Abi Ofarim - Too Much Of Something - Cover
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Abi Ofarim Too Much Of Something


  • Label: Neo/SonyBMG
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Männer altern nicht, sie reifen. Getreu diesem Motto, ist Abi Ofarim aus dem Ruhestand zurückgekehrt und fühlt sich frisch wie eh und je. Die lange Vaterschaftspause ließ den alten Wahlmünchner allerdings auch bescheiden werden. Erst nach Anstachelungen der Managerin, sowie gelungenen Live-Auftritten fühlte sich der schon über siebzig Jahre alte Israeli bereit, wieder eine Platte aufzunehmen. Dabei durften Elemente des vergangenen Jahrzehnts nicht fehlen, Gitarren, die an Lateinamerika erinnern und einprägsame Refrains. Auf jeden Fall will der reife Herr nicht nur das Publikum seiner Altersklasse erreichen, auch wenn er doch ziemlich offensichtlich als Songwriter der alten Schule daherkommt.

Besonders das Keyboard sorgt immer wieder für altbackene Stimmung, die die meisten Lieder sowieso mit sich bringen. „Too Much Of Something“ ist auch wegen Santana-Gedächtnis-Riffs eine Nummer, die sich wie für ein Best Of anbietet. Aber irgendwie ist das Lied doch nicht schlecht und es macht Spaß, Abi beim Rocken zuzuhören. Das ist entspannt und vielleicht ist die Butter hier doch ein wenig zu dick aufgetragen, doch man schmeckt den eigentümlichen Geschmack noch. Weitaus besser funktionieren jedoch die ruhigen Nummern des Herrn Ofarim. Auch hier wird ziemlich altbacken in Sachen digitaler Elemente gearbeitet, aber die Stimme und die Gitarre rücken mehr in den Vordergrund. Allerdings wird auch der „Morning Of My Life“ durch allzu sachte Backvocals kaputtgemacht.

„A New Child“ verstärkt den Eindruck einer Altherrenplatte leider wieder ein ganzes Stück. Dass das Lied mit gerade mal fünf Textzeilen auskommt, macht das Lied nicht unbedingt besser. Natürlich sind Songs der Marke „E-Mail“ schön, doch es sind die Feinheiten, welche die Lust an dieser Musik schmälern. Abi Ofarim ist immer noch ein überdurchschnittlich begabter Sänger und die ältere Stimme passt ihm auch sehr gut, doch das Drumherum ist nicht zeitgemäß umgesetzt. Hier wären Produzenten gefragt, die Abis konsequenter Fortführung seiner Musik Einhalt gebieten. So wirkt die Musik ein wenig deplatziert und nicht wenige Stilmittel sind überholt und/oder übertrieben. Es wird sich sehr solide von Lied zu Lied gearbeitet und es scheitert immer am beschriebenen Problem. Bei „Don’t Forget Your Light“ wird endlich mal verzichtet und die Reduktion der übertriebenen Effekte führt zu einem Song, der ausnahmslos gut ist und sich nicht diversen Abstrichen ausgesetzt sieht.

Dementsprechend funktioniert der Country-Pop auch am Besten und „Sugar Lady“ darf ebenso Punkten, wie schon „Don’t Forget Your Light“. Die Gute-Laune-Hymne „Time To Sing“ beendet dann das Restprogramm, das sich noch mal aller Stilrichtungen des Albums bedient. Das spielt also Country, Latin und peinlicher 90er-Pop. Die wunderbare Ode an die Heimat „Al Taschlicheni“ wird durch eben diese Pop-Effekte zerstört und es wird ein letztes Mal hervorragend reflektiert, wie das komplette Album funktioniert. Der Ansatz für ein ordentliches Comeback ist da, doch der fehlende Bezug zum Jetzt versetzt viele Liedern einen Dämpfer und man kommt sich wie auf einer Playbackparty vor. So genießt man nur Stückweise das ganze Paket. Nichtsdestotrotz darf man sich aber ganz objektiv und subjektiv sowieso freuen, dass Abi Ofarim mal wieder zum Mikrofon gegriffen hat.

Anspieltipps:

  • Don’t Forget Your Light
  • Too Much Of Something
  • Time To Sing

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