Julia Marcell - It Might Like You - Cover
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Julia Marcell It Might Like You


  • Label: Inappropriate Behaviour
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Als „Classical-Punk“ bezeichnet die junge polnische Songwriterin Julia Marcell (23) ihre Musik. „Klassik wegen der Absicht, die dahinter steht und Punk wegen ihrer Umsetzung“. Das lässt sich nach dem Hörgenuss ihres Debütalbums „It Might Like You“ uneingeschränkt unterschreiben. Denn was die 23-Jährige darauf abliefert, erinnert in seiner Machart an Kolleginnen wie Tori Amos und Kate Nash – allerdings eine ganze Ecke radikaler.

Zustande gekommen ist das Album, weil sich die Polin auf dem Internetportal SellaBand registrierte, wo sie Kostproben ihrer Lieder vorstellte und innerhalb von drei Monaten 50.000 Dollar sammelte, um damit eine professionelle Aufnahme und Produktion zu finanzieren. SellaBand ist seit August 2006 aktiv und bot bisher mehr als 4.300 Talenten die Chance, ihre Werke einem globalen Publikum vorzustellen. Davon gelang es bislang 31 Musikern, die Zielsumme von 50.000 Dollar für ein Album zusammenzubringen.

Julia Marcell spielte ihr Album zusammen mit Moses Schneider (Beatsteaks, Ohrboten, Kreator, Tocotronic) in Berlin ein. Unterstützt wird sie darauf von Adam Bruderek (Violine), Anna Caban (Violine, Trompete), Anna Prokopczuk (Bratsche), Patrycja Taradejna (Cello) und Jakob Kiersch (Drums). Als Masterplan nahm sich Julia Marcell für ihr Debüt „die Freiheit zu experimentieren. Songstruktur, Tempowechsel, Rhythmus oder Atmosphäre... eigentlich alles“ und baute ihre Kompositionen aus „natürlichen, echten Klängen, Holz, Streicher, das Klicken der Finger auf den Klaviertasten, Flüstern, Knacken, Atmen“ zusammen. Die 12 Lieder wurden live aufgenommen und dabei kaum etwas weggelassen. So hört der aufmerksame Hörer quietschende Stühle, Verspieler und andere Studiounfälle auf der CD.

Damit dürfte allen klar sein, dass die Musik der Julia Marcell etwas ganz Spezielles ist, für das sich nicht jedermann begeistert lässt. Denn hier werden wunderschöne Melodien mit vermeintlich dissonanten Passagen gekreuzt („Outer space“, „Married to life“, „Side effects of growing up“), gedankenversunken zu flirrenden Streichern gesungen („The story“) und sogar mehr oder weniger eingängiges Songmaterial geboten, wenn man lange genug sucht („Night of the living dead“, „Billy Elliot“). Der Kritiker macht dafür die Avantgarde-Schublade auf und freut sich über die verdutzten Gesichter der Mainstreamhörer, die aus Versehen über dieses Album stolpern.

Anspieltipps:

  • Billy Elliot
  • Outer space
  • Married to life
  • Night of the living dead

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