Metric - Fantasies - Cover
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Metric Fantasies


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Metric können einem leid tun. Gemeinsam mit der Elite des Pop Montréal entstanden, wenn auch in New York gegründet, tuckern sie seit etwas mehr als zehn Jahren im Schatten der Arcade Fires („Funeral“, „Neon bible“), Broken Social Scenes („You forgot it in people“, „Broken social scene“) und Stars („Set yourself on fire“, „In our bedroom after the war“) umher, obwohl massive Promotion bei umsatzträchtigen Fernsehserien wie Grey´s Anatomy herrscht (Snow Patrol verdanken der Serie aufgrund einer geschickt gewählten Szene mit ihrem Song „Chasing cars“ ihren internationalen Durchbruch) und die Band bei Fans und Kritikern prinzipiell ein hohes Ansehen genießt. An den Umsatzzahlen ändert das trotzdem nichts und ein durchwachsenes Werk wie „Live it out“ (05/2006) dürfte ebenfalls alles andere als förderlich gewesen sein.

Es ist also höchste Zeit mit Album Nummer 4 die Erwartungshaltungen zu ignorieren und etwas gänzlich Neues zu probieren. Zumindest ist diese Vorgehensweise bei vielen anderen vor sich hin darbenden Acts immer wieder ein willkommener Karriereschub. Emily Haines (Gesang, Synthesizer), Jimmy Shaw (Gitarre), Josh Winstead (Bass) und Joules Scott-Key (Schlagzeug) setzen den Rotstift aber ein wenig anders ein und kreieren so eine bunte, mitunter äußerst gegensätzliche Achterbahnfahrt durch ihre kleine Indiepop-Welt, die auf ihrem bisherigen Schaffen basiert, während die Kompositionen an sich eindringlicher und forscher gestaltet wurden. Zuallererst vermittelt der Opener „Help I´m alive“ jedoch ein Gefühl der Unsicherheit, denn die Mischung aus anschwellender Rockeruption und süßlichem Pop nimmt sich immer wieder selbst den Wind aus den Segeln und will nicht wirklich in die Gänge kommen.

Danach vollführen Metric allerdings eine 180 Grad-Wendung und „Sick muse“, „Satellite mind“, „Gold, guns and girls“ und „Gimme sympathy“ rauschen mit einer Melodie- und Detailverliebtheit aus den Boxen, dass es einem fast die Tränen in die Augen treibt, so schön ist mitunter das Zusammenspiel von Emilys zwischen lasziver Lolita-Stimme und selbstbewusster Powerfrau pendelndem Organ, treibenden New Wave-Beats und an den richtigen Stellen gesetzte Dynamik-, sowie Rhythmuswechsel. Lediglich der mittendrin zähflüssig dargebotene Song „Twilight galaxy“ trübt diesen hochvollendeten Genuss musischer Eleganz.

Dummerweise verfallen Metric anschließend wieder in alte Schemata und bieten mit „Collect call“, „Blindness“ und „Stadium“ nur ein Update typisch kanadischer Pop/Rock-Ware, die gut, aber nicht hervorragend ist. Der recht harte und ungehobelte Ausreißer „Front row“ passt zudem überhaupt nicht in die schwelgerische Welt der restlichen Stücke und ist somit wie schon „Twilight galaxy“ ziemlich fehl am Platz. Alles in allem liefern die Kanadier mit „Fantasies“ trotzdem einen gelungenen Statusbericht ab, der sich nicht nur besser präsentiert als der Vorgänger, sondern auch den allgemein frischeren und ungezwungeneren Eindruck macht.

Anspieltipps:

  • Sick Muse
  • Satellite Mind
  • Gimme Sympathy
  • Gold, Guns And Girls

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