Sonic Youth - The Eternal - Cover
Große Ansicht

Sonic Youth The Eternal


  • Label: Matador/INDIGO
  • Laufzeit: 56 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Zu Sonic Youth braucht man wohl nicht mehr viel sagen. 1981 in New York als Noise-No-Wave-Band gestartet, hat sie in den Jahren danach eine große Fanbase um sich geschart, die auch den Wechsel zu einem Majorlabel akzeptierten. Waren bis zum Album „Goo“ (1990) noch Noise, Dröhnen und die Verweigerung jeglicher Strukturen an der Tagesordnung, flossen später klare Rockstrukturen in das Klangbild, die sich dann aber wieder mitten im Stück auflösten und neu zusammen setzten.

Seit diesem Jahr veröffentlichen Sonic Youth wieder bei einem kleinen unabhängigen Label, Matador Records. Dort erscheint das neue, inzwischen ca. 30. Album, wobei eine genaue Anzahl aufgrund diverser inoffizieller CDs kaum anzugeben ist. Das Artwork hat Jeff Fahey, ein mit Sonic Youth befreundeter, vor einigen Jahren gestorbener Musiker und Maler entworfen. Schaut man länger darauf, fallen einem wohl Begriffe wie „kreisförmig“ oder „Spirale“ ein und vielleicht soll es das „ewige um sich selbst kreisen darstellen“, die Interpretation bleibt dem Betrachter überlassen. Was aber hat sich nun verändert?

„Sacred Trickster“ beginnt mit den Stärken von Sonic Youth: Dissonanzen und Atonalität, bei Musiklaien oft vereinfacht unter „schräg“ eingespeichert. Wer bislang noch nie etwas von Sonic Youth gehört haben sollte, der wird dies vielleicht als Katzenmusik abtun, doch in den Strophen wird eher das übliche Rockbusiness zitiert. Der Gesang von Kim Gordon, der die Hörer oft in zwei Lager spaltet, wird dieses auch hier tun. „Anti-orgasm“ bringt ein weiteres Merkmal auf den Tisch, den Noiserock. Wie auf die Gitarren, die wie gehabt bei jedem Lied anders gestimmt wurden, hier und da eingedroschen wird, spottet jeder Beschreibung. Wie gehabt, wird auch wieder das Pop-Rock-Business zitiert, hierzu sollte man einmal nebenbei „Bullet with butterfly wings“ von den Smashing Pumpkins hören, die Strophen sind nahezu identisch, sofern man das bei Sonic Youth sagen darf. Auffallend hier ist letztlich auch, dass der Song ab 3:45 Minute in sehr harmonisch-ätherische Sphären entschwebt, etwas, was man von den New Yorkern nicht unbedingt gewohnt ist.

Im weiteren Verlauf der CD wird nun immer wieder alles Sonic-Youth-typische dargeboten, mal eher am konventionellen Rock angelehnt, dann wieder eher am Noise. Wie immer von der Band in technischer Perfektion dargeboten, aber letztlich wirken die Songs wie eine Werkschau, erweitert mit einigen modernen Spielereien. Der Begriff Werkschau passt insofern ins Gesamtbild, da Thurston Moore und Kim Gordon, diverse Ausstellungen als bildende Künstler kuratieren, zuletzt im Frühjahr in Düsseldorf. Diese Ausstellung bot thematisch, was auch „The Eternal“ bietet: Kulturkritik, Identitätsfindung, Sexualität und Religion.

„The Eternal“ dürfte die Fans, die von den letzten CDs enttäuscht waren, die Band wieder näher bringen. Für Leute, die sich erstmals mit Sonic Youth beschäftigen wollen, sollte man sagen, dass dieses Album allein schon durch seine Länge vielleicht nicht das ideale Einstiegsmaterial ist.

Anspieltipps:

  • Sacred trickster
  • Anti-orgasm
  • Malibu gas station
  • Walkin blue

Neue Kritiken im Genre „Rock“
Diskutiere über „Sonic Youth“
comments powered by Disqus