Neaera - Omnicide: Creation Unleashed - Cover
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Neaera Omnicide: Creation Unleashed


  • Label: Metal Blade/SPV
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein kaltes Großstadtbild mit aneinandergereihten Hochhäusern, in Blut getränkt. Der Ausdruck „Omnicide“, der auf dem Gemälde neben dem scharfkantigen Bandlogo prangt, beschreibt etwa die Auslöschung der Menschheit, z.B. durch einen Atomkrieg. Der Untertitel nennt sich „Creation Unleashed“ – das Werk wird entfesselt. Und was Neaera da auf das Metal-Volk loslassen, beschreibt das Cover Artwork schon hinreichend: Ein kompromissloses Gemetzel.

Mit ihrem Debüt „The Rising Tide Of Oblivion“ schufen die fünf Herren aus Münster einen frischen Sound in der Szene und traten sogleich ihren Weg nach ganz oben an. Nach dem Nachfolger „Let The Tempest Come“, welcher durch stark skandinavisch inspirierte Riff-Akrobatik zu begeistern wusste, und dem dritten Longplayer „Armamentarium“, das als fieser großer Bruder mit noch fetterem Sound und mehr Düsternis daherkam, steht nun mit „Omnicide – Creation Unleashed“ ein Album in den Läden, das sich schon wieder ganz anders anhört. Der Opener „I Loathe“ zeigt direkt wo’s lang geht. So schnell und brutal waren Neaera noch nie. Bedenken, was denn mit der guten alten Metalcore/Melodic-Death-Metal-Truppe passiert sei, dürften sich beim Weiterhören langsam legen. Gönnt man der Scheibe ein paar Durchgänge, wird man den typischen Neaera-Stil durchaus raushören. „Omnicide – Creation Unleashed“ zeugt lediglich von noch stärkeren Black- und Death Metal Einflüssen als es zuvor der Fall war. Produktion bzw. Sound sind dabei bodenständiger geworden, im Vergleich zu der schallenden Bombe namens „Armamentarium“.

In Punkto Weiterentwicklung ist Frontmann Benny Hilleke an erster Stelle zu nennen. Seine tiefen Growls brummen so bedrohlich wie eh und je, während sein hohes Kreischen schärfer und ausgefeilter als je zuvor klingt. Die Technik des Mikrofonhalters hat sich quasi zur Perfektion entwickelt. Leider schraubt Hilleke dadurch seinen eigenen Wiedererkennungswert herunter, waren es doch seine rotzigen Töne, die einst auf die Band aufmerksam machten. Diese Tatsache kündigte sich aber schon auf „Armamentarium“ an. Bei Neaera geht es eben immer einen Schritt nach vorn.

„Omnicide – Creation Unleashed“ ist ein wirklich deftiger Schlag ins Gesicht und das bisher düsterste Werk des Westfäler Quintetts. Wer Alben von diesem Härtegrad nicht gewohnt ist, wird es schwer haben, den Metal-Klumpen auseinander zu operieren, denn stilistisch und in Punkto Tempo sind die zehn Songs wirklich alle sehr ähnlich angesiedelt. Dafür verstehen es die Jungs, eine echte Kriegs-Atmosphäre zu schaffen. Das beweisen vor allem Songs wie das ordentlich geschwärzte „Age of Hunger“ in der Album-Mitte. Man muss den Text nicht mal verstehen, auch so drückt das Lied Bitterkeit, Hoffnungslosigkeit und Grausamkeit aus. Blackened Death Metal wie aus dem Lehrbuch. Als der folgende Track, wie alle Lieder zuvor, immer noch gnadenlos drauflos prescht, beginnt man sich so langsam zu fragen, wie das weitergehen soll. Glückicherweise rettet sich „Caesura“ nach dem Intro mit eingängigen Riffs. Nachdem „Omnicide“, „In Near Ruins“ und „The Nothing Doctrine“ auch keine Minute locker lassen, gibt „I am The Rape“ zum Abschluss nochmal Vollgas, um die zehn Stücke zusammen mit „I Loathe“ auch schön blutrünstig einzurahmen. Dann ist der Ritt auch schon vorbei. Für einen elften Track, wie er auf den beiden vorigen Alben noch vorhanden war, muss man sich die Limited Edition mit DVD besorgen.

Album Nummer vier ist einfach nur konsequent bitterböse. Die zehn Titel knüppeln ohne wirkliche Verschnaufpause drauf los. Dass Neaera dabei an ihre Grenzen stoßen, macht sich bei den irren Blastbeat-Passagen wie in „Grave New World“ bemerkbar, die den Gitarren kaum hinterher kommen. Infolgedessen darf man gespannt sein, wie der nächste Schritt aussehen wird. Vielleicht kommt 2010 oder 11 ja ein deutlich gedrosseltes Album, im Sinne vom neusten Chimaira Werk, wie es die Band laut Interview eigentlich schon vor Jahren in Planung hatte. Neaera halten jedenfalls durchgehend ein hohes Niveau, aber entwickeln sich stets weiter. So muss das sein. Aus Fan-Sicht darf man behaupten, dass die Band durch den Fokus auf Brutalität im Hinblick auf die früheren Werke etwas an Charme einbüßt. Nichtsdestotrotz ist „Omnicide – Creation Unleashed“ ein ordentliches Stück Metal. Fenster geschlossen halten – das Blut fließt durch die Straßen.

Anspieltipps:

  • Prey to Anguish
  • Age of Hunger
  • I Loathe
  • Caesura

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