Kristin Asbjørnsen - The Night Shines Like The Day - Cover
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Kristin Asbjørnsen The Night Shines Like The Day


  • Label: Emarcy/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Norwegerin Kristin Asbjørnsen veröffentlicht nach einem Soundtrack zum Film „Factotum“ und dem eigentlichen Solo-Debüt „Wayfaring Stranger“ das dritte Album unter eigenem Namen. Die 37-Jährige ist aber viel fleißiger, denn neben eigenen Projekten ist sie noch in den Bands Dadafon und Krøyt. Außerdem war sie Mitglied in dem weiblichen Gesangquartett Kvitretten. War ihr Album „Wayfaring Stranger“ ein auf den Spirituals von der afroamerikanischen Sängerin Ruth Reese basierendes Werk, welches vor allem den Gospel geatmet hat, so ist „The Night Shines Like The Day“ das erste Album, das ganz aus eigenen Kompositionen und Texten besteht. Es ist eine Mischung aus Jazz, Pop, Folk und Einsprengseln afrikanischer Musik. In Norwegen ist das Album bereits im Januar erschienen und hat die dortigen Pop-Charts erobert (Platz 2). Zu Recht muss man sagen! Es wäre schön, solche Musik in hiesigen Radiosendern öfter zu vernehmen.

Die ausgebildete Jazz-Sängerin hat eine angenehme, leicht angeraute Stimme mit der sie vorzüglich umzugehen weiß. Ihre Stimme ist klar das zentrale Element der Lieder. In einem Augenblick kann sie traurig und bedrückt wirken („Don’t Hide Your Face From Me“), im nächsten schraubt sie diese Traurigkeit in der Stimme zurück und singt wunderschöne Melodien („Snowflake“ und „Walk Around Me“). Für die musikalische Begleitung sorgt der berühmte Tord Gustavsen am Piano, Olav Torget spielt die Gitarren und ein afrikanisches Banjo-ähnliches Saiteninstrument namens Konting, Svante Henryson am Cello und Bass, Knut Aalefjær zuständig für Perkussionsinstrumente, Jostein Ansnes an der lap-steal-guitar und verantwortlich für zusätzliche Gitarren und Gesänge sowie Sizwe Magwaza ebenfalls zusätzliche Gesänge.

Die Stimmung des Albums ist seicht und melancholisch aber trotzdem voller Kraft und Hoffnung, was in „If This Is The Ending“ sehr gut zum Ausdruck kommt. Das Album ist geprägt von den Themen Verlust und Verlangen. Der Titel fasst das sehr gut zusammen, denn selbst in einer scheinbar aussichtslosen Situation gibt es manchmal einen Hoffnungsschimmer, wie Frau Asbjørnsen dies beschreibt. Nahezu jedes Lied bietet seine eigenen kleinen Feinheiten, die es interessant machen und für Abwechslung sorgen. Sei es ein angenehmer Klavierpart von Gustavsen und Hintergrundgesang von Magwaza („Afloat“), eine einprägsame Gitarre („Someday I’ll Cary You Home“), der Einsatz von Cello und des afrikanischen Konting oder ein Gastauftritt von Nils Petter Molvær an der Trompete („Moment“). Stichwort „Moment“, das eine besondere Perle des Albums ist, die relativ verhalten anfängt aber zum Refrain hin an Melodie dazu gewinnt um dann mit einem richtigen Gänsehaut verursachenden Part aufzuwarten, in dem Kristins leidvoller Gesang von einer Trompete begleitet wird. Wen dieses Stück Musik kalt lässt, sollte überprüfen ob er nicht zufällig eine klaffende Wunde auf der linken Brustseite besitzt.

Abschließend halten wir fäst: Es ist ein ruhig dahin fließendes Album, das jeden berühren sollte. Es wird zu keiner Sekunde langweilig, man wird sogar das Gefühl nicht los, das das Album zu kurz ist. Es sind zwar 13 Lieder enthalten, aber teilweise sind diese viel zu schnell zu Ende. Dem ein oder anderen hätte ein gewisser Ausbau nicht geschadet („Green is everywhere“ oder „I’m Too Heavy Now“), aber so lässt uns die Norwegerin nach mehr von ihrer Musik lechzen.

Anspieltipps:

  • If This Is The Ending
  • Don’t Hide Your Face From Me
  • Walk Around Me
  • Moment
  • One Day My Heart Will Break

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