Warbringer - Waking Into Nightmares - Cover
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Warbringer Waking Into Nightmares


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 40 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

So wenig, wie sich die Songs von jenen anderer Thrash-Bands unterscheiden, so wenig unterscheiden sich auch die einzelnen Songs des Albums voneinander.

Bandname, Bandlogo, Plattencover, Albumtitel, Songtitel – beim ersten Betrachten des Debütalbums „War Without End“ von Warbringer deutet alles auf durch und durch typischen Thrash Metal hin. Es stellt sich heraus, dass man mit dieser Annahme goldrichtig liegt. Beim zweiten Silberling des jungen US-Quintetts wurden einige der eingangs erwähnten Faktoren etwas aufpoliert. Die Devise lautet aber immer noch eindeutig „Thrash `Til Death“.

John Laux (Gitarre), John Kevill (Vocals), Ben Bennett (Bass), Adam Carroll (Gitarre) und Nic Ritter (Schlagzeug) spielen astreinen Thrash in einem Old-School-Stil, der Genrefans das Herz aufgehen lässt. Mit eigenen Ideen wird dafür ordentlich gespart. Den Headbanger, der auf authentischen Sound aus ist, dürfte das nicht stören. Die treibenden Riffs, aggressiven Rhythmen und altbekannten Texte über Tod und Verderben werden in einer Laufzeit runtergeholzt, die stets um die Vier-Minuten-Marke pendelt, was die Songs recht gut verdaulich macht. Der Gesang besteht dabei größtenteils aus rauem Pöbeln, Kevill bringt stellenweise aber auch amtliche Shouts zustande.

Warbringer haben immer noch ein wenig den Charme einer aufstrebenden Schülerband, die mit Glück soeben den Plattenvertrag in die Tasche stecken konnte, wenn ihr zweites Werk auch schon ausgereifter klingt als der Erstling. Letzteres mag sich durch die neue Besetzung von Bass und Schlagzeug begründen. Ersteres mag daran liegen, dass Warbringer mehr damit beschäftigt sind, ihren musikalischen Vorbildern zu huldigen, als sich um einen eigenständigen Sound und hohen Wiedererkennungswert zu kümmern.

Bei „Scorched Earth“ fühlt sich der Kenner mehr als stark an die deutschen Thrash-Fürsten von Destruction erinnert. (Man stelle sich eine Mischung aus „The Butcher Strikes Back“ von All Hell Breaks Loose und „Twist Of Fate“ von Inventor Of Evil vor.) Das Instrumentalstück „Nightmare Anatomy“ bedient sich dann ausgiebig bei Metallicas „The Call Of Ktulu“. Dort erregt der alternative Schlagzeug-Beat zwar Aufmerksamkeit, doch ist der Song letztendlich eine Enttäuschung, da kein Spannungsbogen zu erkennen ist, wie ihn der Klassiker aufweist, von dem da abgekupfert wurde. Immerhin hebt sich das Teil vom Rest des Albums ab. Fast stutzig wir der Hörer bei „Shadow From The Tomb“. Hier glaubt man, nicht mehr Thrash, sondern eher gängige Black-Metal-Klänge zu hören, wofür schließlich auch der Songtitel spricht. Das Gefühl bekräftigt sich, als Kevill plötzlich wie Danny Filth und Konsorten (oder so ähnlich) zu klingen versucht. Dieser kurze, stilistische Seitensprung bleibt zum Glück mehr interessant als peinlich.

So wenig, wie sich die Songs von jenen anderer Thrash-Bands unterscheiden, so wenig unterscheiden sich auch die einzelnen Songs des Albums voneinander. Nennenswert sind daher nur der wildeste Ritt von allen (das letzte Drittel von „Abandoned By Time“), sowie die ansatzweise experimentellen Stücke („Nightmare Anatomy“, „Shadow from the Tomb“).

Warbringer, die sich vor allem dank ihrer intensiven Liveshows Aufmerksamkeit verschafften, treten unbeirrt in die Fußstapfen der Bay Area Thrash-Legenden Testament, Exodus und wie sie alle heißen, wobei man auch starke Einflüsse der deutschen Drescher Sodom, Kreator und Destruction nicht abstreiten kann. Im Grunde kochen sie alle ihr Süppchen ja sowieso im gleichen Topf. Die fünf Kalifornier erfinden mit „Waking Into Nightmares“ jedenfalls so gar nichts neu. Hoch anzurechnen ist ihnen jedoch, dass sie konsequent auf neumodische Effekt-Spielereien verzichten und sich somit durch einen authentischen Old-School-Sound auszeichnen. Die Produzenten Gary Holt (seines Zeichens Gitarrengott bei Exodus) und Zack Ohren (Suffocation, All Shall Perish) sorgen dennoch für genügend Wucht, mit der das Werk dann aus den heimischen Boxen dringt. Die Scheibe geht absolut in Ordnung. Da das Schaffen der Bandmitglieder im Vergleich mit Genrekollegen aber keiner Hervorhebung bedarf, und die Songs sehr uninspiriert daherkommen, bleibt nichts als solider Durchschnitt. „Thrash ´Til Death“ – und dank Bands wie Warbringer lebt er sicher noch eine ganze Weile.

Anspieltipps:

  • Jackal
  • Shadow From The Tomb
  • Abandoned By Time
  • Nightmare Anatomy

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