The Black Eyed Peas - The E.N.D. (Energy Never Dies) - Cover
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The Black Eyed Peas The E.N.D. (Energy Never Dies)


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 60 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Kein kommerziell ausgerichteter DJ, der den Club zum Beben bringen will, kommt zur Zeit an The Black Eyed Peas vorbei. Egal ob mit einem ihrer zahlreichen „alten“ Hits oder der aktuellen Single „Boom boom pow“, das Vierergespann um Will.I.Am, Apl.De.Ap, Taboo und Fergie ist weiterhin auf Erfolgskurs und scheinbar nicht aufzuhalten. Dabei schien das Hip Hop-Projekt wegen schleppender Verkaufszahlen zu Beginn ihrer Karriere als schlichte Randnotiz in die amerikanische Pophistorie einzugehen. Erst nach dem Einstieg von Stacy Ann Ferguson 2003, die mit etwas freizügigen Bühnenoutfits den Sex-Faktor in die Band einbrachte, hieß es erst einmal anschnallen und nach „Elephunk“ (06/2003) und „Monkey business“ (05/2005) blickte die Truppe auf Multi-Platin, Nummer 1-Singles überall auf der Welt und über 18 Millionen verkaufter Alben zurück. Danach legten alle eine wohlverdiente Pause ein und bemühten sich entweder um eine Solokarriere, verdingten sich als Produzent oder versuchten in der Schauspielerei Fuß zu fassen.

Nach vier Jahren Abstinenz sollen mit „The E.N.D.“, was ausgeschrieben „The energy never dies“ bedeutet, 2009 nun wieder die Charts gestürmt und die Bankkonten gefüllt werden. Nachdem „Boom boom pow“ als erste Black Eyed Peas-Single überhaupt an die Spitze der amerikanischen Hitparaden klettern durfte, kann dem Act zumindest schon mal nicht abgesprochen werden, die Welt hätte nicht auf eine Rückkehr des Vierers gewartet. Das war es dann aber auch schon mit den Zugeständnissen, denn obwohl das erste Lebenszeichen der schwarzäugigen Erbsen am Dancefloor für Heavy Rotation und mit seinen pumpenden Electro-Beats für ordentlich Bewegung sorgt, macht sich vor allem im heimischen Wohnzimmer die zappelige und primitive Konzeption bemerkbar, welche es nicht schafft, einen nachhaltig Eindruck zu generieren. Interessanterweise war das aber noch nicht die Spitze des bassbetonten, mit einsilbigen Schlachtrufen um sich werfenden Eisbergs.

Jetzt wirklich einen bestimmten Track hervorzuheben, seine Bausteine auseinander zu pflücken und näher zu betrachten, wäre zuviel des Guten, noch dazu wenn auf „The E.N.D.“ alles dem gleichen Schema zu folgen scheint: Party! „Ich glaube, dass „The E.N.D.“ wie ein astreines Party-Album klingt, weil wir selbst einfach nur Spaß haben wollten, als wir uns wieder sahen. Der Moment war der Hammer, und dieses Gefühl wollten wir einfangen ohne an irgendwelche Erlebnisse der Vergangenheit zurückzudenken.“ meint Fergie und darf ihre weiblichen Vorzüge dieses Mal nicht vorrangig zu tieftönendem Hip Hop sondern zu zappeligem Electro präsentieren. Dieser Stilwechsel ist natürlich an den Zeitgeist angepasst, macht im Nachhinein betrachtet aber so wenig Sinn wie ein Loch im Kopf und zwar nicht weil die Idee Hip Hop mit Electro zu kreuzen komplett schwachsinnig wäre, sondern weil die Black Eyed Peas lediglich bruchstückhaften Nonsens anbieten, der weder Spaß macht, noch dieselbe lockere Art und Weise der früheren Kompositionen versprüht, von denen die schlechtesten immerhin im Vollrausch zu ertragen waren.

Nein, dieses Mal wird am besten der Mantel des Schweigens ausgebreitet und ein ganz großer Bogen um das neueste Opus gemacht, denn obwohl stellenweise gute Ansätze durchscheinen ist „The E.N.D.“ alles in allem ein einziges Desaster. Egal ob gepitchte Gesangseinlagen verwendet, Samples und billige Beats aus der Retorte aufgegriffen und so lange durch Effektschleifen gezogen werden, bis sich selbst Scooter zu gut wären, diese zu verwenden oder fast der komplette Text unaufhörlich durch Verzerrer gejagt wird, für diese einstündige Farce braucht man einen starken Magen. Überhaupt ist die zeitgenössische Anbiederung mit sklavischer Verbeugung vor Acts wie Daft Punk, Justice und Konsorten, sowie die Kollaboration mit David Guetta und Boyz Noize, nicht mehr als ein kurzweiliger Endorphinschub, der ohnehin nur in den Clubs für Relevanz sorgen wird, da zuhause das künstlerische Defizit noch stärker in den Vordergrund tritt, eigene Ideen nicht existent sind und Stupiditäten wie „Ring-a-ling“ oder „Imma be“, wo die Songtitel durch inflationäre Wiederholung als Refrain dienen, wohl zum Schlechtesten gehören, was die Black Eyed Peas je auf den Markt geworfen haben. Den ungekürzten Titel der Platte darf man dahingehend gerne als Eingeständnis ansehen.

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