The Stanley Clarke Trio - Jazz In The Garden - Cover
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The Stanley Clarke Trio Jazz In The Garden


  • Label: Heads Up/In-Akustik
  • Laufzeit: 61 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Nun ist es soweit. Das erste akustische Album unter eigenem Namen – und das nach vier Dekaden im Musikgeschäft. Stanley Clarke, der Basssaitenschwinger mit dem Können das höchstwahrscheinlich nicht von diesem Planeten stammt. Jedenfalls hat er dies oft genug bewiesen zu Zeiten der Fusion-Band Return To Forever, mit anderen Musikern wie George Duke als auch Solo. Bei seinem akustischen Projekt hat sich der 57-jährige Clarke seinen guten Freund und Schlagzeuger von Return To Forever Lenny White sowie die deutlich jüngere, sehr begabte Pianistin Hiromi Uehara aus Japan ins Boot geholt. Die 30-jährige Hiromi kann ebenfalls im Jazzrock (Fusion) als auch experimentellen Jazz eingeordnet werden und hat bereits fünf Alben unter eigenem Namen bzw. ihrer Band Hiromi’s Sonicbloom veröffentlich und zuletzt auch ein Duett mit Chick Corea eingespielt. Was uns wiederum zur Reunion von Return To Forever bringt, die vor kurzem statt fand und in einem Live-Album ihre Früchte getragen hat, aber das ist ein anderes Kapitel.

„Jazz In The Garden“ bietet eine Mischung aus eigenen Kompositionen der Protagonisten und einigen aufgearbeiteten älteren Stücken fremden Ursprungs, im Jazz besser bekannt als Standards. Jazzstandards sind Melodien mit fester Harmoniefolge, die als Thema einer Improvisation dienen. Genau als solche sind auch die meisten auf dem Album zu erkennen. Man merkt deutlich den improvisierten Charakter bei „Isotope“ von Joe Henderson und „Solar“ von Miles Davis. Jedes Instrument drängt mal in den Vordergrund und wieder zurück, immer interessant, nie ausufernd, ein unglaubliches Zusammenspiel der Musiker. Duke Ellingtons „Take The Coltrane“ ist bodenständiger, gewinnt aber durch das betonte Schlagzeugspiel von White einiges an Energie. Disneys „Someday My Prince Will Come“ hingegen gleitet ruhig majestätisch dahin, angeführt von Hiromis Klavierspiel und mit einem Basssolo vollendet.

Die wirklichen Perlen des Albums sind die eigenen Kompositionen der Künstler. Ein improvisiertes Duett von Hiromi und Stanley der ruhigeren Art („Global Tweak“) zeigt wie gut sich Menschen so unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Kultur musikalisch verstehen können. Oder das grandiose „Paradigm Shift (Election Day 2008)“, welches Clarke, inspiriert durch den neuen US-Präsidenten Barack Obama, komponiert hat. Gleich zu Beginn erleben wir mehrere im wahrsten Sinne des Wortes musikalische Paradigmenwechsel, wobei der erste Teil an eine typische fröhliche Kirmes-Musik erinnert. Ich lehne mich jetzt ein wenig weit aus dem Fenster und behaupte hier wird mit der Politik von George Bush abgerechnet, eine Persiflage vom Feinsten. Beim zweiten Teil erleben wir einen Spannungsaufbau der für die US-Wahlen selbst stehen könnte und nach einer Minute nimmt das Lied eine dritte Wendung um nun wohlüberlegt groovend nach vorne zu preschen, die Politik Brack Obamas darstellend.

Danach folgt ein japanisches Traditionslied („Sakura Sakura“) und Clarke zaubert aus seinem Bass Klänge im Stil des japanischen Kotos. Schöne Melodie, schönes Lied. Das gleiche trifft auf das aus der Feder von Hiromi stammende „Sicilian Blue“ zu. Clarke beeindruckt einmal mehr, indem er seinen Bass am Anfang des Stücks wie ein Cello erklingen lässt. Überhaupt ist das Album geprägt von seinem unglaublichen Bassspiel. So auch in seinem Solo-Stück „Bass Folk Song No.5 & 6“, das das Können des Protagonisten einmal mehr unter Beweis stellt. Nicht nur das, denn er belehrt jeden eines besseren, der die Bassgitarre als reines Begleitinstrument hält. Das heißt nicht, dass Clarke alles auf diesem Album dominiert. Nein, alle Instrumente sind gleichberechtigt. Nur fällt der Bass dieses Virtuosen einfach unglaublich auf im Vergleich zu anderen Trios.

Weitere Hochkaräter folgen mit einer Bebop-Nummer („3 Wrong Notes“) und einem swing-artigen Stück („Brain Training“) mit stakkatoartigem Thema und einem superben Schlagzeugsolo. Wenn das alles nicht genug wäre an Vielfalt und Abwechslung, kriegen wir noch zum Schluss das Cover von „Under The Bridge“ von den Red Hot Chili Peppers geboten. Kann das überhaupt ohne Gesang funktionieren? Oh ja und wie, da bleibt einem die Spucke weg! Hoffentlich hören wir noch mehr von diesem Trio, denn dieses Album ist wirklich hervorragend. Ein Album dessen viele Facetten und Melodien mit jedem Hören deutlicher heraustreten und immer mehr begeistern. This is jazz!

Anspieltipps:

  • Paradigm Shift (Election Day 2008)
  • Sakura Sakura
  • Someday My Prince Will Come
  • Global Tweak
  • Brain Training
  • Under The Bridge

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