Heaven Shall Burn - Bildersturm: Iconoclast II (The Visual Resistance) - Cover
Große Ansicht

Heaven Shall Burn Bildersturm: Iconoclast II (The Visual Resistance)


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 300 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach fünf Studioalben, zahlreichen Split-Projekten und bejubelten Tourneen auf dem ganzen Globus war die Zeit reif für eine erste offizielle (Doppel-)DVD. Nun ist sie da, in Form eines Nachfolgers des starken und sehr erfolgreichen letzen Albums „Iconoclast (Part 1: The Final Resistance)“. Und allein der Blick auf das Inhaltsverzeichnis dürfte für einen echten Heaven Shall Burn Fan keine Zweifel an der Kaufentscheidung lassen. Für den HSB-Neueinsteiger stellt „Bildersturm - Iconoclast II (The Visual Resistance)“ immerhin ein energiegeladenes Konzerterlebnis mit einigen kreativen Zusatzbeiträgen dar, das einem die Band etwas näher bringt. Neben allen bisherigen Videoclips des Quintetts darf man sich über gleich zwei Liveshows in voller Länge freuen: Ein Festivalauftritt beim Summer Breeze 2008 und ein Hallenkonzert in Wien. Abgerundet wird das ganze von einer Band-Doku der besonderen Art, sowie mehreren kleinen Bonusfilmchen.

Los geht’s mit „Live At Summerbreeze 2008“, um es vorweg zu nehmen: schon der Höhepunkt der zwei Tonträger. Das edle Intro, welches in den ultimativen Opener „Endzeit“ übergeht, kommt auf der DVD leider zu leise raus und verfehlt so ein wenig die Wirkung, die es auf dem letzten Studioalbum entfaltet . Nichtsdestotrotz wird die Hütte mit den größten HSB-Hits (aktuell: das besonders eingängige Edge Of Sanity-Cover „Black Tears“) nach allen Regeln der Kunst abgerissen, sobald das erste Gitarrenriff einsetzt, abzüglich einiger weniger Muffel im Publikum, die wegen einer anderen Band da waren. Die folgenden Songs („Counterweight“, „Profane Believers“, „Murderers Of All Murderers“) treiben die Stimmung dann an den Siedepunkt. Das Highlight bietet sich auch gleich im ersten Drittel, in Form einer multiplen Wall Of Death zu „The Only Truth“. Das muss man einfach gesehen haben. Wenn man sich nicht spätestens in dieser Szene wünscht, selbst dabei gewesen zu sein, ist man im falschen Film. Es sei denn man war tatsächlich vor Ort, dann kann man sich auf eine optimale Konzerterinnerung freuen, denn die mehr als zehn Kameras geben den perfekten Überblick über den Gig. Ein sehr anständiger 5.1 Sound verleitet dann auch im heimischen Wohnzimmer zum Headbang und Mitwippen, bis man nach einer guten Stunde Vollgas pappsatt ist. Ein gutes Konzert dauert zwar eigentlich länger, doch waren die Jungs damals nun mal nicht Headliner, und zudem gibt es ein weiteres Konzert auf der zweiten Disc. Viel mehr als Füllmaterial ist „Live in Vienna“ trotz längerer Laufzeit und passionierterem Publikum allerdings nicht, da sich die Setlist nicht wesentlich von der des Summer Breeze-Gigs unterscheidet, und der Open-Air-Auftritt akustisch sowie atmosphärisch klar die Nase vorn hat.

Sänger Marcus Bischoff hat es zwar nicht so mit den Ansagen, doch hält er sich mit seinem Dauergebrüll wacker und versammelt zudem vier wirklich starke Livemusiker (Maik Weichert und Alexander Dietz an den Gitarren, Eric Bischoff am Bass und Matthias Voigt an den Trommeln) um sich. Durchgehend brettharter Modern Metal in Präzision, ohne Müdigkeit vorzuschützen, das ist Heaven Shall Burn. Die beiden Konzertaufnahmen sind absolut gelungen; lediglich den vermehrten Einsatz einiger Zeitraffer- und Zeitlupensequenzen, die eine Art 80er-Jahre-MTV-Videoclipästhetik vermitteln, hätte man sich ruhig sparen können.

Zum Abregen kann man sich anschließend die einstündige Band-Dokumentation „Leitmotiv“ gönnen, falls einen der stark ostdeutsche Dialekt der Bandmitglieder nicht abschreckt. Nach einem fast zu lang geratenen aber kreativen Intro mit spirituellem Touch, das einen schönen Kontrast zu den wilden Live-Exzessen darstellt, werden Molle, Ali, Eric, Maik und Matze separat vors Mikrofon geholt. Vom Werdegang der vegan lebenden Band geht es über ominöse Studio-Einblicke zu den erstaunlich sozialen Nebenbeschäftigungen der fünf Jungs. Dort wird HSB Schritt für Schritt vollständig entmystifiziert, und das wohlgemerkt mit so viel Ironie und einem Humor, der so staubtrocken ist, dass viele Zuschauer gar nicht wissen werden, was sie glauben sollen und was nicht. Eine amüsante Abgrenzung von anderen, typischen Metalband-Dokus ist so auf alle Fälle schon mal gelungen. Leider werden bei all dem Spaß unvermeidliche Abstriche gemacht, was einen wirklich seriösen Blick hinter die Kulissen angeht. Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit wäre eben auch sehr interessant gewesen. Zu erwähnen bleibt als Kirsche auf der Sahne noch die Online-Bandprobe, die in „Leitmotiv“ einen Platz findet, aber auch nochmal in der Langversion als separates Video auf der DVD vertreten ist. Hierbei kann man sich schmunzelnd ein MTV Unplugged von Heaven Shall Burn vorstellen. Wie das? Man siehe selbst.

Will man sich an einem Tag durch die beiden DVDs namens „Joel“ und „Amarthius“ arbeiten, geht einem die akustische Untermalung der Menüs bald auf die Nerven, da man dort eindeutig zu oft mit den Instrumentalstücken des aktuellen Albums beschallt wird. In den vielen Untermenüs wäre diesbezüglich mehr Ideenreichtum erfreulicher gewesen. Optisch stellen die zwei Scheiben jedoch eine hübsche Ergänzung zu „Iconoclast (Part 1: The Final Resistance)“ dar. Hier war wieder Callejon-Sänger Bastian Sobtzick erfolgreich am Werk. Die Jungs haben sich auf alle Fälle wirklich etwas einfallen lassen. „Bildersturm – Iconoclast II (The Visual Resistance)“ ist randvoll mit verschiedenstem Videomaterial vom Konzert bis hin zum veganen Metal-Kochkurs. Um eine ausgereifte Biografie von Heaven Shall Burn zu erhalten, muss man wohl auf eine weitere DVD oder ein Buch warten. Dafür bringen HSB mit dem „Bildersturm“ ihre Bodenständigkeit und Fan-Nähe, sowie beachtliche Livequalitäten und guten Humor zum Ausdruck. Ihrem Titel wird die Doppel-DVD auf alle Fälle gerecht.

Neue Kritiken im Genre „Metalcore“
3/10

Hartgeld Im Club
  • 2019    
7/10

In Our Wake
  • 2018    
Diskutiere über „Heaven Shall Burn“
comments powered by Disqus