Marilyn Manson - The High End Of Low - Cover
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Marilyn Manson The High End Of Low


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 74 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Man muss Marilyn Manson sicher nicht mögen, man darf aber durchaus bessere Alben als „The High End Of Low“ erwarten.

Schier endlose 2½ Minuten dauert es, bis der Meister die Kampfhunde im Opener „Devour“ von der Leine lässt. Na gut, das sei ihm zugestanden, wenn er uns wenigstens danach den Kitt amtlich von der Kassenbrille rockt. Aber nichts da! Trotz der überraschenden Rückkehr seines Bassisten und Songschreibers Jeordie White alias Twiggy Ramirez (37), serviert Brian Warner (40) in der Kunstgestalt als Marilyn Manson auf seinem achten Studioalbum lediglich Schonkost und vielerlei Aufgüsse bereits bekannter Trademarks. Doch woran liegt’s?

Was „The High End Of Low“ auf den ersten Blick fehlt, ist ein Konzept im Stile von Alben wie „The Golden Age Of Grotesque“ (2003) oder „Eat Me, Drink Me“ (2007), das Musik, Texte und Atmosphäre miteinander verbindet und dem Hörer somit einen Roten Faden vorgibt. „The High End Of Low“ fungiert dagegen als lose Songsammlung mit so unterschiedlichen Stücken wie „Running to the edge of the world”, das als ungewöhnlich zahme Breitwandballade daherkommt oder „Unkillable monster“, das die harten E-Gitarrenriffs mit massenwirksamen Akustik-Harmonien zügelt. Das ist weder sonderlich berauschend noch auf irgendeine Weise befriedigend.

Die Krux an „The High End Of Low“ lässt sich sehr gut anhand des Songs „I want to kill you like they do in the movies“ erklären. In dieser Mörderballade geht es düster und gespenstisch zu. Die Gitarren sägen bedrohlich und Manson singt mit einer Stimme wie aus der nächsten Friedhofsgruft. Doch anstatt auf ein großes Finale zuzusteuern, mäandert der Song neun Minuten lang vor sich hin, ohne das Entscheidendes passiert. Umgekehrt verhält es sich dagegen bei „Pretty as a ($)“, das – man ahnt es schon – überraschend zu Ende ist, bevor man sich fragen kann, ob das schon alles sei. Das ist ärgerlich und wäre – so die Behauptung – früher nicht passiert!

Schlimm nur, dass die kompositorische Talsohle damit noch nicht erreicht ist. Denn uninspirierte Quietschenentchenlieder aus der Electro-Abstellkammer wie „Wow“ oder bollernde Möchtegern-Aufreger mit reichlich abgegriffenen Gitarrenriffs wie „We’re from America“ sind für ein Songschreiberteam wie Twiggy Ramirez und Brian Warner einfach nur ganz schwache Ergebnisse.

Man muss Marilyn Manson sicher nicht mögen, man darf aber durchaus bessere Alben als „The High End Of Low“ erwarten. Schließlich stehen dem MM-Backkatalog einige Geniestreiche zu Buche. Davon hat dieses Werk so gut wie gar nichts zu bieten. Es rockt nicht, hat weder Atmosphäre noch eine eigene Identität und – was am schwersten wiegt – keine nachhaltigen Songs. Kurz gesagt: Enttäuschend!

Anspieltipps:

  • Wight spider
  • Blank and white
  • Unkillable monster
  • Running to the edge of the world
  • Arma-goddamn-motherfuckin-geddon

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