a-ha - Foot Of The Mountain - Cover
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a-ha Foot Of The Mountain


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Es wäre eine hervorragende 5-Track-EP, es ist allerdings nur ein leicht überdurchschnittliches vollständiges Album.

2009 scheint das Jahr der Helden aus den 80ern zu sein. Nachdem Ende März bereits die Pet Shop Boys ihr aktuelles Studioalbum veröffentlichten und nur wenige Wochen später Depeche Mode nachgezogen haben, kommen jetzt die nicht minder erfolgreichen norwegischen Popstars von a-ha mit einer brandneuen LP um die Ecke – ziemlich genau 3½ Jahre nach ihrem letzten Studioalbum „Analogue“. Die Scheibe trägt den gleichen Titel, wie auch die erste Singleauskopplung „Foot Of The Mountain“, die es sich bereits (nicht zuletzt wegen der formidablen Promotion beim Finale von Germany’s Next Topmodel) in den Top 10 der deutschen Singlecharts bequem gemacht hat und zudem mit Platz 3 charttechnisch die erfolgreichste a-ha Single seit ca. 2 Jahrzehnten darstellt. Morten Harket, Pål Waaktaar-Savoy und Magne Furuholmen wissen also auch anno 2009 noch welche Zutaten man in die Töpfe werfen muss, um die Massen zu begeistern und im Musikbusiness immer noch relevant sein zu können.

Der Titelsong ist allerdings auch zweifellos zusammen mit der Hitsingle „Summer moved on“ aus dem Jahr 2000 die beste Single der Norweger in diesem Millenium und daraus resultierend zwangsläufig eines der Highlights des neuen Albums. Der Opener „The Bandstand“ gehört vielleicht nicht in erstere, jedoch gleichermaßen in zweitere Kategorie. Hier sind die 80er Jahre so präsent, als ob sie nie geendet hätten – viel mehr Synthpop in Melodie und Snare Drum gab es auch damals nicht zu hören. Diese Kategorie von Ohrwürmern haben a-ha zu der musikalischen Institution gemacht, welche sie heute sind. Klangtechnisch ist das gesamte Album dieses mal sowieso eher in dieser Richtung beheimatet, was gerade im Vergleich mit den letzten Studioalben deutlich wird. Gitarren kommen vermehrt nur noch als schmückendes Beiwerk daher und stehen konzeptuell nicht mehr so weit oben, wie z.B. die Synthesizer und allerlei weitere elektronische Verspieltheiten.

Dies wird besonders zu Beginn des Albums deutlich, doch nach der tollen ersten Nummer tritt das nur lauwarm daherkommende „Riding The Crest“ direkt im Anschluss bereits vorsichtig auf die Euphoriebremse. Etwas besser wird es wieder bei „What There Is“, ohne jedoch vollständig zu überzeugen. Lieder dieser Art haben a-ha bereits zu hauf in besserer Qualität vorgelegt. Nach diesem ersten kleineren Zwischentief folgt dann mit der bereits (zurecht) gelobten neuen Single der richtige Song, um die im Ansatz sinkende Qualität wieder in deutlich höhere Gefilde zu hieven, wenn sie auch vom Klang her (so gesehen leider) nicht wirklich repräsentativ für das neue Gesamtwerk anzusehen ist, da „Foot Of The Mountain“ einer der ganz wenigen Songs auf dem Album ist, der eher an Take That Material jüngeren Datums erinnert, als an eben jene 80er Jahre.

Mit „Real Meaning“ steht dann die erste echte Ballade an, die so gut und gefühlvoll sie auch gesungen ist, wieder eher nur vor sich hinplätschert ohne dem Hörer genau zu vermitteln, was sie denn außer Album-Füllwerk eigentlich sein will. Ganz anders sieht die Sache bei „Shadowside“ sein aus. So hat eine ruhigere a-ha Nummer auszusehen – super instrumentiert bringen die Streicher die wunderbare Melodie und Mortens Harkets hier wirklich traumhaften Gesang diesen Song wieder in eine ganz andere musikalische Liga – ein absolutes Albumhighlight und wahrscheinlich der beste Song der Platte. Leider gibt es Lieder dieser Güterklasse auf dem Album entschieden zu selten. Von den restlichen Tracks weiß fast nur noch „Mother Nature Goes To Heaven“ vollständig zu überzeugen, alles andere hört sich nett an, viel mehr aber auch nicht. Mit dem längsten und langatmigsten, wenngleich experimentellsten Song „Start The Simulator“ endet die qualitative Achterbahnfahrt schließlich auch schon nach gerade mal knapp 41 minütiger Spielzeit.

Was bleibt abschließend zu sagen? Von den insgesamt zehn Songs sind drei hervorragend, zwei gut und der Rest allenfalls durchschnittlicher Zusatz, ohne jetzt wirklich jemanden zu stören. Das macht insgesamt vielleicht eine hervorragende 5-Track-EP, allerdings ein nur leicht überdurchschnittliches vollständiges Album, an dem Fans der Band sicherlich dennoch ihre Freude haben werden – natürlich ist kein neues „Take on me“ und auch kein neues „The sun always shines on TV“ dabei, aber das kann und konnte man ja auch nicht wirklich erwarten und irgendwie sind wir ja auch alle froh, dass es heute überhaupt noch ein paar der großen Helden vergangener Tage gibt. Aber Jungs, zum Abschluss noch ein Ratschlag unter guten Freunden: Für ein Comeback-Album einer großen, kommerziell erfolgreichen Band nach mehreren Jahren ist eine Spielzeit, die sich nur mit Müh und Not über die 40 Minuten Grenze rettet einen kleinen Tick zu sehr Indie, um das Wort dreist in diesem Falle etwas wohlwollender zu umschreiben. Ein oder zwei (gute) Songs hätten der Platte sicher noch gut zu Gesicht gestanden.

Anspieltipps:

  • The Bandstand
  • Foot Of The Mountain
  • Shadowside
  • Mother Nature Goes To Heaven

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