Delta Spirit - Ode To Sunshine - Cover
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Delta Spirit Ode To Sunshine


  • Label: Rounder/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Alles in allem ist ein wunderbares Album entstanden, das Lust auf mehr Musik dieser Art macht.

Man soll neue Bands ja nicht immer gleich mit Vergleichen zu diversen Vorbildern entstellen und abstempeln, aber es ist nun mal der einfachste Weg, die Musik von Neulingen zu beschreiben. Probieren wir es jedoch einmal anders: Delta Spirit sind für den folkigen Indie-Rock das, was Wolfmother für den Hardrock waren. Delta Spirit aus San Diego haben also einen altbekannten Stil in einer Form eingespielt und aufgenommen, der wirklich authentisch klingt, ohne altbacken zu sein. Genau wie die Fleet Foxes ist eigentlich keine Spur von Moderne zu hören, doch irgendwo spürt man die Frische der Musik und mag es nur an der Spielfreude der Gruppe liegen. Jon Jameson, Brandon Young, Matthew Vasquez, Sean Walker und Kelly Winrich haben eine kleine Perle entstehen lassen.

Wenn der ruhige, anschmiegsame, kurze Opener „Tomorrow Goes Away“ durch die Boxen klingt, ist man sogleich in der Stimmung der Sechziger gefangen genommen. Es gibt kein entrinnen mehr und man befindet sich irgendwo zwischen genannter Dekade und Aimee Mann, bevor mit „Trashcan“ ein folkiger Rocker mit Ohrwurmqualität durch das Zimmer rauscht. Das ist Freiheit, das ist gute Laune, das ist trotz aller Schlichtheit, oder gerade wegen dieser, phänomenal. Und es wird auch garantiert nicht langweilig, wenn „People C’mon“ dann rau und kantig im Stile besten Folk-Rocks mit nicht minderen Mitsingqualitäten überrascht. So macht man gute Musik.

Natürlich gibt sich das amerikanische Quintett auch gerne Balladen hin und dieser gibt es drei an der Zahl auf „Ode To Sunshine“. Den Anfang macht das beinahe schleppende „House Built For Two“, zu welchem man im Refrain nur all zu gerne das Glas Wein heben möchte und all die eigene Trauer in eben diesem ersticken und ertränken will. Dann wäre da noch das kämpferische „People, Turn Aroun“ mit beinah heroischem Refrain, das wie eine Aufforderung klingt, aufzustehen und weiterzumachen. Alles mit wunderbaren Piano- und Gitarrenklängen unterlegt. Dazu Percussions, die beinahe an Garagenmusik erinnern. In der letzten Ballade „Bleeding Bells“ dürfen dann noch klischeebetucht die Bläser zur melancholischen Stimmung beitragen. Coldplay zeigten auf ihrer letzten EP mit „Now My Feet Won’t Touch The Ground“, dass das herrlich funktioniert, wenn man es richtig macht. Auch Ray LaMontagne kann davon ein Liedchen singen (oder sogar mehrere).

Ansonsten feiert man sich durch verwegene 70s-Nummern wie „Streetwalker“ oder das romantische Pendant dazu, „Strange Vine“. Hier sind Uptempo und warme Gitarrenriffs angesagt. Einfach zum Träumen schön. Man weiß wirklich nicht, was man großartig an den Songs aussetzen soll, wenn nicht vielleicht die teilweise fehlende Prägnanz der einzelnen Titel. So brauchen manche Songs noch zu lange, oder nutzen ihr Potenzial nicht vollends aus, wie zum Beispiel der schöne Ausklang „Ode To Sunshine“, welcher trotz enormer Qualität doch noch irgendetwas verspricht, das am Ende nicht zum Vorschein kommt. Alles in allem ist aber ein wunderbares Album entstanden, das Lust auf mehr Musik dieser Art macht.

Anspieltipps:

  • Trashcan
  • People, Turn Around
  • Ode To Sunshine

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