Taking Back Sunday - New Again - Cover
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Taking Back Sunday New Again


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 37 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach dem für Taking Back Sundays schwächeren Album „Louder Now“ aus dem Jahre 2006, schraubte man die Erwartungshaltung an die Band aus Long Island, New York etwas zurück. Drei Jahre betrug die Wartezeit bis zu ihrem neuen Release „New Again“, unter neuem Label und mit einer ausgetauschten Schlüsselposition. Fred Mascherino verließ im Oktober 2007 für Außenstehende sehr überraschend die Band. Es war nach John Nolan (heute Straylight Run) bereits der zweite Wechsel auf der Position des singenden Gitarristen. Einige Zeit war die Zukunft der Band ungewiss, Aufnahmen fürs neue Album liefen dennoch bereits. Bald stellte man Matt Fazzi als neues Mitglied von Taking Back Sunday vor. „Fazzi brachte eine ganze Menge Enthusiasmus in die Band, und die Freude darauf, rauszugehen und live zu spielen, ist wieder so groß wie damals beim ersten Album", sagt Frontmann Adam Lazzara über die Neuverpflichtung. Mit Mascherino ging der heimliche Star der Band, lieferte doch für viele er die qualitativ höhere Gesangsleistung gegenüber Lazzara.

Man ließ sich für das neue Werk viel Zeit. Taking Back Sunday stehen mit ihrem vierten Album und dem bereits elften Mitglied am Scheideweg ihrer Karriere. 2002 schlug das erste Album „Tell All Your Friends“ auf dem amerikanischen Markt ein wie eine Bombe. „Where You Want To Be“ lieferte einen würdigen Nachfolger, auch wenn bereits früh Fans der ersten Stunde den Verlust an Härte und Authentizität bemängelten. Spätestens „Louder Now“ spaltete die Meinung über Taking Back Sunday. Die Einen waren enttäuscht über ihre Entwicklung und die Anderen konnten mit dem für die Masse adaptierten Sound mehr anfangen. Wie man es dreht und wendet, Taking Back Sunday entwickelt sich stetig weiter. Ob Negativ oder Positiv ist Ansichtssache.

„New Again“ eröffnet als Titeltrack das 37minütige Werk. Besonders viel hat sich auf den ersten Blick seit „Louder Now“ nicht getan. Hervorzuheben ist dennoch Adams gesangliche Entwicklung. Machte er vor ein paar Jahren noch häufiger einen manchmal „quietschigen“ Eindruck, überzeugt er mittlerweile doch mit Volumen und noch mehr Ausdruck in Stimme und Artikulierung. Auffallend ist auch der fehlende und eigentlich so Taking Back Sunday typische Doppelgesang. Matt Fazzi scheint ein guter Gitarrist zu sein, einem Fred Mascherino kann er gesanglich aber anscheinend nicht das Wasser reichen. Der erste Wehmutstropfen der neuen Kombination. „New Again“ und „Sink Into Me“ könnten an sich auch Songs des Vorgängers sein – allerdings von der besseren Sorte. Gerade „Sink Into Me“ besticht durch Lazzaras überzeugende Lyrics. „You’re all I see / sink into me / sharpen your teeth / sink into me“ galant windet sich Lazzaras Ausdrucksweise um platte Lyric der Masse à la „Give it to me / come on and / give me what I want for me“.

„Lonely, Lonely“ kommt aggressiver, wütender und erdrückender daher und scheut sich nicht vor Tempowechseln. Ein Song, der an einem vorbei rauscht und erst beim zweiten Mal erkennbar wird. Nach einem ordentlichen aber nicht überragenden Start, steigert sich „New Again“ nun. „Summer, Man“ ist zwar einer der schwächeren Songs, dafür überzeugt „Swing“ als richtiger Hit. Man kann Fazzis neue Einflüsse richtig fühlen, so einen Song hätte es unter Mascherino nicht gegeben. „Where My Mouth Is“ überzeugt als gelungener, etwas sanfterer Ohrwurm, bevor „Cut Me Up Jenny“ großes leistet. Eingängige Hooks, brillanter Songaufbau und perfekte Tempowechsel. Wow! „Cut Me Up Jenny“ ist einer der besten, vielleicht sogar der beste Taking Back Sunday Song seit „Where You Want To Be“. Wer spätestens in der letzten Minute noch immer nicht mit summt, muss klinisch tot sein.

„New Again“ ist kein Album, dass einem beim ersten durchhören vom Hocker reißt, aber es ermöglicht Hoffnungen, lässt nicht vergessen und erweckt die sofortige Neugier es ein zweites Mal zu hören. „Catholic Knees“ und „Capital M-E“ sind ähnlich stark wie „Swing“. „Carpathia“ ist der heimliche Star auf „New Again“. Besonders gesanglich ein sehr unkonventioneller Song, welcher Lazzaras Songwritingqualitäten erneut beweist „When oh when will this sinkin feeling / feel like „man that was ages ago“. Charmant, charmant. Wenige Textschreiber würden hier eine solch schöne Umleitung nehmen, wenn die Schnellstraße („my heart won’t stop bleeding / the pain will hurt for so long“ oder ähnliche weinerliche 0-8-15 Langeweile), doch so nahe liegt. Zum Abschluss liefern Taking Back Sunday mit „Everything Must Go“ ein Song wie zu guten alten Zeiten. Näher ist man seit „Tell All Your Friends“ der Authentizität des Erstlingswerk nie gekommen.

Adam Lazzara, Matt Fazzi, Matt Rubano, Mark O’Connell und Eddie Reyes sind natürlich keine neue Band. Diese musikalische Kombination hört sich auf „New Again“ jedoch wieder deutlich richtiger an, als es die Kombination um Mascherino auf „Louder Now“ tat. Man scheint wieder einen eigenen Sound gefunden zu haben, ohne dabei abwechslungsarm zu enden. Es ist doch verwunderlich, wie ein Glied in der Kette den Glanz doch neu entfachen kann. Bleibt Taking Back Sunday nur zu hoffen, nie wieder ein Bandmitglied verlieren zu müssen. Einzig der etwas schleppende Beginn schützt „New Again“ vor einer richtig starken Wertung.

Anspieltipps:

  • Swing
  • Cut Me Up Jenny
  • Carpathia
  • Everything Must Go

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