anschließend getrennte Wege auf diversen Filmhochschulen, um dann schließlich mit einer Vielzahl unabhängig produzierter Comedy-Videos durchzustarten. Die legendäre Fernsehshow „Saturday Night Live“, Fernsehsender Fox und auch MTV wurden bald auf die Truppe aufmerksam. Sogar einen Kinofilm namens „Hot Rod“ bescherte ihnen der Erfolg. 2007 gab es einen überraschenden Emmy in der Kategorie „Outstanding Music & Lyrics“ für „Dick In A Box“. Millionen und Abermillionen Klicks auf YouTube bestätigen, dass dieses Trio einfach zum Brüllen komisch ist und dabei richtig was auf dem Kasten hat.

Weird Al Yancovic zieht als einer der berühmtesten Musik-Komödianten seit über 20 Jahren Welthits aller Art durch den Kakao. Ein parodistisches HipHop-Video namens „Show Me Your Genitals“ von Comedian John Lajoie kursiert seit einiger Zeit im Internet und wurde auf YouTube über 12 Millionen Mal gesehen. Aber The Lonely Island (der Bandname ist die liebevolle Bezeichnung für die bescheidene Bleibe, die sich die drei in ihren Anfangstagen als Comedians teilten) markieren nun eine neue Generation der musikalischen Komik. Die Devise lautet: Je echter der parodierte Sound klingt, desto lustiger ist der Song. Mit „Incredibad“ ist im Frühjahr das Debütalbum der Jungs erschienen, wo dieser Vorsatz merklich erfüllt wird, und speziell HipHop-, Crunk- und R&B-Songs mithilfe von derben Texten zur erfrischenden Lachnummer mutieren. Was dabei besticht, sind die vielen namhaften Promis, durch die The Lonely Island schon seit einiger Zeit eine enorme Rückenstärkung erfahren. Justin Timberlake, Jack Black und Grammy-Gewinnerin Norah Jones, um nur einige zu nennen, leisten auf „Incredibad“ jeweils einen köstlichen Beitrag.

Musikalisch gibt es eigentlich nichts zu meckern. Zwar genossen Andy, Akiva und Jorma offensichtlich keine gesangliche Ausbildung, können aber dennoch charismatische Stimmen vorweisen. Die ausgefeilten und recht abwechslungsreichen Beats kommen druckvoll aus den Boxen und müssen sich keineswegs hinter den Texten verstecken, auch wenn auf letzteren natürlich der Schwerpunkt liegt. „Jizz In My Pants“ zieht die eher ungewöhnliche Thematik des vorzeitigen Samenergusses als stylishen Clubhit auf und spitzt sich immer weiter zu, bis man sich vor Lachen den Bauch hält, während „I’m On A Boat“ den protzenden Bling-Bling-HipHop genüsslich ad absurdum führt. Etwas aus dem Rahmen fällt „Dreamgirl“. Die seltsame Huldigung einer vermeintlichen Traumfrau erweist sich als wohl raffiniertester Song des Albums, mit wundervollen Hooklines von Norah Jones.

Auf „Incredibad“, dem eine DVD mit acht Videoclips beiliegt, jagt ein Höhepunkt den nächsten, sodass die 19, stets kurz gehaltenen Tracks praktisch ohne Durchhänger runterlaufen. Als der Scheibe nach dem souligen „Dick In A Box“, wo ein herrlich selbstironischer Justin Timberlake sich durch seinen Humor mal wieder richtig sympathisch macht, bei „Punch You In The Jeans“ und „Space Olympics“ fast die Puste auszugehen droht, kommt mit „Natalie’s Rap“ noch mal ein echtes Highlight. Schauspielerin Natalie Portman sorgt hier nicht wegen ihrer optischen Schauwerte, sondern wegen ihres völlig ungeahnten Rap-Talents für offene Münder. Ihr höchst aggressiver Sprechgesang macht einen Heidenspaß. Einen gelungenen Abschluss bietet schließlich das Titellied „Incredibad“, welches sowohl die Hintergrundgeschichte des Trios, als auch das Albumcover erklärt.

Mal erinnert „Incredibad“ stark an die brandaktuelle Black-Music-Szene, mal erinnert es an gute alte Beastie Boys-Zeiten. Die Songs klingen wie Originale, nehmen ebendiese durch die Texte aber gehörig auf den Arm. Richtig beleidigend, wie in sogenannten Disstracks, wird es jedoch nie. Die drei Spaß-Rapper, selbst mit HipHop aufgewachsen, inszenieren ihr Album zwar als Persiflage, aber auch als Verbeugung vor ihrer Lieblingsmucke. Sowohl Spaß verstehende Fans, als auch Gegner der parodierten Genres kommen so auf ihre Kosten. Das macht „The Lonely Island“ zu Gewinnern auf der ganzen Linie. Bleibt nur zu hoffen, dass der absolute Durchbruch auch in Deutschland gelingt.

Anspieltipps:

  • Jizz In My Pants
  • I’m On A Boat
  • Like A Boss
  • Dreamgirl
  • Dick In A Box
  • Natalie’s Rap

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