Kasabian - The West Ryder Pauper Lunatic Asylum - Cover
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Kasabian The West Ryder Pauper Lunatic Asylum


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 52 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Verkopfter, auf den ersten Blick weniger zugänglich kommen die Leicester-Männer herüber.

Songwriterwechsel verändern Bands des häufigeren schwerwiegend, man denke nur an vergangene und heutige Sounds Hot Hot Heats oder der Zutons. So durfte man berechtigter Weise gespannt sein auf das dritte Album Kasabians nach dem Weggang Christopher Karloffs 2006 und der daraus resultierenden Alleinherrschaft Sergio Pizzornos beim Stücke schreiben.

Eine Neuerfindung ist es nicht geworden, aber die ohnehin schon als andersartig gebrandmarkten Brit-Rocker entfernen sich weiter denn je von der britischen Rock-Eingängigkeit die modisch im Rave schwimmt. Verkopfter, auf den ersten Blick weniger zugänglich kommen die Leicester-Männer herüber, hauptsächlich weil „The West Ryder…“ ein durchstrukturiertes Konzeptalbum geworden ist. Das „West Ryder Pauper Lunatic Asylum” war das erste psychiatrische Krankenhaus Englands für Arme und Minderbemittelte. Entsprechend soll jeder Song wahnsinnige Gedankengänge irgendwelcher Insassen widerspiegeln – oder so.

Lässt man diesen ganzen Kram mal bei Seite, der entsteht, wenn Künstler durch Glück oder Können ihr Hobby, ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben und zwar dergestalt, dass sie in absehbarer Zeit keine materiellen Existenzängste mehr durchmachen müssen, dann haben Kasabian ein richtig gutes Album entstehen lassen. Progressiver, ja psychedelischer als die beiden Vorgängeralben entfalten sich ihre Songs, beständig treiben sie einen an in irgendwelche Gefühlsszenarien. Soundtrackmusik lautet nicht von ungefähr die Referenz; der Groove, der Drive, der Emphase entstehen lässt, ist Kasabians wichtigstes Mittel künstlerischer Konzeption, spätestens mit „The West Ryder…“, der einzige gesangslose Track „Swarfiga“ versinnbildlicht dies am Besten und könnte gleichzeitig zukunftsweisend sein.

Integer, und damit die Hauptbedingung eines erfolgreichen Konzeptalbums umsetzend, wirkt die ganze Unternehmung. Als Gesamtpaket gut konsumierbar fällt kaum ein Song heraus, vielleicht nur die beiden balladesken Stücke „West Rider Silver Bullet“ und „Ladies And Gentlemen (Roll The Dice)“ in denen nicht treibende Bässe, sphärische und dennoch knappe Riffs und düstere Keyboard- und Beatarrangements einen betäubenden Kopfkinofilm, der hervorragend zu Narkotika zu passen scheint, hervorrufen. Wahrscheinlich haben sie nur diese eine Stärke.

Die allerdings verstehen sie auszuspielen. „Underdog“ mit seinen Waber-Beats, „Fast Fuse“ mit seinen dezenten Indie-Rock-Anleihen und das tolle „Take Aim“, mit Pauken, Trompeten, Chören und eruptiven Aufbau funktionieren eigentliche alle ähnlich, will heißen: erwirken die gleiche Gefühlsreaktion, sind aber allesamt hervorragend strukturierte Rocksongs einer seltsamen Melange aus Prog- und Disco-Rock entstammend. Sexy-bekifft-sein könnte die verbildlichte Metapher ihrer Tripmusik lauten. Auch die Singles „Vlad The Impaler” und „Fire“ stehen dem in nichts nach, schwenken aber Stärker zur eingängigen Disco-Tauglichkeit. Und mit „Happiness“ gelingt dann doch noch ein kurzer Ausflug in gänzlich unbekanntes Terrain, als schöner Schlusspunkt mit Gospel-Chören, Klavierbegleitung und „uhs“ und „ahs“.

Nach ihrem einschlagend starkem Debüt und dem etwas abfallenderen Zweitwerk stehen Kasabian wohl in der Blüte ihrer Zeit. Einzig die strenge Homogenität ihres Sounds könnte auf lange Sicht behindernd wirken. Wer weiß was noch folgt, im Moment jedenfalls sind sie verdammt coole Säue.

Anspieltipps:

  • Fast Fuse
  • Take Aim
  • Vlad The Impaler
  • Fire
  • Swarfiga
  • Underdog

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