Saidian - Evercircle - Cover
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Saidian Evercircle


  • Label: Blistering Records/EDEL
  • Laufzeit: 56 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Cover ist Programm! Merkwürdige Runen auf Steintafeln, die einen Kreis bilden und eine entblößte Frau, die begrüßend ihre Arme ausbreitet. Es fehlt eigentlich nur der Drache, der im Hintergrund noch seine Kreise zieht, doch auch der endlose Sternenhimmel gibt Aufschluss über das Metalgenre. Harte Gitarrenwände und quietschbunte Keyboardklänge. Auch die Saidian geht diesem unerklärlichen Phänomen nach und ergötzt sich daran. Markus Engelfried (Gesang), Rodrigo Blattert (Gitarre), Bernd Heining (Schlagzeug), Markus Bohr (Keyboards) und Neueinsteiger Stephan Lüddemann (Bass) bleiben wie so viele Bands im letzten Jahrzehnt stecken und wollen somit ihre Interpretation des Stils ihrer jüngeren Jahre vorspielen.

Da wird vom ersten Lied an keine Ausnahme gemacht. „Out Of The Shadows“ lebt ebenso von genre-typischen Gesang, schnellen Drumparts und Gitarrenwänden, wie aus vielen Keyboardklängen. So kommt am Ende ein episch anmutender Rocker daher, der bestimmt richtig gut ist, wenngleich die Stimmung des Keyboards natürlich fragwürdig ist. Brauch dieses Lied diese leichte Ader noch, wenn der Gesang doch schon nicht auf Härte, sondern Melodik ausgelegt ist? Besonders stellt man sich diese Frage im textarmen „Tokyo“, das ein Modern-Talking-Song sein könnte, mit seinem übertriebenen Einsatz von Elektronik. Allein die Gitarren erinnern daran, dass es sich hier um eine Metal-Kombo handelt. Allerdings muss man sich gedulden, denn auch „Solomon’s Dance“ gibt sich zwar mit einfachen, kräftigen Riffs à la Evanescence ab, konzentriert sich jedoch wieder auf lustige Keyboardsounds, die wohl mal geheimnisvoll klingen sollten.

Und dann kommen wir dahin, wo wir eigentlich nicht hinkommen wollten: Balladen voller Pathos und ohne wirkliche Kraft (abgesehen von der Stimme). Nichts gegen Engels Stimme, doch so wirklich begeistern will diese Durchschnittsklischeeballade nicht. In die gleiche Schublade können wir das Überlange „Moonlight’s Calling“ stecken, wenngleich hier auch schnellere Parts vorherrschen. Die Länge gibt genug her, damit eine schnulzige Ballade zum Vorschein kommt. Das große Problem ist überhaupt der übertriebene Pathos, der auch bei Bands wie Manowar gerne mal überhand nimmt. Wer immer nur Bombasten raushauen will, bei dem hört sich halt auch nichts mehr wirklich besonders an. Auch ein „Sign In The Sky“ wird wieder durch das Keyboard zersetzt, obwohl dieses Lied wirklich etwas hergibt inklusive einem klasse Gitarrensolo.

Im Gesamtbild bleibt aber dieses Gequietsche und es geht auch nicht aus dem Kopf, im negativen Sinne. Da bringen die guten, wenngleich sehr pathetischen Ansätze auch nichts mehr und man fühlt sich zurückversetzt und mit 0815-Kost befriedigt. Das ist letzten Endes irgendwie unbefriedigend und „Evercircle“ bleibt wohl eher eine Platte für Fans. Wer also immer noch gerne dieses Keyboard erträgt und etwas altbackenen Metal mag, wird sich mit der CD bestimmt anfreunden können. Spätestens bei den Weihnachtsglocken vom Ohrwurm „Halos For Everyone“ scheiden sich die Geister.

Anspieltipps:

  • Sign In The Sky
  • Stroke Of Genius
  • Halos For Everyone

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