Billy Talent - Billy Talent III - Cover
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Billy Talent Billy Talent III


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 42 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„I“, „II“ oder „III“, ob man wirklich richtig steht, sieht man, wenn das Licht angeht.

Billy Talent sind wieder da! (waren sie denn jemals fort? – die Red.). Ben Kowalewicz (Gesang), Ian D’Sa (Gitarre), Jon Gallant (Bass) und Aaron Solowoniuk (Drums) sind nach zwei Studioalben und einer Live-CD als derzeit erfolgreichste kanadische Band mit der dritten LP „III“ zurück. Laut Kowalewiczs ist das Album „die beste Arbeit, die wir bisher abgeliefert haben.“ Der Phrasen-Klassiker aller Presseinfos schlechthin. Doch der Weg scheint nur logisch. Denn Vom Erstlingswerk „I“ zum Nachfolger „II“ machten Billy Talent in Sachen Tempo, Authentizität und Härte eher einen Schritt zurück.

Der übliche Werdegang zwischen Majorlabel und Massentauglichkeit scheint fast vorgemeißelt zu sein. „I“, „II“ oder „III“, ob man wirklich richtig steht, sieht man, wenn das Licht angeht. Und siehe da, Billy Talents drittes Werk geht den Weg der angesprochenen logischen Weiterentwicklung tatsächlich weiter: Noch weniger Tempo, noch weniger Härte und noch weniger Authentizität. Dafür schimmert klar der Versuch einer massentauglichen Gesamtproduktion durch.

„Devil on my shoulder“ und „Rusted from the rain“ wirken ungewohnt behäbig. Warum gerade zweitgenannter Titel auch noch die erste Single der Kanadier ist, stößt deshalb auf Unverständnis. „Saint Veronika“ und „Tears into wine“ erinnern schon eher an die typische Gangart Billy Talents. Gerade „Tears into wine“ wäre die eindeutig bessere Wahl zur Nominierung der ersten Single gewesen, denn der Schritt von „II“ zu „III“ hätte sich mit diesem knackigeren Titel deutlich flüssiger vollzogen.

„White sparrows“ wird im Pressetext als Beinahe-Ballade angepriesen. Interessante Auffassungsform, ist „White sparrows“ doch nur ein weiteres Paradebeispiel für Billy Talents Entwicklungszyklus. „Pocketful of dreams“ dient als kritische Anlehnung an die Schicki-Micki-Damenwelt um Paris Hilton und Konsorten und erinnert textlich an Good Charlottes „Lifestyle of the rich and famous“ und musikalisch an… puh, schwer zu sagen. Dennoch kein schlechter Song. Stichwort gute Songs, wirklich ernsthaft überzeugen können auf „III“ nur „Diamond on a landmine“, „Turn your back“ und mit Abstrichen „The dead can’t testify“. Jene Nummer soll als Abrechnung mit der Regierung Bush dienen und stand bereits vor geraumer Zeit zum Download im Internet bereit. Da war es natürlich naheliegend, diesen Song zusammen mit den US-Polit-Punkrock-Polizisten von Anti-Flag aufzunehmen.

„Sudden movements“ schafft es zum Abschluss noch ein wenig behäbiger und gleichgültiger als „Devil on my shoulder“ und „Rusted from the rain“ zu klingen, bevor „Definition of destiny“ als „I“-Aufguss den geneigten Hörer entlässt.

Billy Talent gehen mit diesem Album leider einen Schritt in Richtung unendliches Mittelfeld der Rock-Branche, was nicht heißen soll, dass gewisse Songs auf „III“ nicht das Potenzial zu Ohrwürmern hätten. Damit ist klar, dass Ben Kowalewiczs markantes Organ auch im Jahr 2009 zu genüge im Radio zu hören sein wird.

Anspieltipps:

  • Diamonds On A Landmine
  • The Dead Can’t Testify

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