Coalesce - Ox - Cover
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Coalesce Ox


  • Label: Relapse Records
  • Laufzeit: 36 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

In der Sparte avantgardistischer bis progressiv-verspielter Hardcore Rock, können sich Coalesce aus Kansas City, Missouri eigentlich beruhigt zurück lehnen und schlicht und ergreifend behaupten, die Band mit den interessantesten Kompositionen und wahnwitzigsten Ideen Ende der 90er gewesen zu sein. Drei Alben („Give them rope“, „Functioning on impatience“, „012: Revolution in just listening“) in zwei Jahren (1998 und 1999) legen ein eindrucksvolles Zeugnis davon ab, wie legendär und wegweisend der musikalische Irrgarten war, den die Amis, die nun in der Besetzung Sean Ingram (Gesang), Jes Steineger (Gitarre), Nathan Ellis (Bass) und Nathan Richardson (Schlagzeug) ihr Unwesen treiben, in überbordender Kreativität auszubreiten wussten.

Ständige bandinterne Unstimmigkeiten und Splits wegen lächerlichen Lappalien führten allerdings dazu, dass es mehrere Jahre ziemlich still um die Vorzeigetruppe in Sachen gegenläufiger Rhythmik und Stilvielfalt wurde und nun erst jetzt mit „Ox“ ein frisches Lebenszeichen abgegeben wird. Leider bleibt die vierte Scheibe aus dem Hause Coalesce streckenweise in den 90ern stecken und atmet lediglich den Geist veralteter Songideen und versucht dieses Manko mit Härte und Brachialität auszugleichen anstatt einen roten Faden anzubieten, der das Erschließen des Materials ein wenig erleichtern würde. Ist die anfängliche Scheu vor diesem hässlichen Stück aggressivem Hardcore mit kurzen Frickelpassagen und hakenschlagender Genreeinbindung erst einmal abgelegt, kristallisiert sich jedoch ein stellenweise recht ordentlicher Beitrag für unkonventionelle Hörbedürfnisse heraus. Keineswegs bahnbrechend wie das alte Material, aber durchaus kompromisslos.

Paradigmatisch hierfür wären z.B. „Wild ox moan“, das als hingeschmissener Country-Fetzen beginnt um sich kurzerhand in einen bösartigen Hardcore-Brecher zu verwandeln, „In my wake, for my own“, wo Ingram mit gelegentlich hoher Stimme die Grenzenlosigkeit hinter den Coalesce-Kompositionen unterstreicht oder die beiden instrumentalen Zwischenspiele „Where satires sour“ und „We have lost our will“, in denen sich versöhnliche Klänge mit melancholischer Stimmung abwechseln. Selbst wenn diese uneinheitliche Tour de Force der Alptraum jedes Promoters sein dürfte und Innovationsfetischisten sicherlich ihre helle Freude am Erkunden der einzelnen Teile haben werden, so muss doch gesagt werden, dass letzten Endes außer ein paar eigentümlicher Ideen nicht viel vom schroffen Gebilde namens „Ox“ übrig bleibt. Mit zeitlosen Platten wie „The shape of punk to come“ (The Refused) oder den gnadenlos durchgeknallten Gebilden aus dem Hause Psyopus kann sich die vierte Langrille von Coalesce nämlich leider nicht messen.

Anspieltipps:

  • Dead Is Dead
  • By What We Refuse
  • Designed To Break A Man
  • In My Wake, For My Own
  • The Villain We Won´t Deny

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