Dinosaur Jr. - Farm - Cover
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Dinosaur Jr. Farm


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 61 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Nichts Neues bei den Grunge-Popern, nur diesmal ist’s vorbei mit dem Guru-Bonus. Da mag Joseph Mascis Jr. in den frühen 80ern in Boston Pionierarbeit für melodiösen Hardcore geleistet haben wie er will, Dinosaur Jr. im neunten Albumanlauf buddeln sich zu sehr ein im Gniedelgitarrensound ihres sorglosen Hippie-Grunges.

Zugegeben, gekonnt ist das schon, dieser Mix aus Fuzz-Pop und Schrammel-Rock, der auf die Ästhetik des 70er-Gitarrensoli-Größenwahn trifft. Und „Bug“ und „Your Living All Over Me“ gehören in jede Rock-Nerd-Sammlung, ja, ja. Doch so gern ich auch das 21 Jahre alte „Freak Scene“ mitsumme, Mascis hat mir selbstverschuldet den Dinosaur-Jr.-Sound-Akku übervoll geladen, auch wenn er nichts anders macht als vorher, auch wenn er von mir aus ein kleiner Gitarrengott ist; ab hier klingt es nur noch wie Aufguss. Dabei spreche ich die Möglichkeit nach Kontinuität im künstlerischen Schaffen keineswegs ab. Die Kunst der Kontinuität nur ist es, Nivellierung des Vorherigen zu verhindern und das meistern die wiederbelebten Dinosaur Jr nicht mehr. Vielleicht hat sich einfach ihr Schaffensentwurf überlebt und Mascis merkt es nicht.

Natürlich sind die Songs technisch stark umgesetzt, natürlich lässt sich Variation finden, wenn man sie sucht – das Comebackalbum „Beyond“ vor zwei Jahren kannte kaum die lang gezogenen sieben- bis neunminütigen, epischen Melodie-Riff-Monster des neuen Werks. Doch singst du, Joseph, genau so gelangweilt, von genau so belanglosen Themen und dir angeblich doch nicht so nahe gehenden Liebeswirrungen, wie vor 22 Jahren. Ich Frage: Warum? Erzähl und doch mal was Neues; frag dich doch mal was Neues! Was du kannst, kannst du verdammt gut, aber Rockmusik im 21. Jahrhundert braucht diese antiquierte Art der Epik nicht mehr – es sei denn, du machst sie Konsequent, dann aber ist es Prog-Rock. Dein elaboriertes Gegniedel also, letztlich ist es inkonsequent geworden.

An Neil Young & The Crazy Horse, wie im Opener „Pieces”, hat Dinosaur Jr. auch schon vor einem Dutzend Jahren erinnert, wo aber sind die Noise-Anleihen der Kumpels von Sonic Youth geblieben. Gewichen sind sie einem Gefühl der altersweißen Sorglosigkeit die enttäuscht. Das knapp neunminütige „I Don’t Wanna Go There“ klingt einen Tick zu sehr nach „Bug“, von der frühen Punksozialisation der Protagonisten ist nichts als eitel Sonnenschein geblieben („Friends“). Der Duktus der Songs (nicht der Texte) lullt förmlich ein in Apathie, schau ich in die Welt fühl ich aber anderes. Lou Barlows Fuzz-Bass und J Mascis’ Leadgitarren-Spiel mögen noch so sehr Qualitätsansprüchen genügen, allein 61 Minuten dieser unrealistischen Traumwelt, sie funktionieren nicht mehr. Die Orden aufgrund der früheren Verdienste wird euch niemand abnehmen, aber im Hier und Heute steht Dinosaur Jr. mit „Farm“ nicht mehr.

Anspieltipps:

  • Pieces
  • Over It

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