Dub Pistols - Rum & Coke - Cover
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Dub Pistols Rum & Coke


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach dem Debüt „Speakers & Tweeters“ und vielen Remixen für die Großen und Reichen, will man jetzt selbst in diesen Club eintreten. Jetzt sind die Dub Pistols, der Name lässt schon gar keinen anderen Schluss mehr zu, bekannt für das karibische Etwas in ihrer Musik. Um aber zu zeigen, dass man dem Club der Hawaiihemdenträger keinesfalls mehr angehören will, erhascht man auf dem Cover des Albums fünf adrett gekleidete Mannen mit Sonnenbrillen. Was lässt das für Rückschlüsse auf die gegebene Musik zu? Etwa Edel-Pop mit Karibikfeeling? Klingt interessant, vielleicht ist aber auch nur jemand mit dem Bügeleisen über die ungeraden Sounds rübergerutscht und sorgt für massentaugliche Massentauglichkeit (nicht auszudenken!).

Bei all den Songs an denen sie schon mixen durften, wie sie lustig waren und der eigenen Erfahrung fällt es den Dub Pistols auch gar nicht schwer, das Album mit „Back To Daylight“ lockerleicht und frisch zu eröffnen. In jedem Club dürfte sich dieses Feel-Good-Stück zu Hause fühlen. Wirkliche Tiefe oder besondere Kniffe sucht man zwar vergebens, doch die elektronischen Details und die stimmige Atmosphäre sorgen für einen zufrieden stellenden Auftakt. Tatsächlich reiht sich das Südseefeeling hinter die Dancefloorelemente. So auch im anschließenden „I’m In Love“, das irgendwo zwischen Zartpop und Hip-Hop landet, ohne den Tanzfaktor außen vor zu lassen. Allerdings zieht sich der recht uninspirierte Refrain doch ein wenig sehr lang.

Dem Sprechgesang wird sich dann noch einhergehender gewidmet. „Everyday Stranger“ beschränkt sich auf bloßen Hip-Hop mit Popanteilen à la Gnarles Barkley. Dieses Prinzip wird in „Revitalise“ gleich wieder verwendet, aber jetzt sind die Bläsersamples und Steel Drums zurück. So lässt sich gleich wieder mit eigener Marke entspannen und auch wenn musikalisch gesehen, der Anspruch keinesfalls gestiegen ist, hört sich das doch gleich interessanter und dem Thema mehr entsprechend an. An dieser Stilrichtung ändert sich auch zunächst nicht all zu viel und das funktioniert alles weiterhin auf diesem durchaus soliden Niveau, welches Großartiges aber leider ausspart.

Erst „Peace Of Mind“ befreit sich aus all den Kompromissen und kann teilweise an das Niveau einer Seeed-Produktion anknüpfen. Die Meister aus Berlin beweisen sich schließlich stets aufs Neue mit überragender Qualität im Reggae- und Dub-Genre. Dieser Track ist wirklich stark und wirkt in keinster Weise wie ein Kompromiss. Gerade wenn man sich an diese Stilrichtung gewöhnen möchte, erklingt mit „Keep The Fire Burning“ eine Ska-Pop-Nummer der seichten Sorte. Dieser Track schlägt völlig aus dem Rahmen und ist nun auch nicht so stark, als das er seine Deplatzierung wieder gutmacht. „Six Months“ kann erfreulicherweise beinahe wieder an „Peace Of Mind“-Niveau heranreichen, bevor das instrumentale Finale in Form von „Song For Summer“ ganz gediegen und vielleicht doch etwas zu verhalten den Ausklang gibt.

Die Dub Pistols beweisen zwar erneut, dass sie nicht bloß eine Remixband sind, die ununterbrochenen Gastauftritte in jedem Song machen es allerdings schwieriger, die Band wirklich als Eigenes zu betrachten. Dieser Schritt ist nicht einfach, wie das Paradebeispiel Gorillaz zeigt, auch wenn diese sich langsam ihren eigenständigen Namen neben Blur gemacht haben. So wird „Rum And Coke“ bestimmt den einen oder anderen Partygast aufhorchen lassen, damit die Musik aber wirklich die Massen aufmischt, fehlt es noch an einer guten Ecke Eigenehit.

Anspieltipps:

  • Back To Daylight
  • Revitalise
  • Peace Of Mind

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