D-Bo - Die Lüge Der Freiheit - Cover
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D-Bo Die Lüge Der Freiheit


  • Label: Wolfpack Entertainment
  • Laufzeit: 73 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
8.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein herausragendes Konzeptalbum, das im deutschen HipHop/Rap seinesgleichen sucht.

Mit seinem inzwischen fünften Soloalbum „Die Lüge der Freiheit“ geht der 31jährige Rapper Danny „D-Bo“ Bokelmann erstmals eigene Wege. D-Bo hat das Ersguterjunge-Label seines Kumpels Bushido (30) verlassen, auf dem er drei Alben herausgebracht hat und sich mit Wolfpack Entertainment selbstständig gemacht. Streit soll es keinen gegeben haben, der den Rapper zu diesem mutigen Schritt veranlasst hat. Für ihn ist es einfach die nächste Stufe in der persönlichen und geschäftlichen Entwicklung.

In der Tat muss man sich nach dem Tod von Optik Records und Aggro Berlin fragen, ob der Independent-Gedanke der Weg aus der Krise für den deutschen HipHop/Rap ist; ganz nach dem Motto „Gesundschrumpfen und von der Basis wieder angreifen“. Aber ob es in diesem Zusammenhang wirklich schlau ist, sein neues Album auf der Homepage zu verschenken, muss D-Bo selbst beurteilen. Andererseits erhalten die Käufer der „Die Lüge der Freiheit“-CD ein kostenloses T-Shirt aus dem D-Bo-Fanshop. Das ist sehr großzügig, denn in der Regel kosten solche Deluxe Editionen mehr als den doppelten Preis einer herkömmlichen CD. Es wird also spannend zu beobachten sein, welches Modell sich am Ende durchsetzen wird.

Musikalisch schließt „Die Lüge der Freiheit“ nahtlos an den guten 2007er Vorgänger „Sans Souci“ an. Als hätte es den Split von Ersguterjunge nicht gegeben, tummeln sich bekannte Produzenten, Gastrapper und MCs wie Beatlefield, 83 Sound, Chakuza, Nyze, Sonnik Boom, Bizy Montana, Summer Cem, Raf Camora, Aida, Pireli und Emine Bahar auf dem Album. Das sorgt für Abwechslung und qualitativ hochwertige Tracks. Die Beats sind fast ausnahmslos auf Erstliganiveau, die Texte sind es sowieso, sprich: der Hörer bekommt so gut wie keine dämlichen Gangsta-Rap-Klischees um die Ohren gehauen – und wenn, dann immer mit dem notwendigen Augenzwinkern („Timo?“).

Als besonderes Schmankerl sind die 18 Songs mit 17 Skits im Hörspiel-Charakter miteinander verbunden. Dadurch vermittelt sich dem Hörer der Eindruck, als begleite er D-Bo an einem Tag seines Lebens – an dessen Ende der Tod steht („Freiheit?“). D-Bo hängt mit seinen Kumpels im Fitnessstudio ab, muss sich mit dem Geschwätz der Straße auseinander setzten („Gerüchte?“), begibt sich in Therapiesitzungen („Deswegen?“), macht Party im Club („Diskothek?“), beschwört echte Liebe („Sehnsucht?“), beklagt unerwiderte Liebe („Fliegen?“) und hat Todesphantasien („Illusion?“).

Die Storyline ist fesselnd. D-Bo ahnt, dass sich irgendetwas zusammenbraut, nur was, ist ihm nicht klar. Er bekommt hier und da Hinweise, doch erst als er nachts aus dem Club nach Hause kommt, hat er Gewissheit, die er als Erlösung begreift. Am Ende steht D-Bo in der Hölle vor dem Teufel und muss für seine Sünden büßen. Damit beschließt D-Bo ein herausragendes Konzeptalbum, das im deutschen HipHop/Rap seinesgleichen sucht.

Anspieltipps:

  • Luft?
  • Kuss?
  • Sorry?
  • Freiheit?
  • Deswegen?
  • Diskothek?
  • Sehnsucht?
  • Scheiss drauf

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