Dirty Projectors - Bitte Orca - Cover
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Dirty Projectors Bitte Orca


  • Label: Domino/INDIGO
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Wild funkelt das vor Ideen sprudelnde Album der Band um David Longstreth.

Auch wenn David Longstreth der Kopf der Dirty Projectors ist und das Projekt 2002 unter seinem eigenen Namen startete, so ist das fünfte Album „Bitte Orca“ (keine verstecke Botschaft, einfach der Klang der Worte) bereits der zweite Longplayer in gleicher Besetzung. Nach dem aus den Erinnerungen an Black Flags „Damaged“ erstellten Cover-Album „Rise Above“ (2007) begleiten ihn nun wieder Amber Coffman (Gesang, Gitarre), Angel Deradoorian (Gesang, Keyboard, Bass, Gitarre) und Brian McOmber an den Drums. Beide Sängerinnen schmücken jeweils einen Song mit Solo-Gesang und sind ebenso schmückend auf dem Plattencover von „Bitte Orca“ zu finden.

Rein musikalisch kann man die Dirty Projectors vor allem im elektronisch angelegten Indie-Pop, in psychedelischen Rock-Gegenden mit grandios vielschichtigen Vocals verorten und merkt während der sich ständig drehenden Rhythmen, von allen Seiten beglückenden Melodien und dem gehörigen Gespür für abgedrehte, jedoch stets eingängige Elemente, warum Ex-Talking Head David Byrne so von ihnen schwärmt. Für die „Dark Was The Night“-Compilation arbeiteten sie zusammen, zeigen aber auch ohne Byrne, wie großartig ihre ganz eigene Form von Indie-Pop 2009 so klingt.

Im schleppenden Opener „Cannibal Resource” erweisen sich Handclaps, die verschiedensten Gitarren-Sounds und ein Rhythmusgerüst, welches vor allem von den mehrstimmigen, teilweise sich überschlagenen Gesängen getragen wird, als reizvoll und lassen immer wieder staunen. Mit Worten lässt sich nur schwer umschreiben, welch Musikalität dahinter steckt, wenn sich aberwitzige Wendungen und scheinbar gegeneinander arbeitende Strukturen zu einem zwingenden Pop-Erlebnis verwandeln. Es funkelt R´n´B durch („Stillness Is The Move“), der (Segen oder Fluch?) viel zu überraschend für das Hitlisten-Junkfood ist, detailreiche Percussions für sich beansprucht und Amber Coffman bei ihrer ersten Sologesang-Darbietung für die Dirty Projectors so berührend zart zeigt.

Tröpfelnder Folk samt fingerfertigem Gitarren-Picking mit Streicher-Tupfern und einer, ebenfalls als erste alleinige Vocal-Performance zu verbuchenden, lieblich rauchigen Gesangleistung von Angel Deradoorian kommt bei „Two Doves“ beruhigend zum Zuge, während im folgenden „Useful Chamber” alle Register gezogen werden. Vom sonnigen 60´s-Pop über plötzlich hereinbrechende Gitarren-Riffs, elektronische Beats, Sprechgesang bis hin zum erlösenden Mitsing-Refrain bieten David Longstreth und seine MitstreiterInnen ein Potpourri, in dem immer wieder die mehrstimmigen oder auch alleinigen Vocals für die verstörende bis ungemein eingängige Würze sorgen. Das gilt für das gesamte Album und beweist hoffentlich, dass David Longstreth nun seine Gefährten gefunden hat, die aus „Bitte Orca“ ein prächtiges, wild funkelndes Werk voller Ideenreichtum machen, dem man gerade im Sommer perfekt huldigen kann und definitiv sollte.

Anspieltipps:

  • The Bride
  • Stillness Is The Move
  • Two Doves
  • Useful Chamber

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