Robin Tom Rink - The Dilettante - Cover
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Robin Tom Rink The Dilettante


  • Label: Viva Hate Records
  • Laufzeit: 37 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
8.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Eine gute Geschichte gehört seit eh und je zur Musik dazu. Sie rundet auch das Bild dieses starken Debüts perfekt ab.

Robin Tom Rink (27) verließ Mitte der 90er Jahre als 18-Jähriger seine Heimatstadt Münster und zog mit dem großen Traum Musiker zu werden und von seiner Kunst leben zu können in die Hauptstadt nach Berlin. Doch der Plan ging gründlich schief! Zu viele Drogen, zu wenig Musik. Also ging es zurück nach Münster, wo Rink als Briefträger arbeitete, bis ihn 2007 wieder das Fernweh packte und er nach Paris umsiedelte. Dort schrieb Rink wie besessen an neuen Songs und alles schien gut. Aber dann erkrankte er an einem mysteriösen Leiden, das ihn ein weiteres Jahr kostete. Die Arbeit an seiner Musik fand fortan am Rande des Nervenzusammenbruchs statt, geprägt von Schwermut, Einsamkeit, Melancholie und Sehnsucht.

Im Sommer des vergangenen Jahres nahm Rink seine Songs endlich mit Hilfe von Musikern der Band Elyjah auf und veröffentlicht sie nun auf seinem Debütalbum „The Dilettante“. Seine Lieder sind für Rink eine Art Seelentherapie und die Beschwörung seiner inneren Dämonen. Allein dadurch dürften es viele Hörer mit der Angst zu tun bekommen, wenn sie das erste Mal in das Album des 27-Jährigen hineinhören. Denn selten strahlten Songs eines deutschen Liedermachers eine derart tiefgehende Kraft, Ehrlichkeit und an das Innerste gehende Magie aus, wie auf diesem Album. Hier legt ein definitiv großes Songwritingtalent einen Seelenstriptease hin, der wirklich berührt und durchaus vergleichbar mit dem herausragenden Debütalbum von Damien Rice ist.

Die Stimme von Robin Tom Rink klingt brüchig und die Arrangements sind ab und an etwas windschief. Aber genau das macht den Charme der über viele Jahre entstandenen Lieder aus. Die Instrumentierung ist sparsam und dennoch spannend, z.B. wenn die Gitarrenharmonien in dem düsteren Abgesang „Sugar we’re going down“ dezent in Richtung Radiohead tendieren oder wenn in „Little one“ ein tieftrauriges Piano zu den kaum hörbaren Klängen eines Akkordeons aufspielt, während Rink gebetsmühlenartig beschwört „When now darkness falls / and darkness will fall / you could make it brighter for a while / and when evil comes / and evil will come / you could make me hold on / at least I’d try”.

In „Black black coffee“, das die imaginäre B-Seite des Albums einleitet, krachen plötzlich E-Gitarren aus den Lautsprechern, als wollte Robin Tom Rink den Hörer aufwecken. Doch dieser ist hellwach, durchdrungen von der ungeheuren Spannung, die das Lied-Dutzend erzeugt. So fällt auf, dass ein Stück wie „Glance“ gar nicht in den Songreigen passen mag. Zu fröhlich, zu treibend, zu optimistisch ist dieser. Aber die Welt kann ja nicht immer düster und traurig sein. Und schon sind wir beim wütendsten Song des Albums: „A certain amount of pride“. Im Stile einer Rockband preschen Rink und Co. nach vorne, lassen die Gitarren krachen und das Schlagzeug poltern. Damit muss es dann aber auch wieder gut sein! Denn „Oblivion“, „The bird“ und „Mona“ kehren zur Traurigkeit vom Anfang des Albums zurück und entlassen einen emotional berührten Hörer.

Eine Anmerkung sei noch gestattet: Die Songs funktionieren natürlich auf die gleiche Weise, hätten sie nicht diese dramatische Vorgeschichte, von der wir nicht wissen, ob sie überhaupt stimmt. Aber eine gute Geschichte gehört seit eh und je zur Musik dazu. Sie rundet auch das Bild dieses starken Debüts perfekt ab.

Anspieltipps:

  • The bird
  • Little one
  • Been there
  • Whatever evaporates
  • Dangling man – a morning

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